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StartseiteKalenderblattVom Stadttor zum Nationaldenkmal06.08.2016

225 Jahre Brandenburger TorVom Stadttor zum Nationaldenkmal

Preußisch-deutsches Nationaldenkmal, Kulisse für NS-Aufmärsche, Standort einer Branntweinhandlung: Das Brandenburger Tor in Berlin war oft Schauplatz einer nicht immer rühmlichen deutschen Geschichte. Heute vor 225 Jahren wurde es als prächtiger Abschluss der Straße Unter den Linden eröffnet.

Von Bernd Ulrich

Touristen stehen am 29.07.2016 in Berlin vor dem Brandenburger Tor (picture-alliance/ dpa/ Kay Nietfeld)
Das stark beschädigte Brandenburger Tor bei Kriegsende (picture-alliance/ dpa/ Kay Nietfeld)
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"Berlin, den 6. August 1791. Nachdem auf Befehl Seiner Königlichen Majestät die Durchfahrt in dem neu erbauten Brandenburger Thor heute eröffnet wurde, so bezog das daselbst wachthabende Militair die an diesem Thor neu erbaute Wache. Sie enthielt folgende Mobilien, die durch den Herrn Lieutenant von Prodzynski in Empfang genommen wurden: drei Tische, vier neue Schemel, zwei schon gebrauchte aus der Interimswache, einen Spind für den Unteroffizier und vier Schlüssel."

Mit diesen nüchternen Worten schilderte das offizielle Protokoll die Einweihung des Brandenburger Tores am 6. August 1791. Dabei hatte der Architekt Carl Gotthard Langhans bei seinem Bauherren, dem preußischen König Friedrich Wilhelm II., extra angefragt, ob der Monarch nicht selbst das neue Tor eröffnen wolle. Schließlich handelte es sich um das bisher größte und prächtigste Tor in der Berliner Stadtmauer. Aber der König weilte auf Reisen. Das änderte indessen nichts am Selbstbewusstsein des Baumeisters Langhans.

"Die schönste Lage von der ganzen Welt"

Carl Gotthard Langhans: "Die Lage des Brandenburger Thores ist in ihrer Art ohnstreitig die schönste von der ganzen Welt."

Oder etwas schlichter im Jahr 1926 mit den Worten des Berliner Kunstkritikers und Journalisten Max Osborn:

"Ein Tor sollte es sein – nicht ein Triumphbogen, sondern ein Stadtausgang, der hier in den offenen Empfangssaal Berlins, nämlich in den Stadtboulevard 'Unter den Linden', dort in die Parkfreiheit des Tiergartens führte."

Die von Johann Gottfried Schadow entworfene und dann von versierten Handwerkern wie dem Kupferschmied Emanuel Jury erschaffene Quadriga krönte das Tor. Die Siegesgöttin Viktoria auf einem antiken Kampfwagen, gezogen von vier Pferden, war ursprünglich als Friedensgöttin geplant. Doch ihre Mutation zum Inbegriff der im 19. Jahrhundert durch siegreiche Kriege zu sich selbst kommenden deutschen Nation blieb unaufhaltsam.

Demontiert auf Befehl Napoleons

Nach ihrer Demontierung auf Befehl Napoleons, ihrer Überführung nach Paris zur Jahreswende 1806/1807 und ihrer national gefeierten Heimkehr siebeneinhalb Jahre später geriet sie zum preußisch-deutschen Nationaldenkmal. Bei dieser Gelegenheit ersetzte Karl Friedrich Schinkel auf Befehl des preußischen Königs auch den Lorbeerkranz am oberen Ende des von Viktoria gehaltenen Speers durch das Eiserne Kreuz. Schinkel hatte den vom Monarchen 1813 gestifteten Orden entworfen, der sich in der Bevölkerung großer Popularität erfreute. 

Die "Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen" schrieb am Dienstag, den 9. August 1814:

"Das schönste Thor des heutigen Europa, unser Brandenburger Thor, war zu einem natürlichen Triumphbogen, besonders durch den Umstand umgeschaffen, daß der bei der ersten feindlichen Invasion von demselben geraubte Siegeswagen, der durch die Einnahme von Paris wieder erobert hierher zurückgebracht, auf der Spitze des Thors, welche er vormals geziert hatte, wieder aufgestellt worden war."

Allerdings, so der Kunsthistoriker Matthias Hahn,

"Trotz aller Symbolhaftigkeit erfüllte das Brandenburger Tor weiterhin seine Funktion als Stadttor, Zollschranke und Akzisestelle. Und – ein Kuriosum ganz praktischer Art – zwischenzeitlich befand sich im 'Wachtgebäude am Brandenburger Tor' die 'Brantwein-Handlung J.H. Prosch'."

Eines der bedeutendsten Bauwerke des Frühklassizismus

Aber Berlin erweiterte sich nun zunehmend auch jenseits der Mauer. Zwischen 1867 und 1870 wurden Stadtmauer und die meisten Stadttore abgerissen; das Brandenburger Tor natürlich nicht. Die Stadt bedurfte vor allem als Hauptstadt des neugegründeten deutschen Kaiserreichs der nationalen Symbolik. Sie zu liefern, schienen Brandenburger Tor und Quadriga wie geschaffen.

Das Tor fungierte nun lange Jahrzehnte als Beginn und Ende einer Via Triumphalis für siegreiche Truppen. Auch die Nationalsozialisten nutzten das Tor, zuerst am Tag der "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 als symbolträchtige Lokalität von Fackelzügen. Von hier bis zur Stein gewordenen Inkarnation der Formel "Macht das Tor auf", war es ein weiter Weg. Der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan hat es auf den Punkt gebracht:

"Was das Brandenburger Tor am ehesten vermitteln kann, ist die Einsicht, daß die Einfachheit seiner architektonischen Aussage im Widerspruch zur Kompliziertheit, ja Verworrenheit einer oft nur wenig rühmlichen Geschichte steht."

Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund das Beste, das Brandenburger Tor vor allem als das wahrzunehmen, was es architektonisch darstellt: als eines der bedeutendsten Bauwerke des Frühklassizismus.

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