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StartseiteKommentare und Themen der WochePompöse Geschichtsklitterung01.10.2019

70 Jahre Volksrepublik ChinaPompöse Geschichtsklitterung

Mit einer gigantischen Militärparade anlässlich ihres 70. Jubiläums hat die Volksrepublik China gezeigt, dass sie die nächste militärische Supermacht werden will, meint Axel Dorloff. Eine Debatte über die politischen Verbrechen von Staatsgründer Mao Zedong und die Millionen Opfer ist weiter tabu.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

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Mit einer großen Militärparade auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking feiert China den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik.  (afp)
Die Volksrepublik China feiert ihre eigene Geschichte, ohne diese Geschichte wirklich und wahrhaftig zu erzählen, meint Axel Dorloff (afp)
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Es sind die Widersprüche, die in China immer wieder zutiefst irritierend sind. Auf der einen Seite inszeniert Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in seiner Rede zum 70. Gründungstag der Volksrepublik sein Land als verantwortungsvolle Friedensmacht. Auf der anderen Seite schickt er jegliches Kriegsgerät durch die Straßen, das er aufzubieten hat. Darunter auch neue Langstrecken-Raketen, die mit bis zu zehn nuklearen Sprengköpfen bestückt in einer halben Stunde die USA erreichen können. So heißt es jedenfalls.

Nicht einmal die USA könne China aufhalten

An einer Stelle in seiner Geburtstagsrede nennt er die friedliche Entwicklung, an der China festhalten wolle. An einer anderen Stelle stellt er fest, es gäbe keine Macht, die die Grundlagen dieser großen Nation erschüttern könne. Keine Macht, die die chinesische Nation aufhalten könne. Dabei nannte er zwar nicht explizit die USA, aber das war natürlich gemeint.

China hat mit einer gigantischen Militärparade gezeigt, wo das Land militärisch steht – und hat damit auch seinen wachsenden internationalen Machtanspruch formuliert. Die Botschaft nach außen ist eindeutig: China möchte als Großmacht neben den USA weltweit ernst genommen werden. Deshalb die größtmögliche Demonstration militärischer Stärke: "Seht mal, wir sind gerade dabei, die nächste militärische Supermacht zu werden" – so der Ruf aus China.

Debatte über Mao Zedongs Kampagnen bis heute tabu

Wer die offizielle Ausstellung zu 70 Jahre Volksrepublik in Peking besucht, erlebt ebenfalls frappierende Widersprüche. Alle sollen hier Chinas Entwicklung der vergangenen 70 Jahre bestaunen: vom Arbeiter- und Bauernstaat zum hochentwickelten Industrieland und zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Vom ersten chinesischen Traktor bis zu autonom fahrenden Bussen und Robotern mit künstlicher Intelligenz. Das ist tatsächlich auch sehr beeindruckend. China hat mit seiner Reform- und Öffnungspolitik seit Ende der 70er-Jahre hunderte Millionen Menschen aus der Armut geholt. Das ist so keinem anderen Land auf der Welt gelungen. Auch das ist beeindruckend.

Gleichzeitig ist die Reduzierung darauf aber eine der erfolgreichsten Propaganda-Märchen der Gegenwart. Eine Debatte über die vielen Verfolgungskampagnen von Staatsgründer Mao Zedong, seine politischen Verbrechen und die Millionen Opfer sind in China bis heute tabu. Sein so genannter "Großer Sprung nach vorn" endete mit einer gigantischen Hungersnot und vermutlich mehr als 40 Millionen Toten. Keiner erinnert daran, keiner arbeitet das auf. Während der Kulturrevolution wurden hunderttausende Intellektuelle verfolgt, gefoltert oder getötet. All das findet in der offiziellen Ausstellung zu 70 Jahre Volksrepublik keinen Platz. Auch nicht die Studentenproteste von 1989 und das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens.

Die Volksrepublik China feiert ihre eigene Geschichte, ohne diese Geschichte wirklich und wahrhaftig zu erzählen. Die ganzen pompösen Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag funktionieren nur, weil man der eigenen Bevölkerung etwas vormacht und sie für dumm verkauft. Das könnte China irgendwann auf die Füße fallen.

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