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StartseiteKultur heuteGoldener Bär für das Krisenmanagement20.02.2020

70. BerlinaleGoldener Bär für das Krisenmanagement

Neue Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit des Gründungsdirektors und reaktionäre Aussagen des Jury-Präsidenten: Vor der Eröffnung der 70. Berlinale gab es reichlich Turbulenzen. Im Wettbewerb, sagte Dlf-Kulturredakteurin Maja Ellmenreich, gibt es vor allem künstlerische Autorenfilme.

Maja Ellmenreich im Gespräch mit Jörg Biesler

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Das Foto zeigt Plakate der Berlinale an der Potsdamer Straße am Potsdamer Platz. (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen)
Plakate der 70. Berlinale (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen)
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Noch bevor die 70. Berlinale begonnen hat, musste sich das neue Leitungsteam in Krisenmanagement üben: Die neuen Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit von Berlinale-Gründungsdirektor Alfred Bauer verlangten schnelles Handeln - der nach ihm benannte Silberne Bär wird in diesem Jahr nicht vergeben und das Institut für Zeitgeschichte in München wird den Fall erforschen.

Jury-Präsident Irons geht nach Kritik in die Offensive

Auch die reaktionären Aussagen des Jury-Präsidenten Jeremy Irons zu Abtreibung, der gleichgeschlechtlichen Ehe und sexuellem Missbrauch hatten die Berlinale-Verantwortlichen unter Druck gesetzt. Noch bevor die eigentliche Pressekonferenz heute begonnen hatte, meldete sich Jeremy Irons zu Wort und verlas eine "sehr wohlüberlegte, klug formulierte Erklärung", berichtete Dlf-Kulturredakteurin Maja Ellmenreich. Darin bezog er eindeutig Stellung, verurteilte sexuelle Gewalt, lobte die Homo-Ehe und sprach sich für das Recht auf Abtreibung aus.

Der Berlinale-Palast am Abend, mit dem roten Bären an der Glasfront, davor viele Menschen auf und neben dem roten Teppich   (imago/Eibner) (imago/Eibner)

"Man konnte sozusagen zusehen, wie der Saulus zum Paulus wird", sagte Maja Ellmenreich im Dlf. "Und ich finde, das war aber auch in gewisser Weise die einzig richtige Art und Weise die Sache anzugehen." Das Berlinale-Leitungsteam habe damit gezeigt, dass es diplomatisches Krisenmanagement durchaus beherrscht.

Filmproduktion soll nachhaltiger werden

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte gestern gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Film- und Fernsehbranche eine Erklärung für nachhaltige Filmproduktion unterzeichnet. "In erster Linie geht es um Klimaschutz und Umweltschutz", sagte Dlf-Kulturredakteurin Maja Ellmenreich. Das beginne beim Einsatz von Ökostrom beim Dreh über die Reduzierung von Flugreisen bis hin zur Maske, die darauf achtet, dass keine Kosmetik mit Mikroplastik verwendet werde. Allerdings gebe es bisher noch keine strengen Verbindlichkeiten.

Carlo Chatrian setzt auf das Autorenkino

Rund 340 Filme werden in diesem Jahr auf der Berlinale gezeigt. Davon gehen 18 Produktionen ins Rennen um den Goldenen Bären. Unter dem neuen Leitungsteam gibt es einen neuen Wettbewerb: "Encounters" für experimentelle Filme, berichtete Maja Ellmenreich im Dlf. Carlo Chatrian setze als ausgewiesener Filmhistoriker und Filmkritiker auf das Autorenkino.

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