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StartseiteKalenderblatt23.3.1964 - Vor 40 Jahren23.03.2004

23.3.1964 - Vor 40 Jahren

Die erste Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen beginnt

Vorausgegangen war dieser ersten Welthandelskonferenz in Genf, die nichts mit der später gegründeten WTO zu tun hatte, 1961 ein Beschluss der UNO-Vollversammlung, das Jahrzehnt bis 1970 zum "Entwicklungsjahrzehnt der Vereinten Nationen" zu erklären. Nach Beendigung der Kolonialperiode nahm die weltpolitische Bedeutung der so genannten Entwicklungsländer zu, ohne dass sie über eine Institution verfügten, in der sie ihre handelspolitischen Interessen formulieren konnten. Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT wurde von den Entwicklungsstaaten als Domäne der Industrieländer betrachtet. Und zusammen mit der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit, hatten sich die reichen Staaten damit Gremien geschaffen, in denen sie ohne Rücksicht nur zu ihrem eigenen Vorteil Beschlüsse von weltwirtschaftlicher Tragweite durchsetzen konnten. In ihrer Forderung nach einer fairen Integration in den Welthandel beriefen sich die Entwicklungsländer deshalb auf die UN Charta, Artikel Nr. 1 und Nr. 55, die für alle UN-Mitgliedsländer Gültigkeit besitzt: nämlich auf die Verbesserung des Lebensstandards, die Förderung wirtschaftlichen Fortschritts und die Lösung internationaler Wirtschaftsprobleme. Dies machte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der gerade überstandenen Kuba-Krise der Generalsekretär der Vereinten Nationen U Thant in seiner Eingangserklärung deutlich:

Von Hartmut Goege

Die Konferenz tritt zu einer Zeit zusammen, da in der ganzen Welt die Erkenntnis wächst, daß es für die internationale Zusammenarbeit keine annehmbare Alternative gibt, wenn die Menschheit weiterleben will. Überall hat der Gedanke Zustimmung gefunden, daß die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen direkte Auswirkungen auf den internationalen Handel und die Wirtschaftshilfe haben. Es ist lebenswichtig für die Gemeinschaft der Völker, ein internationales Handelsklima zu schaffen, welches das Wachstum der Entwicklungsländer erleichtert und nicht hemmen würde. Das ist das Grundziel dieser Konferenz.

Konkret wollten die verarmten Nationen mehr finanzielle Hilfen der reichen Industrieländer und die Vergrößerung ihrer Absatzmärkte erreichen. Ende der 50er Jahre hatten die Vereinten Nationen den Entwicklungsländern prophezeit, dass sie für die kommenden 10 Jahre eine jährliche Wachstumsrate von 5 Prozent zu erwarten hätten. Sehr schnell wurde klar, dass das Gegenteil eintreten würde. Doch die Konferenz in Genf versprach nicht das, was sich die benachteiligten Länder von ihr erhofft hatten. Wochenlang ergingen sich 1500 Delegierte aus 120 Ländern in Grundsatzerklärungen und allgemeinen Debatten. Die Konferenz schlug sich in einer Fülle von Dokumenten nieder, die in unterschiedlichen Haupt- und Unterausschüssen erstellt wurden. Weder die Entwicklungsländer, die als "Bewegung der Blockfreien" sich zur "Gruppe der77" bildete, wichen von ihren Forderungen ab, noch wollten die Industrieländer diesen nachgeben. Nach drei Monaten Verhandlungen war nicht mehr als ein Kompromiss zu erkennen. Er enthielt als wichtigste Empfehlung die dauerhafte Einrichtung dieser Konferenz als neue UN -Institution. Die "United Nations Conference on Trade and Development", kurz UNCTAD, sollte zukünftig in einem dreijährigen Turnus zusammentreffen. Entscheidenden Einfluss auf die Forderungen der Dritten Welt übte ihr erster Präsident Raul Prebisch aus, ein angesehener argentinischer Ökonom, der seine Erfahrungen als Leiter der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika einbrachte. Prebisch stand der klassisch-liberalen Außenhandelstheorie kritisch gegenüber. Er vertrat die Ansicht, dass sich die Austauschbeziehungen, die "terms of trade", zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zwangsläufig verschlechtern würden; tropische Rohstoffpreise ständig fallen, Importpreise industrieller Fertiggüter aber steigen würden.

Einige Aspekte dieser Angelegenheit sind recht schwierig und könnten die Diskussion in die Sackgasse führen, wenn wir nicht diese pragmatischen Überlegungen obenan stellen. Praktisch sieht die Sache so aus: Die Außenhandelserlöse der Entwicklungsländer sind durch die Verschlechterung der 'terms of trade' wesentlich zurückgegangen. Wenn diese Länder nicht zusätzliche Mittel erhalten, werden sie die vernünftige, in ihren Plänen vorgesehene Wachstumsrate nicht erreichen können. Die Lage wird noch schlimmer, wenn sich die 'terms of trade' in Zukunft weiter verschlechtern. Deshalb müssen Ausgleichsmaßnahmen ein integrierender Bestandteil einer vernünftigen Politik der Entwicklungsfinanzierung sein.

Nach 40 Jahren UNCTAD fällt heute die Bilanz der Organisation ernüchternd aus. Da Ergebnisse ihrer Konferenzen nur Empfehlungscharakter hatten, blieben Resolutionen für die Entwicklungsländer ohne spürbare Wirkungen. Und spätestens durch die parallele Gründung der WTO 1994, hat die Arbeit der UNCTAD international nur noch eine geringe Bedeutung.

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