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StartseiteKalenderblatt6.5.1904 - Vor 100 Jahren06.05.2004

6.5.1904 - Vor 100 Jahren

Franz von Lenbach, Maler, gestorben

Mit einem Fackelzug ehrte die Münchner Künstlerschaft den verstorbenen Franz von Lenbach. Ihm war die Errichtung des grandiosen Künstlerhauses in München zu verdanken, wo sich die oberen Gesellschaftsschichten mit den Künstlern der Stadt trafen. Um Geld für den Bau aufzutreiben, hatte Lenbach ein Künstler-Faschingsfest unter dem Motto "In Arkadien" inszeniert – mit durchschlagendem Erfolg.

Von Carmela Thiele

Bilder von Franz von Lenbach sind in der neuen Pinakothek München zu sehen (Bayerische Staatsgemälde- sammlungen)
Bilder von Franz von Lenbach sind in der neuen Pinakothek München zu sehen (Bayerische Staatsgemälde- sammlungen)
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Die Pinakothek der Moderne in München

Seine Aktivitäten als Arrangeur von Festen und als Präsident der Münchner Künstlervereinigung waren Teil seiner Selbstinszenierung als Künstlerfürst. In seinem Sterbejahr 1904 galt Lenbach zudem als der berühmteste Porträtmaler zwischen Berlin und Wien, der die Hohenzollern, Bismarck und Moltke auf die Leinwand gebannt hatte. Er verschaffte der Spitze des Deutschen Reichs ein repräsentatives Gesicht. 1879 hatte er sein erstes offizielles Bismarck-Porträt im Auftrag der Nationalgalerie in Berlin geschaffen. Etwa achtzig sollten es noch werden. Lenbach bewunderte den Reichskanzler:

Freunde im gewöhnlichen Sinn hat Bismarck meiner Ansicht überhaupt nicht, und ich glaube nicht, dass Männer von solcher Größe je dergleichen gehabt haben. Er haust in sich, er blickt gedankenvoll zurück auf die ungeheure Summe seines Lebens.

Trotz seines Erfolges als Porträtmaler galt Lenbach künstlerisch schon zu Lebzeiten als überholt. Seine an den Alten Meistern orientierte Malweise schloss die Experimente der Moderne aus. Schon in einer Rede um 1886 kritisierte er die Avantgarde:

Ein junges Geschlecht ist herangewachsen, das in pietätlosem Dünkel den großen Vorfahren nichts verdanken, aller Tradition den Rücken kehren, die Kunst von vorne anfangen will.

Lenbach, hatte sich dagegen gründlich an den Alten Meistern abgearbeitet. Und das nicht ganz freiwillig. Als er 28 Jahre alt war, ging er nach Italien und später nach Spanien, um im Auftrag Adolf von Schacks Tizian, Tintoretto und Velazquez zu kopieren. Lenbach zog es nach Süden, und er brauchte Geld. Schon kurz nach Beginn seines Malereistudiums in München hatte er in einer Zeitungs-Annonce seine Dienste als Porträtmaler angeboten. Damals war Lenbach erst etwa 19 Jahre alt und noch nicht geadelt.

Das Studium der Malerei fiel ihm nicht in den Schoß: Der 1836 als 13. Kind des Stadtmaurermeisters Lempach in Schrobenhausen geborene Franz erkämpfte sich seine Karriere mit herausragenden Schulnoten und gutem Betragen. Nach Versuchen in der Freiluftmalerei und dem akademischen Programm der Historienbilder entschied sich Lenbach für die Porträtmalerei. Auch das war keine ganz freie Wahl: Lenbach war stark kurzsichtig. Dem Detailreichtum großer Historienkompositionen war er nicht gewachsen. Dafür wurde er der gesuchteste Porträtmaler der Gründerzeit:

Auch merkte ich damals, dass ich außergewöhnlich wenig Phantasie hatte und Gedächtnis nur für dieses Eine: Für die organische Logik der Natur, wenn ich mich so ausdrücken darf. Ich sah nämlich, wie bei einer bestimmten Person das Ohr aus dem Kopfe herauswuchs, und nun haftete das, was ich gesehen hatte, als organische Notwendigkeit in mir, und entstand vor meinen Augen wieder.

Lenbach behalf sich bei Auftragsarbeiten mit Fotografien, um seine Sehschwäche auszugleichen, aber auch, weil ihn das neue Hilfsmittel faszinierte. Alle Intensität legte er in die Behandlung des Antlitzes, das meist aus einem dunklen Raum hervorleuchtete. Die Individualität, den Charakter im Rahmen des Schicklichen zu treffen, das war Lenbachs Begabung. Und diese Begabung traf auf eine rege Nachfrage. Neben Richard Wagner malte er Franz Liszt, aber auch zahlreiche Vertreter des Adels und gehobenen Bürgertums.

Mit zunehmendem Alter klagte Lenbach über sein hohes Arbeitspensum. Dennoch war er ständig auf Reisen, um seine Aufträge zu erledigen und neue Kontakte zu knüpfen. Wieder brauchte er Geld: Nach seiner späten Heirat 1887 baute der Traditionalist mit dem Faible für die neusten technischen Errungenschaften in München an der Luisenstraße seinen eigenen "Palast". Was von außen wie eine Villenanlage im italienischen Stil aussah, war innen mit dem neuesten Komfort ausgestattet. Das Atelier und die Wohnräume waren mit elektrischem Licht und Gasheizung ausgestattet. Teile der kriegszerstörten Villa sind erhalten und bieten heute der Städtischen Galerie im Lenbachhaus einen angemessenen Rahmen.

Ausstellung zu Lenbach in der Neuen Pinakothek München aus Anlass des 100. Todestages: Franz von Lenbach – Sonnenbilder und Porträts, 6.5. – 8.8.2004

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