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StartseiteUmwelt und VerbraucherBewusstsein für ökologische Fragestellungen gestärkt28.03.2018

40 Jahre Kampagne "Jute statt Plastik"Bewusstsein für ökologische Fragestellungen gestärkt

Mit dem Slogan "Jute statt Plastik" wurde vor 40 Jahren die Alternative zur Plastiktüte in Deutschland eingeführt. Besonders die Langlebigkeit von Jute oder dem heute beliebteren Baumwollbeutel sei gegenüber der Plastiktüte vorteilhaft, sagte Petra Weisshaupt vom Bundesumweltamt im Dlf.

Petra Weisshaupt im Gespräch mit Stefan Römermann

Das Original: Die Jute-Tasche mit dem Aufdruck "Jute statt Plastik" (rechts) und eine neuere Version aus dem Jahr 2008. (dpa/picture alliance/Horst Ossinger)
Das Original: Die Jute-Tasche mit dem Aufdruck "Jute statt Plastik" (rechts) und eine neuere Version aus dem Jahr 2008. (dpa/picture alliance/Horst Ossinger)
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Müllvermeidung Abschied von der kostenlosen Plastiktüte

Stefan Römermann: Einen echten Jute-Beutel, den sieht man heutzutage nur noch selten. An den Supermarktkassen liegen hierzulande vor allem schöne Baumwoll-Beutel. Die echte Jute-Tasche konnte man an ihren groben, kratzigen und etwas muffeligen Fasern erkennen. Vielleicht erinnern Sie sich ja noch. Die waren in den 80er- und 90er-Jahren so etwas wie das Erkennungszeichen für umweltbewusste Menschen. Nach Deutschland kam die Jute-Tasche vor ziemlich genau 40 Jahren und unter dem Slogan "Jute statt Plastik" machte sie die Fair-Trade-Organisation GEPA zum Sinnbild für einen nachhaltigen Lebenswandel.

Darüber spreche ich jetzt mit Petra Weisshaupt vom Umweltbundesamt und dort verantwortlich für das Thema Produktverantwortung. – Frau Weisshaupt, haben Sie noch irgendwo eine echte Jute-Tasche liegen, oder sind Sie eher ein Fan des Baumwoll-Beutels?

Petra Weisshaupt: Ich bin eher ein Fan des Baumwoll-Beutels und ich glaube, da schwimme ich im Moment schon mit dem Mainstream.

Römermann: Nur des Geruchs wegen, oder ist es tatsächlich sogar die nachhaltigere Tasche?

Weisshaupt: Ich denke, zunächst ist es einmal die verfügbarere Tasche. Man bekommt sie wirklich mittlerweile in allen Geschäften und zum Teil auch geschenkt. Das Gute an diesen Taschen, sowohl an den Jute-Taschen als auch an den Baumwoll-Taschen, ist die Mehrwegfähigkeit und die Langlebigkeit. Das heißt, man kann die Taschen Monate bis Jahre verwenden. Vielleicht lassen sich Baumwoll-Taschen besser waschen, wodurch man auch noch mal eine Verlängerung der Lebensdauer erreichen kann.

"Ökobilanzen sind nur ein Indikator"

Römermann: Das klingt plausibel. – Lassen Sie uns trotzdem mal kurz über die Ökobilanz sprechen. Damals vor 40 Jahren, da hieß es, für die Herstellung einer einzigen Plastiktüte würde viermal so viel Energie verbraucht wie für die Produktion eines Jute-Sacks. Kommt Ihnen das irgendwie realistisch vor mit den Zahlen? Ich habe jetzt gehört, bei Baumwoll-Taschen soll die Energiebilanz eher zugunsten des Plastiks ausschlagen.

Weisshaupt: Bei Ökobilanzen haben wir immer die Schwierigkeit des Bilanzrahmens. Sie brauchen natürlich einerseits Energie, um einen bestimmten Gegenstand herzustellen. Das ist ein erster Indikator für den Ressourcenverbrauch, der für die Herstellung erwächst. Aber ein Produkt an sich hat ja auch eine Lebensdauer. Da kommen dann Aspekte dazu wie Langlebigkeit oder auch Funktionalität. Wenn Sie zum Beispiel einen Gegenstand herstellen, der sehr ressourcenschonend hergestellt werden kann, aber keine lange Lebensdauer hat, dann ist das in der Summe auch nicht so vorteilhaft. Deswegen sind Ökobilanzen nur ein Indikator.

Römermann: Aber der Indikator sagt, prinzipiell ist ein Baumwoll-Beutel, den ich häufig benutze, auf jeden Fall sinnvoller als eine Einwegtüte, die ich vielleicht maximal zwei-, dreimal benutzen kann?

Weisshaupt: Das ist auf jeden Fall zutreffend, ja.

Römermann: Ist trotzdem das Plastik auch irgendwie zu Unrecht in Verruf gekommen? Ein Baumwoll-Beutel bringt ja nur was, wenn ich ihn besonders häufig und besonders lange benutze, habe ich so verstanden.

Weisshaupt: Genau. Vielleicht ist das Plastik auch etwas zu Unrecht in Verruf geraten, zumal es sich um einen sehr pragmatischen Werkstoff handelt. Er hat viele gute Eigenschaften, auch gerade im Bereich der Verpackungen. Allerdings ist das Ziel oder sollte das Ziel sein, insgesamt Abfälle zu vermeiden.

Römermann: Und in der Hinsicht hat dann Jute statt Plastik trotzdem Gutes bewirkt, ist Ihr Eindruck?

Weisshaupt: Na ja. Zumindest hat die Kampagne dafür gesorgt, dass ein stärkeres Bewusstsein für ökologische Fragestellungen in der Bevölkerung vorhanden ist und sich die Menschen auch mit Fragen der Abfallwirtschaft beschäftigen und mit Fragen der Nachhaltigkeit und mit Fragen der Ökobilanzierung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass vor 40 Jahren so eine Frage nach dem ökoeffizientesten Beutel nicht gestellt worden wäre.

Römermann: Da hätte man uns vermutlich sehr doof angeguckt.

Weisshaupt: Ja. Das ist schon mal eine positive Entwicklung, dass jetzt da ein anderer Gedanke vorherrscht.

Römermann: Aber Plastik vermeiden ist insgesamt weiterhin ein gutes Ziel, sagen Sie?

Weisshaupt: Das würde ich auf alle Abfälle ausweiten, dieses Ziel, und nicht nur auf das Verpackungsplastik. Prominent ist diese Plastikproblematik geworden, weil vermehrt Kunststoffabfälle in der Umwelt gefunden werden, und das ist natürlich was, wo alle entgegenwirken sollten, dass Kunststoffe und Kunststoffabfälle insbesondere einer geordneten Verwertung zugeführt werden.

Römermann: 40 Jahre Jute-Tasche, 40 Jahre "Jute statt Plastik" – das war Petra Weisshaupt vom Umweltbundesamt. Ich sage vielen Dank für das Gespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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