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StartseiteCampus & KarrierePrager Karlsuniversität erinnert an ihren Studenten Jan Palach16.01.2019

50 Jahre nach der SelbstverbrennungPrager Karlsuniversität erinnert an ihren Studenten Jan Palach

Mit einer schlichten Zeremonie in der Karlsuniversität haben in Prag die Feiern zum Gedenken an Jan Palach begonnen. Die Selbstverbrennung des Geschichtsstudenten vor genau 50 Jahren hat auch Bedeutung für die heutige Gesellschaft, sagt der Rektor der Karlsuniversität im Dlf.

Von Peter Lange

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Zeitgenössisches Foto der Beerdigung des Studenten Jan Palach in Prag - ein Sarg wird im Innenhof des Karolinums, der Karlsuniversität, durch eine Menge getragen. (picture alliance / CTK)
Beerdigung von Jan Palach (picture alliance / CTK)
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Im Innenhof des historischen Gebäudes der Karlsuniversität begrüßt Prorektor Jan Royt die etwa 100 Menschen, die sich hinter einer Batterie von aufgebauten Kameras versammelt haben. Links neben ihm eine Stele mit einem Foto von Jan Palach, davor ein Blumengebinde. Auf dem Boden, nur einen Schritt links neben dem Denkmal von Jan Hus die Metallplatte zum Gedenken an Palach, die gleich enthüllt werden wird. Der Student von damals hat auch den Menschen von heute noch etwas zu sagen, egal wie man über ihn denkt, erklärt Rektor Tomas Zima:

"Die Tat von Jan Palach ist das Memento für uns, damit wir uns um Freiheit und Demokratie kümmern."

Bedeutung auch für die heutige Zeit

Der Bezug zur Gegenwart ist in diesen Tagen in vielen Stellungnahmen zu hören. Ganz viele Menschen haben das unbestimmte Gefühl, dass in der tschechischen Gesellschaft in den letzten Jahren etwas ins Rutschen gekommen ist. Ein autoritärer, selbstgerechter alter Mann als Präsident auf der Burg, ein Ministerpräsident mit Stasi-Belastung, dessen Regierung vom Wohlwollen der Kommunsten abhängig ist. Vielleicht eine neue Phase der sogenannten Normalisierung? Für die Studentin Bara Paulova liegt der Bezug zu Jan Palach nahe, auch wenn sie ihn für eine widersprüchliche Person hält:

"Für mich besteht die Hauptbotschaft seiner Tat darin, dass wir nicht resignieren sollen, dass wir nicht passiv sein sollen, auch in einer Situation, in der es keinen Ausweg zu geben scheint."

Ganz ähnlich sieht es auch der Doktorand Tomas Konecny. Palachs Opfertod sei ein Aufruf an die junge Generation, Verantwortung für die Entwicklung des Landes zu übernehmen.

"Seine Botschaft ist, dass es nicht stimmt, dass ein einfacher Mensch nichts ändern kann und dass es keinen Sinn macht, sich als Einzelner darum zu bemühen."

Held oder Verrückter?

Jan Palach sei vielleicht ein Held gewesen vielleicht aber auch irgendwie ein Verrückter. Tomas Blatny, Student aus dem dritten Jahrgang, ist sich da nicht sicher.

"Sich für die abstrakte Idee eines freien Staates zu opfern, das erfordert entweder einen übermenschlichen Charakter oder der Mensch ist irgendwie krank. Womit ich den Sinn seiner Tat nicht herabsetzen will."

"Als Vermächtnis von Jan Palach nehme ich wahr, dass wir für die Freiheit und die Demokratie kämpfen müssen", sagt Universitätsrektor Tomas Zima in seiner kurzen Ansprache. "Und ich wünsche mir, das solche Opfer wie die von Jan Palach nicht mehr nötig sein werden."

Am Ende der kurzen Zeremonie im Hof der Karlsuniversität wird die im Boden eingelassene Gedenkplatte enthüllt. 69 mal 69 Zentimeter – ein Hinweis auf das Jahr 69. Genau an der Stelle, an der vor 50 Jahren der Sarg von Jan Palach stand, dem dann Zehntausende zum Olschansker Friedhof folgten. Es war die letzte Demonstration für Freiheit und Demokratie für 20 Jahre, bis zur Palach-Woche im Januar 1989, die zum Anfang vom Ende des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei wurde.

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