Frank Olbert: Herr Wagner, welche Auswirkungen hatte diese öffentlich-rechtliche Zellteilung auf die Entwicklung des Hörspiels in den letzten 50 Jahren?
Hans Ulrich Wagner: Hamburg war zuvor die Zentrale gewesen. Hier war die Generaldirektion angesiedelt. Sie hatten mehr finanzielle Mittel in Hamburg als in Köln. Heinz Schwitzke, der Hörspielchef in Hamburg, war eine Person, die Autoren sehr stark gebunden hat.
Köln hatte da ein bisschen nachzuholen. Wilhelm Semmelroth, der Hörspielchef in Köln, hat versucht eine Nische zu finden, in der er profilbildend tätig werden konnte. Das war die große klassische Bühne, wie man das nannte. Er hat sich also ganz stark auf die Adaption von Klassikern konzentriert, während Schwitzke in Hamburg die zeitgenössichen Autoren mit Aufträgen für Originalhörspiele förderte.
Frank Olbert: Dazu gehörte vor allem Günter Eich.
Hans Ulrich Wagner: Günter Eich war sicherlich die große Figur in den Fünfziger Jahren, die mit der Hamburger Dramaturgie in Verbindung steht.
Frank Olbert: Wie ging es dann in den Sechziger Jahren weiter, als das "Neue Hörspiel" aufkam?
Hans Ulrich Wagner: Der Begriff "Neues Hörspiel" verband sich mit dem Kölner Namen Klaus Schöning. Umgekehrt war Heinz Schwitzke, der die Hörspielabteilung in Hamburg sehr lange leitete, der Protagonist des Hörspiels der "Inneren Bühne", gegen das das Neue Hörspiel erst einmal anzukämpfen hatte. Es gab diesen großen Streit des Neuen Hörspiels, im Zuge dessen sich diese Richtung erst auf dem Markt darstellte. Da war Schwitzke der große Kontrahent. Man musste seine Position erst gegen Schwitzke etablieren.
Frank Olbert: Das klingt sehr ideologisch.
Hans Ulrich Wagner: Das war ziemlich ideologisch, weil dieser Kampf auf mehreren Ebenen ausgefochten wurde, nicht nur dramaturgisch- ästhetisch. Es war auch der Kampf einer jüngeren gegen eine ältere Generation. Es kamen auch Vorwürfe gegen die Biografie Schwitzkes zum Zug. Man hat seine NS-Vergangenheit thematisiert. Da spielte Vieles mit, auch wechselseitige persönliche Verletzungen und Enttäuschungen. Das war schon richtig handfest.
Frank Olbert: Wie würden Sie denn die heutigen Angebote charakterisieren?
Hans Ulrich Wagner: Hamburg setzt auf Autoren, die neue Hörspiele schreiben, wobei der Akzent sicherlich nicht auf neuen Hörspielformen liegt, sondern sehr stark auf dem erzählerischen Hörspiel. In Köln spielt die auch aus dem Neuen Hörspiel weiterentwickelte Audio-Art-Traditionslinie weiterhin eine große Rolle. Etwas wirklich Einzigartiges ist mit Eins Live in der ARD-Landschaft geschaffen worden: Eine Hörspieldramaturgie, die Popmusik als Kontext hat, speziell junge Hörer an das Hörspiel heranführen will, und da einfach tolle Experimente unternimmt. Es sind wirklich interessante Sachen, die auch mehrfach mit dem "Hörspielpreis der Kriegsblinden" ausgezeichnet wurden.
Zusammen mit Peter von Rüden hat Hans-Ulrich Wagner einen fast 500 Seiten starken Band zur Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks herausgegeben, erschienen beim Verlag Hoffmann und Kampe. Zur Geschichte des Westdeutschen Rundfunks wird ab Februar beim Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch die dreibändige Reihe "50 Jahre WDR. Am Puls der Zeit" erscheinen.
Die Hörspielredaktion des Westdeutschen Rundfunks begeht das Jubiläumsjahr mit der Wiederholung einer Auswahl bedeutender Produktion aus den letzten 50 Jahren. Darunter ist zum Beispiel Eberhard Petschinas abgründig komisches Hörspiel "Rafael Sanchez erzählt: "Spiel mir das Lied vom Tod". WDR 5 sendet es am Dienstag, den 17. Januar um 20.05 Uhr. Mit "Roaratorio. Ein irischer Cirkus über Finnegans Wake" von John Cage steht ein Schlüsselwerk der akustischen Kunst am Samstag, den 28. Januar um 23.30 Uhr bei WDR 3 auf dem Jubiläumsprogramm.
