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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Spaltung der Gesellschaft würde vertieft30.08.2021

3G-Regel in ZügenDie Spaltung der Gesellschaft würde vertieft

Es gibt zu viele Fragezeichen und plausible Gegenargumente hinsichtlich der Umsetzung von 3G im Bahn-Fernverkehr, kommentiert Dieter Nürnberger. Die bisherigen Vorschriften sollten ausreichend sein, um noch Zweifelnde zu überzeugen, sich endlich impfen zu lassen.

Ein Kommentar von Dieter Nürnberger

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Frankfurt/Main: Zahlreiche Reisende warten am frühen Morgen im Frankfurter Hauptbahnhof auf einen ICE nach Berlin zu Beginn eines bundesweitern 48-stündigen Streiks im Personenverkehr der Bahn und in der Bahn-Infrastruktur.  (dpa/Frank Rumpenhorst)
Wie es derzeit aussieht, wird sie nicht kommen – die 3G-Regel für den Verkehrsbereich, genauer gesagt für den Fernverkehr der Bahn und auch für Inlandsflüge (dpa/Frank Rumpenhorst)
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Wie es derzeit aussieht, wird sie also nicht kommen – die 3G Regel für den Verkehrsbereich, genauer gesagt für den Fernverkehr der Bahn und auch für Inlandsflüge. Und das, obwohl die Kanzlerin weiterhin dafür ist und laut Umfragen ebenso die Mehrheit der Bevölkerung. Allerdings gibt es Gegenargumente und die wurden auch in einem Prüfauftrag von damit befassten Ministerien deutlich formuliert. Und sie sind nicht von der Hand zu weisen.

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Die erste Frage wäre: Ist eine engmaschige 3G-Kontrolle in Zügen überhaupt durchführbar? Theoretisch schon, praktisch aber nicht. Natürlich könnte das Bahnpersonal dazu verdonnert werden - Kellnerinnen und Kellner müssen in Restaurants ja auch auf die Einhaltung der Regeln achten. Doch das ist nicht das Gleiche. Denn der Schienentransport gehört zur öffentlichen Grundversorgung in Deutschland, wer kein Auto hat, ist darauf angewiesen. In ein Restaurant gehen, muss man nicht zwingend. Auch ein Stadionbesuch beim 1. FC Köln, hier gilt sogar die 2G-Regel, ist vielen eine Herzensangelegenheit, doch es ginge eben auch ohne. Wer allerdings als Berufspendler jeden Morgen beispielsweise den ICE von Fulda nach Frankfurt/Main nutzt und seine Bahncard meist auch schon bezahlt hat, dem sollte man nicht diesen Weg zur Arbeit versperren, auch wenn er ungeimpft ist. Da sind die üblichen und sinnvollen Masken- und Abstandsregeln ausreichend.

Kontrolle wäre nicht praktikabel

Und mal ehrlich: Im täglichen Massengeschäft Bahn wäre eine Kontrolle der 3G-Regeln nicht praktikabel, ohne, dass es zu Staus und Verzögerungen auf den Bahnsteigen käme. Im Gegensatz zum Flieger mit seinen ohnehin strengen Einlasskontrollen gibt es bei der Bahn ja nicht einmal eine Reservierungspflicht. Eine 3G-Regel im Schienenfernverkehr wäre auch nicht konsequent, weil die meisten auch noch den öffentlichen Nahverkehr nutzen, um zum Bahnhof zu kommen. Das dürften Ungeimpfte auch weiterhin – ohne 3G-Verpflichtung. Die große Zurückhaltung im Bundesverkehrs- und auch im -justizministerium ist daher nachvollziehbar. Es gibt zu viele Fragezeichen hinsichtlich der Umsetzung von 3G im Fernverkehr.    

Keine weiteren Vorschriften

Für mich war von Anfang klar, dass ich mich impfen würde. Das nicht wenige anders denken oder noch zögern, damit müssen wir leben. Es gibt ja auch schon 3G-Regeln im Alltag und eine Maskenpflicht im Zug. Das alles schützt, wenn es denn umsetzbar und praktikabel ist. Die bisherigen Vorschriften sollten ausreichend sein, um noch Zweifelnde zu überzeugen, sich endlich impfen zu lassen. Verschärfen oder ausweiten, braucht man die 3G-Regeln hingegen nicht, zumindest nicht von staatlicher Seite. Sie würden die Spaltung der Gesellschaft im Geimpfte und Ungeimpfte noch vertiefen. Es wäre ein zu hoher Preis. 

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