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Startseite@mediasresAuf der Suche nach mehr Sexyness10.12.2019

70 Jahre Deutscher JournalistenverbandAuf der Suche nach mehr Sexyness

Dem Deutschen Journalistenverband (DJV) geht der Nachwuchs aus. Vor allem die Jungen und Digitalen sind kaum vertreten. Zu seinem 70. Jubiläum arbeitet der Verband deswegen an einer Neuausrichtung.

Von Vera Linß

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Erfurt, 24.02.2014: Auf dem Erfurter Anger startet der Deutsche Journalistenverband eine Aktion gegen die tariflosen Zustände in zahlreichen Zeitungsverlagen. (imago stock&people)
Eine Protestaktion des DJV in Erfurt 2014 gegen die abnehmende Tarifbindung bei Tageszeitungen (imago stock&people)
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Eigentlich wollte man vor allem feiern an diesem ersten Novembersonntag in Berlin. Zum 70. Geburtstag hatte der DJV zur Festveranstaltung ins Rote Rathaus geladen. Unter den Gästen auch: der Journalist und Youtuber Tilo Jung, selbst Mitglied im Verband. Er wurde sogar auf der Bühne zu seiner Arbeit befragt. Ein Programmpunkt, der zeigen sollte, wie offen der DJV für junge Leute ist. Für Feierlaune sorgte Jung allerdings nicht:

"Für mich hat der DJV sowas wie so'n Opa. Und ich will, dass der DJV endlich im 21. Jahrhundert ankommt. Es kommt mir immer noch so vor, als ob der DJV von den Gründervätern geführt wird. Also das ist immer noch ein Club, der die Strukturen wie vor 70 Jahren hat und der offenbar immer noch das gleiche Verständnis von Journalismus hat, wie vor 70 Jahren. Dabei hat sich die Welt weiterentwickelt. Und wir brauchen neue Ideen und Veränderungen."

Immer weniger junge Mitglieder

Schon länger hat der Verband Attraktivitätsprobleme. Die Mitgliederzahl ist seit 2003 um 10.000 gesunken - auf derzeit 32.000. Denn junge Leute bleiben fern. Früher ging man nach dem Volontariat direkt in die Gewerkschaft. Heute ist das nicht mehr so. Das hat zum einen finanzielle Gründe. Aber auch die Überalterung des DJV schreckt viele ab. Beim Bundesverbandstag in Berlin im November dieses Jahres waren nur zwölf Prozent der Delegierten unter 40.

Die Altersstruktur und die damit verbundenen festen Arbeitsverhältnisse führten dazu, dass der Verband zu wenig offen sei gegenüber den neuen Medien, kritisiert der Online-Journalist Stefan Primbs. Genau dort aber seien viele junge Journalistinnen unterwegs.

"Ein Problem ist, dass der DJV und überhaupt die klassischen Journalistenverbände zumindest den Eindruck erwecken, als sei echter Journalismus auf der einen Seite und auf der anderen Seite die YouTuber. Dass es auch unter den Youtubern, die davon leben, auf Youtube zu sein, Journalisten gibt, das wird dabei oft ausgeklammert. Weil die bestehenden Mitglieder zum sehr großen Teil diejenigen sind, die in klassischen journalistischen Arbeitsverhältnissen stecken, die in Zeitungen arbeiten, die in Rundfunkhäusern arbeiten, festangestellt sind. Und wenn es um Entscheidungen, stellen die momentan die Mehrheit."

Vorsitzender Überall will mehr Diversität

Und wollen ihre Interessen vertreten wissen. Wie sehr man mit der digitalen Welt fremdelt, zeigt das PR-Desaster im Umgang mit einem Video des Youtubers Rezo, der im Sommer dieses Jahres die Zeitungsbranche kritisiert hatte. "Pauschale Diffamierung" wetterte der DJV damals völlig zu Unrecht und zog später die Pressemeldung entschuldigend zurück.

Frank Überall, Bundesvorsitzender des DJV (Deutscher Journalisten Verband), aufgenommen 26.04.2016 in der Bundesgeschäftsstelle der Interessenvertretung der Journalisten in Berlin (Michael Kappeler/dpa)DJV-Vorsitzender Frank Überall (Michael Kappeler/dpa)

Das Problem ist in der DJV-Spitze inzwischen aber längst erkannt. Der Vorsitzende Frank Überall: "Da brauchen wir in der Tat mehr junge Menschen, mehr weibliche Menschen, diversere Menschen. Also der Migrationsanteil, den wir haben, ist aus meiner Sicht peinlich gering. Da müssen wir ganz dringend was tun. Das versuchen wir auch. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Ich kann sie ja nicht mit dem Lasso auf der Straße einfangen."

Strategiepapier für die Neuausrichtung

"Wie werden wir wieder sexy?", fragt denn auch ein Dossier zum 70. Geburtstag. Mit einem Strategiepapier soll - so die Überschrift - "der neue DJV" zukunftsfähig gemacht werden. Doch es geht nicht nur darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Man will auch Kosten sparen. Der Verbandstag, auf dem die Grundsatzentscheidungen fallen, wurde bereits verkleinert. Gefordert wird im Papier auch, die föderalistische Struktur des Verbandes weitgehend abzuschaffen.

Und: Die Freien nimmt man wieder in den Blick. Für Carola Dorner, einst DJV-Mitglied und jetzt Vorstandsvorsitzende der Freischreiber, dem Berufsverband für freie Journalisten, ist das auch eine Folge ihres Engagements:

"Ich glaube schon, dass Freischreiber damit zu tun hat, dass die größeren Verbände sich inzwischen mehr auf die Freien besinnen. Ja, dass sie tatsächlich auch was für sie anbieten. So sehe ich das jetzt auch mit dem Jahr der Freien."

Kritik an der Position zum Leistungsschutzrecht

Das DJV im November gestartet hat. Bei einem anderen Thema, das Carola Dorner - wie viele andere - am DJV kritisiert, wird sich allerdings kaum etwas ändern. Die Position des Verbands zum Leistungsschutzrecht und zur Verlegerbeteiligung bei der VG Wort war für manche ein Grund, den Verband zu verlassen. DJV-Chef Frank Überall:

"Deswegen haben wir es ja ganz bewusst so gemacht, dass wir die wesentlichen Streitpositionen bei unserem Verbandstag Anfang November als Bundesvorstand nochmal eingebracht haben und die Abstimmungen waren völlig eindeutig, deutlich über 90 Prozent. Ich finde es unglaublich schade, dass diese Menschen dann nicht inhaltlich kämpfen. Man sieht sie bei keiner Veranstaltung, wo abgestimmt wird. Sie meinen, ein bisschen was in Twitter hauen würde reichen. Das reicht aber leider nicht."

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