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StartseiteInformationen am MorgenEine gelbe Welt, in der nur Frauen vernünftig sind19.04.2017

30 Jahre SimpsonsEine gelbe Welt, in der nur Frauen vernünftig sind

Eine kaputte Schule mit demotivierten Lehrern. Ein übergewichtiger Familienvater, der sich von Bier und Donuts ernährt. Und der Sohn ein schlitzohriger Schulversager ohne jeden Ehrgeiz. Wer die Simpsons schaut, sieht Amerika im Zerrspiegel. Am 19. April 1987 hatten sie ihren ersten Auftritt.

Von Eberhard Nembach

Die Simpson-Familie im Wohnzimmer: Familienvater Homer Simpson am Boden, ganz rechts seine Frau Marge, davor das Nesthäkchen Maggie, dann Bart, der Stammhalter der Familie, mit seiner intelligenten Schwester Lisa. Aufnahme von 1991. (picture alliance / dpa-Film 20th Century Fox)
Die Simpsons in einer Folge von 1991. (picture alliance / dpa-Film 20th Century Fox)
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Das schrieb Bart Simpson im November an die Schultafel – in der Folge kurz nach der Präsidentschaftswahl. Ja, die Macher der Simpsons haben Recht gehabt: Schon im Jahr 2000 gab es eine Folge, die damals in der Zukunft spielte – wie immer alles komplett ins Absurde übersteigert. Und was wäre aus Sicht der Macher damals absurder gewesen, als dass der Unternehmer und Fernsehstar Donald Trump irgendwann in der Zukunft einmal US-Präsident wird? Recht gehabt zu haben ist Mist.

Bei den Simpsons stand damals aber auch schon fest, wer nach Donald Trump ins Weiße Haus einzieht: Die hochbegabte und politisch sehr korrekte Lisa Simpson – leider findet sie ein Land vor, dass komplett pleite ist…

"Wie kann das sein?", seufzt Präsidentin Simpson – aber es ist ja alles zum Glück nur Fiktion.

Absurd komisch, aber sehr realistisch

Seit 30 Jahren gibt es die Simpsons, diese gelbe Familie Jedermann aus Springfield, einem Ort der überall und nirgendwo in den USA sein könnte. Und wer ihnen in den letzten Jahrzehnten zugesehen hat, kann sich über die Spaltungen und Probleme, die im letzten Präsidentschaftswahlkampf sichtbar wurden, kaum noch wundern. Die Simpsons sind absurd komisch, aber trotzdem sehr realistisch.

"Ich habe sie nach meiner eigenen Familie benannt", hat der Comic-Zeichner Matt Groening einmal in der Talkshow von Charlie Rose erzählt: "Homer ist mein Vater, Margret – Marge – ist meine Mutter, ich habe eine jüngere Schwester Lisa und eine kleine Schwester Maggie." Nur den Sohn habe er nicht Matt genannt – sondern eben Bart, damit nicht alle denken, die Geschichten sind autobiografisch.

Wer die Simpsons schaut, sieht Amerika im Zerrspiegel: Eine kaputte Schule mit demotivierten Lehrern und hoffnungslosen Schülern. Ein übergewichtiger Familienvater, der sich von Bier und Donuts ernährt, am liebsten Fernsehserien schaut und nicht mal von seinem debilen Vater im heruntergekommen Altenheim respektiert wird. Der Sohn ein schlitzohriger Schulversager ohne jeden Ehrgeiz. Ein illegaler Einwanderer, der einen Laden betreibt. Inkompetente Mediziner, die überhaupt nur gegen Bares arbeiten. Ein Unternehmer, der rücksichtslos Menschen und Natur ausbeutet.

Frauen halten die verrückte Welt zusammen, sind aber Randfiguren

Zusammengehalten wird diese verrückte gelbe Welt nur von den Frauen: Marge Simpson mit ihren blauen Haaren schützt ihren kahlköpfigen Mann Homer vor den schlimmsten Verrücktheiten. Tochter Lisa ist hochbegabt und politisch engagiert, sogar das Baby Maggie greift manchmal ein, wenn es ganz schlimm kommt. In dieser verrückten gelben Welt bleiben die vernünftigen Frauen und Mädchen meistens Randfiguren, die nur wenige Sternstunden erleben…

In einer Folge schwebt first Lady Michelle Obama mit dem Hubschrauber in Springfield ein – sie sei extra aus Turkmenistan gekommen, um eine junge Dame zu unterstützen, die glaube dass niemand sie leiden könne, nur weil sie eine Überfliegerin sei – so wie sie selbst…

Lisa Simpson kann diese Unterstzützung gut gebrauchen – meistens hört ihr niemand zu, wenn sie Dummheit oder Verschwendung beim Namen nennt oder auf Umweltverschmutzung aufmerksam macht. Sogar bei den Zuschauern war von Anfang Lisas frecher und nichtsnutziger Bruder Bart populärer. Schon 1990 war die Rede von einer regelrechten "Bartmania", kein anderer Simpson ist auf so vielen T-Shirts zu sehen wie Bart.

Michelle Obama hat sich geweigert, ihre Stimme für den Auftritt bei den Simpsons herzugeben – die Michelle-Zeichentrickfugur bekam die Stimme einer Schauspielerin. Einige Prominente haben sich dazu im Lauf der Jahre aber doch hergegeben: Die Mitglieder der Band Aerosmith zum Beispiel ist sind im Original zu hören – und hatten viel Spaß bei der Aufnahme…

Die Fernsehserie hat alle Rekorde gebrochen, die Simpsons haben sogar einen Stern auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood. Dabei hat alles sehr klein angefangen, mit kleinen kurzen Szenen.

"Das war doch nur ein kleiner Randgag der Show", erinnert sich Produzent James L. Brooks, der die Comicserie 1987 für die Tracey Ullman Show einkaufte, um die Umkleidepausen zu überbrücken – am Ende haben die Leute über die Simpsons am meisten gelacht…

 

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