Sonntag, 23.09.2018
 
Seit 19:10 Uhr Sport am Sonntag
StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Versprechen, das nie erfüllt wurde13.09.2018

25 Jahre Oslo-AbkommenEin Versprechen, das nie erfüllt wurde

Das Abkommen von Oslo hatte nie eine Chance, kommentiert Julio Segador. Verantwortlich für das Scheitern waren zaudernde Israelis und kraftlose Palästinenser. Trotzdem enthalte das Papier eine Botschaft für die gesamte Welt - eine Botschaft, die auch heute noch gültig sei.

Von Julio Segador

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Shimon Peres setzt am 13. September 1993 in Washington seine Unterschrift unter das Abkommen von Oslo, hinter ihm stehen u.a. der israelische Premierminister Jitzhak Rabin, PLO-Chef Jassir Arafat und US-Präsident Bill Clinton. (picture alliance / dpa / Arnie Sachs)
Historischer Moment im Rosengarten des Weißen Hauses: Israel und die PLO unterzeichnen das Oslo-Abkommens am 13 September 1993 (picture alliance / dpa / Arnie Sachs)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

25 Jahre Oslo-Abkommen Vom Ende großer Hoffnungen

25 Jahre Osloer Abkommen Der israelischen Friedensbewegung fehlt ein Anführer

Initiative für Konföderation Eine dritte Option für Israel und Palästina

Palästina-Israel-Konflikt PLO setzt Anerkennung Israels aus

Wer hatte damals kein Herzklopfen? Wer hatte 1993 nicht die Hoffnung, dass der Frieden im Nahen Osten zum Greifen nah sein würde? Wer hoffte nicht an ein gutes Miteinander von Israelis und Palästinensern? Es war ein kurzes Zeitfenster des Optimismus, das sich in Oslo geöffnet hatte, und das mit dem historischen Handschlag zwischen Israels Ministerpräsident Rabin und Palästinenserführer Arafat im Weißen Haus vor genau 25 Jahren seinen Höhepunkt fand. Ein Vierteljahrhundert später wissen wir: Oslo ist gescheitert, und schon im Abkommen selbst lag der Keim dieses Scheiterns.

Leichtes Spiel für Hardliner

Rabin zauderte, machte den Palästinensern Hoffnungen auf einen eigenen Staat, wollte aber den Siedlungsbau nicht eindämmen. Und Arafat überschätzte seine Macht, und die Fähigkeit seines Volkes, eine vernünftige Selbstverwaltung zu organisieren. Hardliner auf beiden Seiten hatten leichtes Spiel den Friedensprozess zu torpedieren.

Der Mord an Yitzchak Rabin – nur zwei Jahre nach dem historischen Handschlag der beiden Erzfeinde – besiegelte das Scheitern des Oslo-Abkommens. 25 Jahre danach liegt der Friedensprozess am Boden. Israelis und Palästinenser stehen sich unverändert feindselig gegenüber, und weit und breit sind keine Politiker zu sehen, die das Format hätten, den Friedensprozess wiederaufleben zu lassen.

Abbas hat weder Kraft noch Visionen für einen Frieden

Israels Premier Benjamin Netanjahu unternimmt nicht einmal den Versuch, auch schmerzvolle Entscheidungen zu treffen, die Friedensinitiativen notwendigerweise beinhalten. Er zieht es vor, überhaupt keine Initiativen zu ergreifen, die seine Machtposition möglicherweise schwächen, etwa durch rechte Hardliner in Israel. Doch ohne Handeln ist kein Frieden möglich. Und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas ist gefangen in den internen Auseinandersetzungen rivalisierender Palästinenserflügel. Der greise Palästinenserchef hat weder die Kraft noch die Visionen, seinen Leuten eine positive Zukunftsperspektive zu eröffnen. 

Die Hoffnung Israels auf einen dauerhaften Frieden und die Hoffnung der Palästinenser auf einen eigenen Staat ist 25 Jahre nach den aufregenden und spannenden Geheimverhandlungen zerstoben. Oslo war nicht mehr als ein unerfülltes Versprechen auf einen dauerhaften Frieden. Aber der Oslo-Prozess zeigt auch, wie sehr Diplomatie festgefahrene, schier ausweglose Konflikte in Bewegung bringt. Es wäre einen neuen Versuch wert.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk