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StartseiteCampus & KarriereLehre in der Krise24.09.2019

50 Jahre BerufsbildungsgesetzLehre in der Krise

Die berufliche Bildung in Deutschland - die Kombination aus Berufsschule und betrieblicher Ausbildung - gilt als Erfolgsmodell. Dennoch bleiben mittlerweile viele Lehrstellen unbesetzt. Dafür gibt es eine ganze Reihe an Gründen, beispielsweise geringe Aufstiegschancen bei Bäckern oder Metzgern.

von Vladimir Balzer

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Lehrherr schweißt, Lehrlinge schauen zu (imago / Rainer Unkel)
Ausbildungsplätze in technischen Berufen sind begehrt, bei Bäckern und Metzgern herrscht dagegen Lehrlingsmangel (imago / Rainer Unkel)
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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist in Feierlaune. 50 Jahre Berufsbildungsgesetz:

"Das ist 50 Jahre Erfolgsgeschichte der beruflichen Bildung in Deutschland!"

Die CDU-Ministerin konnte sich in ihrer Amtszeit noch kaum profilieren, nur beim Thema Berufsbildung ist sie wirklich ein Stück vorangekommen. So wird es ab nächstem Jahr einen Mindestlohn für Auszubildende geben: 515 Euro, danach Jahr für Jahr leicht steigend. Allerdings profitiert davon nur jeder zehnte Auszubildende, der Rest hat ohnehin schon mehr bekommen.

Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

Und auch wenn manche vom neuen Mindestlohn für Azubis profitieren: In diesem Jahr sind nach Zahlen der Gewerkschaften 150.000 Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben. Ein Faktor ist die Mobilität, so Karliczek:

"Die jungen Leute sagen: Wir wollen in unserem Umfeld bleiben. Das macht sich auch schon bei den Hochschulen bemerkbar, sie wollen in die Nähe. Die Verankerung in einer Region ist wichtig. Wo wir also Mobilität schaffen können, damit die jungen Leute nicht umziehen - da können wir schon Unterstützung geben, wenn Regionen bei Nachfrage- oder Angebotsüberhang dicht beieinander liegen, damit die jungen Leute zu ihrem Ausbildungsplatz pendeln können."

Eine weitere Möglichkeit wären Campus-ähnliche Berufsschulen, wo die Azubis mit wohnen. Da sind aber auch die Länder gefragt.

Arbeitsbedingungen entscheidend

Ein anderes Problem sind die geringen Aufstiegs- und Qualifikationsschancen in bestimmten Berufen. Kornelia Haugg ist Abteilungsleiterin Berufliche Bildung im Bundesbildungsministerium:

"In den technischen Berufen haben sie kein Problem, Auszubildende zu finden. Aber es sind die Klassiker, wo es schwierig ist: Bäcker, Metzger. Es ist keine Frage der Ausbildung, sondern der Arbeitsbedingungen - und das schauen sich Menschen genau an."

Aber es gibt auch regionale Unterschiede, so Haugg:

"Bayern, Baden-Württemberg suchen händeringend nach Auszubildenden, in Nordrhein-Westfalen haben wir dagegen einen Mangel an Ausbildungsplätzen."

Schwierigkeiten für Hauptschüler und Ausländer

Oft passen die Bewerberinnen und Bewerber aber auch nicht zu den Stellen – unterschiedliche Vorstellungen von Ausbildungsbetrieb und Azubi treffen da aufeinander. Hauptschüler haben spürbare Probleme, eine Ausbildung zu finden, ebenso Absolventen mit ausländischem Pass. Bei letzteren findet nur jeder zweite einen Platz gleich nach der Schule. Doch um diese Gruppen noch mehr zu unterstützen, gab es heute wenig Konkretes.

Im Gegensatz zum neuen Stolz der Ministerin: Das veränderte "Aufstiegsbafög", das früher "Meisterbafög" hieß. Es geht um Fortbildungen. Davon sollen nun nicht mehr nur eine, sondern gleich drei pro Erwerbsleben bezuschusst werden. Vom Einkommen unabhängig werden die Lehrgänge mit bis zu 15.000 Euro bezahlt, einkommensabhängig gibt es Geld für die Lebenshaltung während der Fortbildung. Mehr Geld gibt es mit dem novellierten Gesetz auch, wenn man Kinder hat. Und die Teilzeitausbildung soll gestärkt werden.

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