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StartseiteForschung aktuellAls das erste Datenpaket auf Reisen ging28.10.2019

50 Jahre InternetAls das erste Datenpaket auf Reisen ging

Der Start des Internet vor 50 Jahren begann mit einem Systemabsturz. Eigentlich sollte das Wort „Login“ von einem Computer in Los Angeles nach Stanford geschickt werden - beim dritten Buchstaben kam es zum Crash. Eine Stunde später konnte die vollständige Botschaft dann erfolgreich übermittelt werden.

Von Manfred Kloiber

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Die Erde im Zentrum des globalen Kommunikationsnetzwerks (www.imago-images.de)
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In den 1960er Jahren, da waren Computer noch echte Exoten. Rechner gab es fast nur in hochspezialisierten wissenschaftlichen Einrichtungen, beim Militär und vereinzelt in großen Unternehmen. Informatik war eine junge Wissenschaft. In den USA begann die zum Pentagon gehörende Forschungsförderungs-Organisation ARPA mit dem Aufbau von spezialisierten Rechenzentren:

"Jeder dieser Standorte bildete Schwerpunkte heraus. Zum Beispiel exzellente Computergrafik an der Universität von Utah oder Höchstleitungsrechnen an der Universität von Illinois. Und damit zum Beispiel ein Anwender an der UCLA auf die Computergrafik in Utah zugreifen konnte, kam der Wunsch nach diesem Netzwerk auf. 1966 wurde diese Netzwerk-Idee geboren, die Forschungsstandorte miteinander zu verbinden, damit die Hardware und die Software geteilt werden konnten."

Erklärt Leonard Kleinrock von der UCLA, der University of California in Los Angeles die Beweggründe für die Entwicklung des Arpanet. Es sollte 1969 starten als Daten-Verbund von vier Forschungseinrichtungen in Kalifornien und Utah.

Die Idee von der Kommunikation in Datenpaketen

"Wir haben gemietete Telefonleitungen von AT&T verwendet. Wobei mehrere Leitungen gebündelt wurden, damit wir auf eine Kapazität von jeweils 50 Kbit pro Sekunde kamen. Aber die üblichen Telefonvermittlungen haben wir durch spezielle Vermittlungsrechner ersetzt, um die neue Paket-Vermittlungstechnik nutzen zu können."

Diese Paket-Vermittlungstechnik war das grundlegend neue Element in der Architektur des Arpanet. Denn statt jeweils eine eigene, sündhaft teure Leitung für jede Anwendung zwischen zwei Standorten schalten zu müssen, verwendet die Paket-Vermittlung feste Leitungen zwischen den Standorten, die flexibel genutzt werden können.

Den Mechanismus dafür hat man sich bei der klassischen Post abgeguckt. So, wie echte Pakete von Haus zu Haus mit gemeinsam genutzten Lastwagen und Güterzügen transportiert werden, sollten auch Dateien, Nachrichten oder Befehle über die Datenleitungen wandern. Aufgeteilt in Datenpakete, jedes einzelne versehen mit einem Absender und einem Empfänger.

"Wir hatten den zweiten Knoten des Arpanet, den Vorläufer des Internet installiert, so dass wir nun mit dem Standford Research Institut und der UCLA ein Zwei-Knoten-Netzwerk hatten, mit dem wir die grundlegende Funktionalität ausprobieren konnten. Nämlich sich an seinem lokalen Computer so auf einem anderen, entfernten Computer anmelden zu können, als ob es der eigene wäre."

Interface Message Processor - Vorläufer moderner Router

Erinnert sich Leonard Kleinrock an den Start der praktischen Versuche zum Arpanet. Hardware- Kernelemente der neuen Netzstruktur waren die Interface Message Prozessoren. Hochspezialisierte Kleincomputer, die eigens von einem großen Computerunternehmen für ARPA entwickelt wurden.

Ihre Aufgabe war es, Nachrichten, die zum Beispiel von Benutzern in der UCLA an Großrechner in Stanford geschickt werden sollten, solange zwischen zu speichern, bis die gemeinsam genutzte Leitung frei ist, um sie dann auf die Reise zu schicken. 'Store and forward' heißt das Prinzip - die Grundlage für moderne Internet-Router.

Noch im Jahr 1969 wurden die beiden weiteren Knoten installiert und schon im folgenden Sommer waren es 10 Knoten in den USA. Doch mit einem haben die Forscher damals überhaupt nicht gerechnet. Nämlich mit dem Mißbrauch ihres Netzes:

"In diesen frühen Tagen des Internet haben wir doch jedem im Netz vertraut. Ich kannte sie alle. Das waren alles angesehene Leute, die kein Interesse daran hatten, das Netz zu verletzen. Heute aber ist die Dunkle Seite des Netzes so allgegegenwärtig. Das haben wir damals nicht geahnt. Auf solche Attacken auf die Infrastruktur haben wir uns nicht vorbereitet."

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