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StartseiteEuropa heuteBlick in die Geschichte des Fürstentums11.01.2019

300 Jahre LiechtensteinBlick in die Geschichte des Fürstentums

Das Fürstentum Liechtenstein feiert in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag. Am 23. Januar 1719 wurden zwei Landesteile vereinigt. Seiter bildet das Fürstentum einen eigenen Staat. Anlass für einen Blick in die Geschichte des kleinen Landes.

Von Dietrich Karl Mäurer

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Das Fürstentum Liechtenstein (imago/David Pickford)
1719 wurde Liechtenstein zum Reichsfürstentum erhoben. Heute ist es laut Verfassung eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage. (imago/David Pickford)
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Archäologische Funde belegen: Schon seit der Jungsteinzeit siedelten Menschen im heutigen Gebiet Liechtensteins. 15 vor Christus kamen die Römer. Danach stand die Region unter fränkischer Verwaltung. Die Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz waren Teil des deutschen König- und Kaiserreichs. Mehrfach gab es Herrschaftswechsel - auch Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts - erzählt Rainer Vollkommer, der Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums in Vaduz:

"Es kam dann eben zu dem Punkt, dass die damaligen Herrscher sich komplett verschuldet haben und Ländereien verkaufen mussten."

Fürst Johann Adam aus dem österreichisch-böhmischen Haus Liechtenstein kaufte 1699 erst Schellenberg und 1712 auch die Grafschaft Vaduz:

"Der Grund war, dass Vaduz einen Sitz im Regensburger Parlament hatte. Diesen wollte er unbedingt haben, denn er hatte zwar den Titel Fürst, aber er war kein Reichsfürst. Der Titel war verbunden mit dem Parlamentssitz. Und das bedeutete wiederum eine gewisse Souveränität im Verbund des Heiligen Römischen Reiches."

Der Rheinbund brachte die Unabhängigkeit

1719 wurde das Land zum Reichsfürstentum erhoben. Liechtenstein, das nur aus Bauerndörfern bestand, wurde immer wieder von fremden Truppen besetzt, auch von Napoleon. Nach der Schlacht bei Austerlitz kam es 1806 zur Gründung des Rheinbundes und für Liechtenstein zu einem entscheidenden Schritt - erzählt Rainer Vollkommer:

"In diesem Vertrag steht auch, dass Napoleon sich wünscht, dass zwischen Frankreich und den Deutschen Landen eine Art Pufferstaatensystem entlang des Rheins entsteht. Und so entstand der Rheinbund, eines der ersten 15 Mitglieder war Liechtenstein, das dann als unabhängiges Land galt." Doch trotz Unabhängigkeit blieb Liechtenstein lange rückständig und relativ arm.

Prof. Dr. Rainer Volkommer, Direktor des Landesmuseums Liechtenstein (ARD / Dietrich Karl Mäurer)Prof. Dr. Rainer Volkommer, Direktor des Landesmuseums Liechtenstein (ARD / Dietrich Karl Mäurer)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts beendete ein Zollvertrag mit Österreich die wirtschaftliche Isolation. Nach dem Ersten Weltkrieg orientierte man sich Richtung Schweiz und führte u.a. den Franken ein. Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Fürstentum neutral und wurde nie in direkte Kriegshandlungen verwickelt. Dies und nicht zuletzt niedrige Steuern kurbelten die Wirtschaft an. Wegen seiner verschwiegenen Banken galt Liechtenstein zudem als Steueroase.

Doch inzwischen ist das Bankgeheimnis gefallen. Das einst arme Liechtenstein ist mittlerweile einer der reichsten Staaten der Erde.

Das fürstliche Vetorecht bleibt

Politisch versucht das Land weiterhin einen Spagat: Laut Verfassung ist das Fürstentum eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage. Trotz des vom Volk gewählten Parlaments und direktdemokratischer Elemente hat der Fürst das letzte Wort. Historiker Rainer Vollkommer schätzt ein:

"Er spielt eine sehr wichtige Rolle, aber sehr dezent. Er hätte sehr viele Möglichkeiten, könnte eigentlich sehr viel verändern, macht es aber nicht."

Das Volk scheint zufrieden. 2012 stimmte eine Mehrheit für die Beibehaltung des fürstlichen Vetorechts.

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