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StartseiteSport am Wochenende"Ziel noch lange nicht erreicht"04.07.2021

70 Jahre Deutscher Behindertensportverband"Ziel noch lange nicht erreicht"

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) feiert sein 70-jähriges Bestehen. In diesen 70 Jahren habe sich im Para-Sport viel getan, sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher im Dlf. Dennoch bemängelt er immer noch fehlende Barrierefreiheit und wünscht sich eine gleichrangige Berichterstattung.

Friedhelm Julius Beucher im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands.  (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
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Sogar die Bundeskanzlerin hat gratuliert: Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) feiert sein 70-jähriges Bestehen. Am 4. Juli 1951 wurde er gegründet. "In den 70 Jahren ist viel passiert", sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher im Dlf. "Das sind pralle 70 Jahre, die dazu geführt haben, dass sich unsere Leistungssportler finanziell auf Augenhöhe mit den olympischen Sportlern bewegen, dass unsere Breitensportler auf viele Vereine und Hallen zurückgreifen können, dass auch die Regelsportvereine sich geöffnet haben."

Beucher bemängelt jedoch die weiterhin fehlende Barrierefreiheit. "Viele würden gerne Sport machen, können es aber nicht, weil sie nicht in die Hallen hinein kommen. Das ist eine Herausforderung. Wenn man dann bedenkt, dass mehr als 56 Prozent der Menschen mit Behinderung keinen Sport machen, dann ist das nicht nur kein Sport machen wollen, sondern auch ein nicht Sport machen können."

Verena Bentele (l), Präsidentin des Sozialverbandes VdK (dpa/ Britta Pedersen) (dpa/ Britta Pedersen)"Sport oft nicht zugänglich und nicht barrierefrei"
Der Teilhabebericht der Bundesregierung zeigt, dass mehr als jeder zweite Mensch mit Behinderung nie Sport treibt. VdK-Präsidentin Verena Bentele sieht fehlende Barrierefreiheit der Sportstätten und mangelndes Sportangebot für Menschen mit Behinderung als Hauptgrund.

Um die Teilhabe zu verbessern, setzt Beuche vor allem auf die Regelsportvereine. "Da gibt es viele tolle Beispiele, wo normale Turn- und Sportvereine auch Behindertensport-Abteilungen gründen." Dazu setzt Beucher auf die Vorbildfunktion der Leistungssportler um eventuelle mentale Hürden bei Breitensportlern abzubauen. "Sie zeigen, was möglich ist."

Drei wichtige Wegmarken

Die Weiterentwicklung des Para-Leistungssports nennt Beucher auch als eine wichtige Wegmarke des DBS in den vergangenen 70 Jahren. Seien früher nur Familienangehörige zu den Veranstaltungen gekommen, käme der Para-Sport heute auch im Rundfunk, Fernsehen und Print vor. Beucher sagte jedoch auch: "Wir haben noch lange nicht das Ziel erreicht, was wir haben wollen. Zu einer gleichrangigen Berichterstattung ist noch viel Luft nach oben."

Eine weitere Wegmarke sei die Anerkennung des Para-Sports in der politischen Öffentlichkeit. "Die sich immer weiter entwickelnde Beschlusslage des deutschen Bundestags in Sachen Behindertensport, das Bereitstellen von entsprechenden Geldmitteln, parallel dazu die Leistungen aus den Haushalten der Länder, das ist ein wichtiger Schritt."

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, Friedhelm Julius Beucher, nach einer Kundgebung auf dem Pariser Platz in Berlin. (dpa/picture alliance/Soeren Stache) (dpa/picture alliance/Soeren Stache)"Wir sind Pandemie-Opfer"
Die Paralympics können nur stattfinden, wenn dies gesundheitlich vertretbar ist, sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes im Dlf. Generell befinde sich der Behindertensport in Deutschland derzeit in einer "fürchterlichen Situation".

Als dritten wichtigen Punkt nennt Beucher die Entwicklung der Mitgliedszahlen. Zwar sei die Zahl der Mitglieder pandemiebedingt von mehr als 600.000 auf 511.000 gesunken. "Aber ich sage: immerhin 511.000 Mitglieder im Deutschen Behindertensportverband. Das ist auf die 70 Jahre bezogen eine großartige Leistung."

Rehm kämpft um Olympia-Teilnahme

Um ein Zeichen für Inklusion und den paralympischen Sport zu setzten, kämpft der Para-Weitspringer Markus Rehm (Leverkusen) um seine Teilnahme in gesonderter Wertung an den Olympischen Spielen. Die dafür gesetzte Norm hat er um 40 Zentimeter überboten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) unterstützen Rehms Anliegen gegenüber dem IOC.

"Das IOC kann aufgrund der eigenen Beschlusslage eigentlich nicht mehr anders entscheiden", sagte Beucher. "Das IOC ruft ja auf für mehr Inklusion. Das kann dieses Mal gut ausgehen und Markus Rehm steht kurz davor, als paralympischer Athlet in einem olympischen Wettkampf anzutreten. Markus Rehm geht es darum, dabei zu sein und zu zeigen, dass Inklusion bei Olympischen Spielen möglich und dass er außerhalb der Wertung auch niemanden etwas wegnimmt."

Rehm sei ein "Großer in der paralympischen Sportwelt", so Beucher. "Auch deshalb ist es folgerichtig, dass wenn die formalen Voraussetzungen eigentlich geschafft sind, jetzt vom IOC ein Ja zur Teilnahme kommen kann."

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