Hans Ulrich Wagner: Hamburg war zuvor die Zentrale gewesen. Hier war die Generaldirektion angesiedelt. Sie hatten mehr finanzielle Mittel in Hamburg als in Köln. Heinz Schwitzke, der Hörspielchef in Hamburg, war eine Person, die Autoren sehr stark gebunden hat.
Köln hatte da ein bisschen nachzuholen. Wilhelm Semmelroth, der Hörspielchef in Köln, hat versucht eine Nische zu finden, in der er profilbildend tätig werden konnte. Das war die große klassische Bühne, wie man das nannte. Er hat sich also ganz stark auf die Adaption von Klassikern konzentriert, während Schwitzke in Hamburg die zeitgenössichen Autoren mit Aufträgen für Originalhörspiele förderte.
Frank Olbert: Dazu gehörte vor allem Günter Eich.
Hans Ulrich Wagner: Günter Eich war sicherlich die große Figur in den Fünfziger Jahren, die mit der Hamburger Dramaturgie in Verbindung steht.
Frank Olbert: Wie ging es dann in den Sechziger Jahren weiter, als das "Neue Hörspiel" aufkam?
Hans Ulrich Wagner: Der Begriff "Neues Hörspiel" verband sich mit dem Kölner Namen Klaus Schöning. Umgekehrt war Heinz Schwitzke, der die Hörspielabteilung in Hamburg sehr lange leitete, der Protagonist des Hörspiels der "Inneren Bühne", gegen das das Neue Hörspiel erst einmal anzukämpfen hatte. Es gab diesen großen Streit des Neuen Hörspiels, im Zuge dessen sich diese Richtung erst auf dem Markt darstellte. Da war Schwitzke der große Kontrahent. Man musste seine Position erst gegen Schwitzke etablieren.
Frank Olbert: Das klingt sehr ideologisch.
Hans Ulrich Wagner: Das war ziemlich ideologisch, weil dieser Kampf auf mehreren Ebenen ausgefochten wurde, nicht nur dramaturgisch- ästhetisch. Es war auch der Kampf einer jüngeren gegen eine ältere Generation. Es kamen auch Vorwürfe gegen die Biografie Schwitzkes zum Zug. Man hat seine NS-Vergangenheit thematisiert. Da spielte Vieles mit, auch wechselseitige persönliche Verletzungen und Enttäuschungen. Das war schon richtig handfest.
Frank Olbert: Wie würden Sie denn die heutigen Angebote charakterisieren?
Hans Ulrich Wagner: Hamburg setzt auf Autoren, die neue Hörspiele schreiben, wobei der Akzent sicherlich nicht auf neuen Hörspielformen liegt, sondern sehr stark auf dem erzählerischen Hörspiel. In Köln spielt die auch aus dem Neuen Hörspiel weiterentwickelte Audio-Art-Traditionslinie weiterhin eine große Rolle. Etwas wirklich Einzigartiges ist mit Eins Live in der ARD-Landschaft geschaffen worden: Eine Hörspieldramaturgie, die Popmusik als Kontext hat, speziell junge Hörer an das Hörspiel heranführen will, und da einfach tolle Experimente unternimmt. Es sind wirklich interessante Sachen, die auch mehrfach mit dem "Hörspielpreis der Kriegsblinden" ausgezeichnet wurden.
Zusammen mit Peter von Rüden hat Hans-Ulrich Wagner einen fast 500 Seiten starken Band zur Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks herausgegeben, erschienen beim Verlag Hoffmann und Kampe. Zur Geschichte des Westdeutschen Rundfunks wird ab Februar beim Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch die dreibändige Reihe "50 Jahre WDR. Am Puls der Zeit" erscheinen.
Die Hörspielredaktion des Westdeutschen Rundfunks begeht das Jubiläumsjahr mit der Wiederholung einer Auswahl bedeutender Produktion aus den letzten 50 Jahren. Darunter ist zum Beispiel Eberhard Petschinas abgründig komisches Hörspiel "Rafael Sanchez erzählt: "Spiel mir das Lied vom Tod". WDR 5 sendet es am Dienstag, den 17. Januar um 20.05 Uhr. Mit "Roaratorio. Ein irischer Cirkus über Finnegans Wake" von John Cage steht ein Schlüsselwerk der akustischen Kunst am Samstag, den 28. Januar um 23.30 Uhr bei WDR 3 auf dem Jubiläumsprogramm.