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StartseiteWirtschaft und GesellschaftKlagen über hohe Kosten auf dem Prüfstand13.06.2019

5G-Auktion Klagen über hohe Kosten auf dem Prüfstand

Die 5G-Auktion ist beendet - und die Unternehmen klagen darüber, dass sie mit 6,5 Millarden Euro zu teuer wurde und das Geld nun für den Netzausbau fehle. Doch der wird sich wohl über viele Jahre hinziehen. Und auch sonst ist die Kritik nur bedingt berechtigt.

Von Brigitte Scholtes

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Start der Auktion von 5G-Mobilfunkblöcken (picture alliance/Boris Roessler/dpa)
Der Bund hat bei der 5G-Versteigerung rund 6,5 Milliarden Euro eingenommen (picture alliance/Boris Roessler/dpa)
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6,5 Milliarden Euro – das ist viel Geld. Aber dass die 5G-Auktion für die Telekommunikationsunternehmen nun so teuer wurde, das habe auch in deren Hand gelegen, meint Frank Rothauge von AHP Capital Management:

"Die Unternehmen, insbesondere die aktuellen Netzbetreiber sind finanziell gut genug aufgestellt. Und auch die neu eintretende 1&1- Drillisch ist jetzt nicht in einer finanziell schwierigen Lage, die können den Netzausbau stemmen. Das ist nicht der Punkt. Natürlich wäre es für alle Beteiligten sinnvoller gewesen, das zu einem niedrigeren Preis zu machen, aber ich glaube, die sind selbst dran schuld."

Denn schließlich war es die Deutsche Telekom, die die Auktion mit einem weiteren Gebot zwischenzeitlich wieder angeschoben hatte. 2,2 Milliarden Euro zahlt jetzt allein der Bonner Telekommunikationsriese, Vodafone kauft Frequenzpakete für 1,9 Milliarden Euro, Telefonica Deutschland für 1,4 Milliarden und United Internet/Drillisch für knapp 1,1 Milliarden Euro. Fünf bis acht Milliarden Euro müssen nun in den nächsten zehn bis 15 Jahren für den Netzaufbau investiert werden.

Mittelfristig hohe Gewinne durch den Netzausbau 

Bei einem Nettogewinn von 3,3 Milliarden Euro für 2018 kann die Deutsche Telekom sich trotz ihrer Klagen nun eigentlich entspannt zurücklehnen, das bereinigte Betriebsergebnis lag sogar bei gut 23 Milliarden Euro. Vodafone schaffte ein Betriebsergebnis von vier Milliarden Euro, Telefonica nur gut eine halbe Milliarde, Drillisch immerhin 1,2 Milliarden Euro. Bei Drillisch aber haben die Unternehmenslenker vorgesorgt, nicht nur, weil zunächst einmal die Dividende gekürzt wurde, sagt Marc Gemeinder, Telekom-Experte der Commerzbank:

"Drillisch hat von vornherein angekündigt, dass man die Kreditrahmen zur Verfügung gestellt bekommen hat. Und auch aus der Vergangenheit heraus weiß man, dass der Unternehmenschef von United Internet, Herr Dommermuth, die Dinge, die er angekündigt hat, auch sehr gut umsetzen kann. Ich glaube, er kann mit seiner Kundenbasis, die schon eine sehr starke ist mit Drillisch, weiterhin viel Geld verdienen in der Zukunft und hier eben auch die Kundenbasis nutzen, um dann den 5G-Ausbau mittelfristig lohnenswert zu machen. Ich glaube, das ist sicherlich ein Chance-Risiko-Profil, was interessant ist."

Langsame Entwicklung der Produkte für 5G

Die Ausgaben für den Netzausbau erstrecken sich aber über Jahre, dadurch werden natürlich die Abschreibungen und Zinsausgaben erhöht. Frank Rothauge  von AHP Capital Management glaubt jedoch, dass die Unternehmen mit ihren lauten Klagen über die Kosten vorbauen wollen:

"Es könnte sein, dass das jetzt auch so eine Art Vorbereitung ist dann später zu argumentieren, wir konnten ja gar nicht so schnell. Generell muss man aber glaube ich sagen, dass auch in der Öffentlichkeit dieses Thema 5G aus meiner Sicht deutlich überschätzt wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir erst in zehn Jahren wirklich richtig kommerziell die Vorteile eines 5G-Netzes dann tatsächlich umsetzen können."

Denn schließlich müssen die Produkte dazu erst noch entwickelt werden. Auch beim UMTS-Netz damals hat es Jahre gedauert, bis etwa Apple mit dem iPhone auf den Markt kam.

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