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StartseiteKalenderblattEine Auszeichnung für unbequemen Journalismus16.01.2014

50 Jahre Grimme-PreisEine Auszeichnung für unbequemen Journalismus

Jahr für Jahr findet im kleinen Marl eine von der Medienbranche viel beachtete Preisverleihung statt. Nicht hohe Einschaltquoten sollen dort belohnt werden, sondern Qualität und Anspruch. Heute vor 50 Jahren wurde erstmals der Adolf-Grimme-Preis verliehen.

Von Hartmut Goege

Weiterführende Information

"Dschungelcamp" für den deutschen Fernseh-Oscar nominiert (Deutschlandfunk, Corso, 30.01.2013)

"Das ist mein erster Fernsehpreis überhaupt und das freut mich besonders."

"Ich habe diesen Preis auch immer gewollt und habe nicht mehr damit gerechnet, das ich ihn bekomme."

"Und ich danke der Jury für diese große Auszeichnung heute. Ich fühle mich sehr geehrt."

Wohl keine Auszeichnung des deutschen Fernsehens genießt in der Medienbranche so viel Ansehen wie der nach wie vor undotierte Adolf-Grimme-Preis, benannt nach dem ersten Direktor des NWDR. Grimme hatte sich seit Ende des Zweiten Weltkriegs für einen politisch unabhängigen Journalismus stark gemacht.

"Die politische Tugend des Rundfunks ist seine Überparteilichkeit. Und seine von niemand abzudingende Leitnorm ist die Parität."

Während das Fernsehen der frühen Jahre in erster Linie unterhalten wollte, sah Grimme vor allem Bildung als Ziel an. Darin stimmte er mit dem Pädagogen Bert Donnepp überein. Donnepp hatte in Marl die erste Volkshochschule aufgebaut und sah in dem Massenmedium Fernsehen ein ideales Hilfsmittel, das Demokratiebewusstsein der Deutschen zu fördern. Auf seine Initiative hin wurde der Preis vom Volkshochschulverband gestiftet.

"Wir hatten von Anfang an drei Schwerpunkte unserer Arbeit. Das war erstens, Möglichkeiten zu geben für die Bewältigung der Informationsfülle unserer Tage. Das war zweitens: Möglichkeiten zu erschließen zum systematischen Lernen für Erwachsene, und drittens: Stätten einzurichten für die Selbsttätigkeit und Selbstbestätigung unserer Mitbürger."

Jahr für Jahr werden seitdem in dem nördlich gelegenen Ruhrgebietsstädtchen Marl nicht hohe Einschaltquoten, sondern Qualität, Originalität und investigativer Journalismus belohnt. Grimme-Preis-Chef Ulrich Spies:

"Er ist sicherlich deshalb so begehrt, weil es der einzige wirklich unabhängige Fernsehpreis ist, wo ein Preisstifter sich leistet, in keiner Weise sich einzumischen in die Preisfindung. Sie können tun und lassen was sie wollen."

Erste Verleihung war eher trist

"Herzlich Willkommen, hallo zuhause, hallo hier, es ist der Abend der Preisträger, Dankeschön!"

Während heutzutage die Preisverleihung vor hunderten von Gästen live übertragen wird und ohne Showflair nicht mehr auskommt, war die erste Veranstaltung heute vor 50 Jahren, am 16. Januar 1964, eher trist. Eine Handvoll Gäste hatte kurzfristig Zeit gefunden. Die Preisträger waren am Abend zuvor erst bekannt gegeben worden. Den ersten Grimme-Preis in Gold gewann die Dokumentation "Der SS-Staat", eine Gemeinschaftsproduktion von WDR und SDR.

"Nach der Vorstellung der SS sollten fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung herrschen. Eine Auslese der rassisch besten Träger nordischen Erbgutes. Der Rest hatte zu arbeiten und zu gehorchen."

Als einer der wenigen Gäste kündigte WDR-Intendant Klaus von Bismarck in seiner Dankesrede den Start eines Bildungsfernsehens an.

"Das Fernsehen kann zur Aktivität anregen, den Dialog fördern. Darum müssen sich die Planungen für ein Drittes Fernsehprogramm im Besonderen auf unsere Überlegungen zum Thema Fernsehen als Bildungsfaktor gründen."

Die Jurys nahmen sich häufig unbequemer Themen an. Peter von Zahns preisgekrönter Film "Paragraph 175" beispielsweise kritisierte den Umgang mit Homosexuellen und sorgte Ende der 60er Jahre für einen Skandal:

"Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt, oder sich von diesem zur Unzucht missbrauchen lässt, wird mit Gefängnis bestraft. Das ist der Kern des Paragrafen 175 unsere Strafgesetzbuches."

Für Autoren wie Gerd Ruge war der Grimme-Preis eine Ermutigung, sich kritisch mit Stoffen auseinanderzusetzen. Denn das Fernsehen war zu Beginn - anders als das Radio - bei vielen Bildungsbürgern nicht sehr angesehen:

"Und dann war eben doch ein Preis vom Volkshochschulverband war so ein gewisses Qualitätssiegel. Das war sicher sehr nützlich und hat dann auch die Richtung des Fernsehens in den ersten Jahren sicher wesentlich mitbestimmt."

Mittlerweile gehen alljährlich mehrere hundert Vorschläge von Zuschauern, Sendern und Produzenten ein. Zwei ehrenamtlich arbeitende unabhängige Jurys schlagen daraus Kandidaten für die Endausscheidung vor. Und nach mehrtägigen gemeinsamen Klausurtagungen stehen am Ende dann die Gewinner für die drei Kategorien Fiktion, Unterhaltung sowie Information und Kultur fest.

"Wir sagen Danke an alle Preisträger. Das war der Grimme-Preis."

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