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StartseiteKalenderblattVerbindung von Kommerzialität und Glaubwürdigkeit17.07.2014

60 Jahre Newport Jazz FestivalVerbindung von Kommerzialität und Glaubwürdigkeit

Inzwischen findet es zum 60. Mal statt und Größen wie Wynton Marsalis, Dee Dee Bridgewater, Dr. John und Ron Carter spielen auf dem Newport Jazz Festival. Der 88-jährige George Wein organisiert das Festival von Anfang an. Im Juli 1954 mussten er und seine Mitstreiter noch mit der Organisation und mit der Akzeptanz bei der Bevölkerung kämpfen.

Von Michael Kleff

Der Trompeter Ambrose Akinmusire beim Newport Jazz Festival 2011. (AFP)
Auf dem Newport Jazz Festival im Jahr 2011 trat unter anderen der US-amerikanische Trompeter Ambrose Akinmusire auf. (AFP)

"In Europa ist der Jazz als originäres Musikgenre anerkannt. Hier geschieht das erst seit Kurzem. Das Newport Festival ist das erste Jazzfestival in diesem Land. Heute Abend schreiben wir Geschichte."

So eröffnete der Pianist Stan Kenton am 17. Juli 1954 das erste Newport Jazz Festival. Danach sorgte Eddie Condon mit seiner Band für den musikalischen Auftakt der zweitägigen Veranstaltung, bei der u. a. Dizzy Gillespie, Oscar Peterson und Billie Holiday auftraten.

In Newport, einem kleinen im Nordosten der USA auf einer Insel gelegenen Küstenort, trafen sich im Sommer die Angehörigen der amerikanischen Aristokratie. Für die war Jazz kein Thema. Bis das Unternehmer-Ehepaar Elaine und Louis Lorillard das betuliche Leben in der Stadt aufmischten. Sie nahmen Kontakt mit George Wein auf, der in Boston einen bekannten Jazzklub betrieb.

"Im Sommer sei es in Newport ganz schön langweilig, meinten sie. Warum nicht ein Wochenend-Jazzfestival organisieren, schlug ich vor. Ich kannte ja viele Künstler. Ich habe sie dann eingeladen. Billie Holiday, Gene Krupa, Eddie Condon. Sie alle sind im ersten Jahr gekommen. Und damit machten wir in der ganzen Welt Schlagzeilen."

Rund 13.000 Menschen strömten in die Stadt. In der Lokalzeitung hieß es:

"Newport Jazzfans füllten Hotels, aßen die Restaurants leer und schliefen am Strand."

Stadtverwaltung und Polizei waren von dem Andrang der Musiktouristen überfordert. Auch Festivalproduzent George Wein sah sich mit ungewohnten Herausforderungen konfrontiert.

"Wir hatten so etwas noch nie gemacht. Wir mussten Stühle auf dem Gelände aufstellen und eine Bühne bauen. Beides war ja nicht da. Dann haben wir die Stühle nummeriert und Tickets mit den entsprechenden Nummern gedruckt. Es war wirklich viel Arbeit. Und manches davon war, wie wir später feststellten, völlig unnötig."

Aufgrund fehlender Erfahrungen mit Open-Air-Veranstaltungen, mussten die Festivalorganisatoren auch neue Wege beschreiten, um für eine ausreichende Beschallung und die richtige Beleuchtung zu sorgen.

"Wir haben zwei oder drei Jahre lang experimentiert, bis wir wussten, was zu tun war. Vor allem im zweiten Jahr war es schwierig. Da steckte Miles Davis seine Trompete genau in das Mikrofon. Heraus kam das wundervolle 'Round Midnight'. Damit begann seine große Karriere in den 50ern."

Das Festival fand auf dem Gelände des Newport Casino statt, einem exklusiven Klubhaus für Angehörige der Oberschicht. Die waren es auch, die anfangs Probleme mit den neuen Gästen in ihrer Stadt hatten - vor allem mit den schwarzen Musikern und Fans.

"Wir hatten einige Rassenprobleme im ersten Jahr. Es gab Hotels, die Schwarzen keine Zimmer gaben. Aber das war nach einem Jahr vorbei. Nur wenig später wählte Newport einen afroamerikanischen Bürgermeister."

Im Laufe der Jahre traten alle Jazzgrößen beim Festival auf: Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, John Coltrane, Dave Brubeck und Duke Ellington. Wiederholt kam es auch zu Ausschreitungen randalierender Besucher. Daraufhin wurde 1972 das Festival nach New York verlegt, bevor es neun Jahre später nach Newport zurückkehrte. Den Erfolg von Newport Jazz erklärt George Wein - mit 88 immer noch Festivalproduzent - so:

"Das Rezept für meine Langlebigkeit liegt darin, dass ich Kommerzialität mit Glaubwürdigkeit verbinde. Ich präsentiere junge Musiker und neue Sachen mit Künstlern, die Tickets verkaufen. Deswegen gibt es uns noch. Deswegen sind wir noch im Geschäft."

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