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StartseiteUmwelt und Verbraucher50.000 Pflanzenproben in Dosen22.08.2003

50.000 Pflanzenproben in Dosen

Braunschweiger Genbank wird in Gaterslebener Genbank angegliedert

Die Braunschweiger Genbank wurde 1970 im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums eingerichtet, um pflanzliches Genmaterial zu erhalten. Mittlerweile ist die Sammlung auf 50.000 Proben angewachsen, einzeln eingeschweißt in Dosen. Alles mitteleuropäische Kulturpflanzen, betont der Leiter der Braunschweiger Genbank, Lothar Frese.

Von Wibke Kaminski

Wir werden uns natürlich nicht mit Bananen in der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzen, weil wir sie hier nicht kultivieren können. Also die Frage der Kulturfähigkeit "Passt es in unsere Anbauregion?- Hat die Pflanze eine Chance, überhaupt einmal hier produziert werden zu können?" spielt mit eine Rolle. Daneben spielt mit eine Rolle, ob Pflanzenarten mit Kulturpflanzen verwandt sind. Also wir sammeln auch Wildpflanzenarten, die zum Beispiel in Griechenland oder in der Türkei oder in Äthiopien oder Mittelamerika vorkommen, wenn diese verwandt sind mit Kulturpflanzen.

Nach der Wiedervereinigung gab es zwei Genbanken in Deutschland, neben der in Braunschweig noch eine in Gatersleben in Sachsen-Anhalt, nicht einmal 100 Kilometer entfernt. Aus Kostengründen werden die beiden Sammlungen jetzt zusammengelegt. Gatersleben hat sich als Standort durchgesetzt, weil die Sammlung dort weitaus älter und umfangreicher ist.

Pflanzliches Genmaterial zu erhalten ist beispielsweise wichtig für die Züchtungsforschung. Aufgabe sei es, Partner im In- und Ausland mit Saatgut zu beliefern. Ein wichtiger Punkt ist die Sicherstellung der Ernährung. Lothar Frese:

Das ist ein Großteil der Arbeit der Bundesanstalt für Züchtung an Kulturpflanzen, Material zu entwickeln oder auch Methoden zu entwickeln, mit denen Material erstellt werden kann mit verbesserter Resistenz. Wenn wir das nicht hätten, wenn wir diese Forschungseinrichtung nicht hätten, wenn wir das Material nicht hätten, dann wäre die Ernährungssicherung nicht so gegeben, wie wir das heute so kennen. Wir hätten größere Ertragsausfälle, wir hätten nicht Lebensmittel mit einer so hohen Qualität wie wir sie heute haben.

Auch Museen oder Botanische Gärten griffen oft auf Material von der Genbank zurück.

Viele in unserem Lande kennen gar keine Kulturpflanzen mehr. Wir nehmen sie zwar wahr als Weizenfelder, Gerstenfelder, aber niemand kann sie mehr exakt benennen, niemand kann mehr unterscheiden, was ist ein Emmer, was ist ein Einkorn, was ist ein Brotweizen, was ist ein Hartweizen. Wenn wir Material an Museen abgeben und dieses Material fortan zur Schau gestellt wird, dann kann natürlich jeder da hingehen und sich das Material ansehen, auf dem Etikett lesen, was es ist, und vielleicht so ein bißchen auch lernen, was Landwirtschaft ist und was natürliche Vielfalt ist.

Neben kulturhistorischen und Forschungsaspekten lassen sich auch ethische Gründe für die Erhaltung von Genmaterial anführen. Der Leiter der Braunschweiger Genbank, Lothar Frese.

Nun, es stellt sich auch einfach die Frage nach dem Umgang mit der Natur. Ist es uns Menschen zugestanden, Arten einfach auszulöschen, indem wir nichts tun, oder müssen wir Arten vor dem Artensterben bewahren.

Die meisten Pflanzenproben sind schon in Gatersleben angekommen. Vier- bis Fünftausend sind aber noch in Braunschweig: Restbestände aus frischen Ernten oder die, die noch für Versuche gebraucht werden. Darüber hinaus beschäftigen sich die Mitarbeiter aus Braunschweig zukünftig statt mit tiefgefrorenen Proben mit Pflanzen an ihrem natürlichen Standort. Diese Arbeit werden Frese und ein weiterer Wissenschaftskollege ab 2006 im sachsen-anhaltinischen Quedlinburg fortsetzen. Einige der technischen Mitarbeiter gehen dann in den Ruhestand, andere werden von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig überno

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