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StartseiteKommentare und Themen der WocheWahlkampf statt Gedenken13.08.2019

58 Jahre MauerbauWahlkampf statt Gedenken

Statt des Baus der Berliner Mauer vor 58 Jahren zu gedenken, seien AfD und Die Linke im Wahlkampfmodus, kommentiert Claudia van Laak. Je weiter die DDR zurückliege, umso eher würden die Parteien die deutsch-deutsche Teilung für die jeweils eigenen politischen Ziele instrumentalisieren.

Von Claudia von Laak

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, legen an der Gedenkstätte Berliner Mauer einen Kranz nieder. (dpa/Bernd von Jutrczenka)
Es scheine, als habe Die Linke den 13. August 1961 vergessen, kommentierte Claudia van Laak im Dlf (dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Im Zentrum sollten heute diejenigen stehen, die an dieser Mauer gelitten haben, die bei einer versuchten Flucht ums Leben kamen und natürlich diejenigen, die die Mauer zum Einsturz brachten. Doch die meisten SED-Opfer werden nach wie vor mit minimalen Zahlungen kläglich abgespeist.  

Viele Anträge auf Entschädigung werden abgelehnt – müssen doch die Opfer beweisen, dass zum Beispiel die Haftbedingungen in der DDR Ursache ihrer heutigen psychische Erkrankung sind. Das ist kleinlich und unwürdig.

Wahlkampf auf Kosten der DDR-Opfer

Es war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der heute auf die mutigen Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler der DDR hinwies. Zum Glück, denn sie werden leider immer häufiger vergessen. Oder benutzt, was noch viel schlimmer ist.

Der Mauerbau in Berlin im August 1961. (picture alliance / dpa) (picture alliance / dpa)13. August 1961 
Der Tag, an dem die Mauer gebaut wurde
Am 13. August 1961 begann die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin, teilte das Land und trennte Familien. Lehrer machen sich Gedanken darum, wie sie die deutsch-deutsch Teilung an die nachfolgenden Generationen vermitteln.

Die AfD zieht mit Wahlslogans wie: "Die Wende vollenden" durch Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Der beurlaubte Geschichtslehrer Björn Höcke behauptet, die Bundesrepublik von heute fühle sich an wie die DDR, dafür "haben wir nicht die friedliche Revolution gemacht". Höcke, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, hat mit dieser Revolution in der DDR rein gar nichts zu tun, er eignet sich dieses Erbe mehr als dreist an.

Fröhliche Tweets und Selfies statt Mauerbau-Gedenken

Und die frühere SED, heute Die Linke? Die Parteivorsitzende Katja Kipping vergisst einfach den Tag des Mauerbaus, twittert ein fröhliches Selfie mit wiederverwendbarem Thermobecher vom Bahnsteigrand, Wahlkampf in Brandenburg. Der linke Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch – ebenfalls ein eifriger Twitterer – vergisst ebenfalls den 13. August 1961. In einem Interview nach "30 Jahren friedlicher Revolution" gefragt, spricht er von einem "wahnsinnigen Bruch im Leben vieler Ostdeutscher". Die Verantwortung seiner Partei für die ganze Misere verschweigt er.

Je weiter die DDR zurückliegt, umso eher gelingt es, die deutsch-deutsche Teilung für die jeweils eigenen politischen Ziele zu instrumentalisieren und die Fakten schlicht zu vergessen. Das zeigt nicht zuletzt das Gedenken an den 13. August 1961, an den Tag des Mauerbaus heute vor 58 Jahren.

Claudia van Laak  (Deutschlandradio / Bettina Straub) Claudia van Laak (Deutschlandradio / Bettina Straub)Claudia van Laak, Jahrgang 1963, zog nach ihrem Studium von Germanistik, Journalistik und Wirtschaftswissenschaften in die "Noch-DDR". In Thüringen arbeitete sie beim MDR, wechselte dort als Landeskorrespondentin zum Deutschlandradio. Danach Korrespondentin in Brandenburg, jetzt Leiterin des Landesstudios Berlin.

 

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