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StartseiteKultur heuteErinnerungen an einen Aufklärer 01.07.2018

50. Todestag von Fritz BauerErinnerungen an einen Aufklärer

Der hessische Oberstaatsanwalt Fritz Bauer hat 1963 den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess eingeleitet. Er habe dazu beigetragen, dass die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zur politischen Kultur der BRD wurde, sagte Sybille Steinbacher vom Fritz Bauer Institut im Dlf.

Sybille Steinbacher im Gespräch mit Mascha Drost

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Generalstaatsanwalt Fritz Bauer im Jahr 1961. (picture-alliance / dpa / Goettert)
Generalstaatsanwalt Fritz Bauer im Jahr 1961. (picture-alliance / dpa / Goettert)
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Bundespräsident Frank Walter Steinmeier würdigte Fritz Bauer bei einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche als Schlüsselfigur der deutschen Demokratie. Fritz Bauer war, nachdem er 1968 verstorben sei, vergessen, sagte Sybille Steinbacher im Dlf anlässlich einer Tagung zum 50. Todestag von Fritz Bauer. Die Direktorin des Frankfurter Fritz Bauer Institutes vermutet, dies sei geschehen, weil Bauer unbequem war und auf Themen setzte, die gesellschaftlich schwierig und umstritten waren damals.

Seine Renaissance in den letzten zehn Jahren habe mit Popularisierungen in Büchern, Spielfilmen und Fernsehproduktionen zu tun. Hinzu kam, dass 1995 das Fritz Bauer Institut gegründet wurde. Damals musste man den Namen noch erklären. Er war nur den Spezialisten unter den Zeithistorikern bekannt.

Fritz Bauer habe selbst die Verfolgung in der NS Zeit erlebt. Er war aus politischen Gründen im Konzentrationslager. Er ist als Jude ins Exil gegangen. Es war sein Ziel, als er 1949 in die Bundesrepublik zurückgekommen ist, dass die strafrechtliche Verfolgung von NS-Tätern in Gang kam.

Aufarbeitung der Vergangenheit

Er habe entscheidende Hinweise für die Verhaftung Adolf Eichmanns in Argentinien gegeben und insbesondere 1963 den ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt eingeleitet. Historisch bedeutsam sei, dass er die strafrechtliche Ermittlung in Gang gesetzt habe, erklärte die Leiterin des Instituts.

Ebenso wichtig sei ihm die Vermittlung in die westdeutsche Öffentlichkeit gewesen. Er habe an vielen Veranstaltungen teilgenommen und das Thema in die Öffentlichkeit getragen und dazu beigetragen, "dass die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zum großen Element der politischen Kultur der BRD geworden ist."

Eine Tagung solle das Verhältnis Bauers zur 68er-Generation klären. Er hat selber junge Staatsanwälte eingestellt, um zu zeigen, dass es Juristen gibt, die nicht NS-belastet sind. Die 68er hätten gegen die Generation von Fritz Bauer rebelliert. Wo gab es Verbindendes und Trennendes in jener Zeit, laute die Frage für die Forschung.

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