Mittwoch, 14.11.2018
 
Seit 14:10 Uhr Deutschland heute
StartseiteKalenderblatt25.5.1954 - Vor 50 Jahren25.05.2004

25.5.1954 - Vor 50 Jahren

Robert Capa, Fotograf, gestorben

Eben ist der republikanische Freiwillige – einen Patronengurt über dem offenen Hemd – aus der Deckung gesprungen, da trifft ihn die tödliche Maschinengewehrkugel. Im selben Moment klickt neben dem fallenden Soldaten der Verschluss einer Kamera. Endre Friedmann, der sich als Fotoreporter im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco Robert Capa nennt, schießt das Bild seines Lebens. Wenige Tage später wird sein Schnappschuss in großen Illustrierten wie "Vu" und "Life" abgedruckt. Dabei hatte Capa als Journalist im Grunde versagt: Die Aufnahme war nicht datiert, das Negativ verschwunden, nicht einmal Name und Herkommen des Gefallenen hatte der Reporter in Erfahrung gebracht. Eben diese Anonymität des Todes aber, die beliebige Austauschbarkeit eines durchaus nicht heroischen Massensterbens, das dieser Fotograf dennoch in ergreifenden Bildgeschichten zu schildern verstand, das machte Robert Capa zum glaubwürdigen Kronzeugen des gewalttätigen, von Kriegen erschütterten 20. Jahrhunderts. Viele Kriegsfotos sollten folgen: Gefallene US-Soldaten, die aufgereiht am Strand der Normandie liegen, von Wolldecken notdürftig verhüllt. Partisanen, in Neapel zu Grabe getragen, deren nackte Füße aus hastig zusammengezimmerten Särgen herausragen, während die Mütter der 20 jugendlichen Widerstandskämpfer schmerzerfüllt Fotos ihrer Söhne in die Kamera halten.

Von Jochen Stöckmann

Robert Capa erhält 1947 von General Dwight D. Eisenhower die "Freiheitsmedaille" (AP Archiv)
Robert Capa erhält 1947 von General Dwight D. Eisenhower die "Freiheitsmedaille" (AP Archiv)

Begonnen hatte Capas Karriere im spanischen Bürgerkrieg, wo nicht nur die Militärs ihre neuen Waffen erprobten, sondern auch Reporter die Vorzüge ihrer Kleinbildkameras für den modernen Fotojournalismus unter Beweis stellten. Schnelligkeit war Trumpf – und diese Entwicklung hat so manch zynischen Windhund hervorgebracht. Weil Capa den Sensationseffekt seiner Frontreportagen als Eintrittsbillet nutzte für Pariser Künstlerkreise und schließlich auch für Hollywood, wo er mit Ingrid Bergman anbändelte, weil der Augenzeuge des Todes öffentlich als lebenslustiger Dandy auftrat, kamen Zweifel auf an der Authentizität seiner Bilder. Das Foto aus Spanien, so vermutete noch in den Siebzigern der Schriftsteller Peter Härtling, sei gestellt. Kürzlich aber ist der anonyme Soldat identifiziert worden als Federico Borrell Garcia, gefallen am 5. September 1936 bei Cordoba. Capa hat recht behalten:

In Spanien braucht man keine Tricks, um Bilder aufzunehmen. Im Krieg muss man nichts stellen. Die Bilder sind da, und man nimmt sie einfach auf. Die Wahrheit ist das beste Bild.

Und an diese Wahrheit gilt es möglichst nah heran zu kommen. Ob in Schützengräben, Panzern oder Landungsbooten – Capa ist immer dabei, teilt das Leben und Überleben ermüdeter, abgekämpfter und nur ganz selten einmal heroisch posierender Soldaten. Meist ähneln sie den streikenden Renault-Arbeitern, die Capa 1936 in Billancourt fotografiert: Stoppelbärtig und hohläugig kauern sie unter Wolldecken zwischen ihren Maschinen.

Als der Krieg zu Ende ist, gründet Robert Capa zusammen mit Henri Cartier-Bresson die Agentur "Magnum", ein zwiespältiges Unterfangen, erinnert sich "Bobs" Bruder und Nachlassverwalter Cornell Capa:

Henri war Maler und achtete auf geometrische Komposition. Für Bob dagegen zählte nur das Gefühl für die Menschen.

Für "Magnum" reist Capa quer durch alle Kontinente, porträtiert Politiker oder Künstler – dokumentiert aber auch Hunger und Elend. Nicht agitatorisch anklagend, sondern mit jenem verdeckten Augenzwinkern, das die Fotos dieses dandyhaften Melancholikers so unvergesslich macht – und ihnen eine Tiefe gibt, die den Schriftsteller John Steinbeck bewog, ausgerechnet diesen Kriegsreporter 1948 mit in die Sowjetunion zu nehmen. Capas ungewohnt friedliche Bilder illustrieren die Reiseimpressionen von Steinbeck, der damals erkannte:

Capa wusste, was er suchte und was er machen musste, wenn er es gefunden hatte. Er wusste zum Beispiel, dass man den Krieg nicht fotografieren kann, da Krieg im wesentlichen ein Gefühl ist.

1954 dann zieht Capa für einen erkrankten Agenturfotografen noch einmal in den Krieg. Und ist in Indochina wieder ganz vorne mit dabei: An der Spitze einer französischen Patrouille wird Robert Capa am 25. Mai Opfer einer Tretmine.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk