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StartseiteEine WeltChinas Weg zur Supermacht 28.09.2019

70 Jahre Volksrepublik Chinas Weg zur Supermacht

Am 1. Oktober feiert die Volksrepublik China 70 Jahre Staatsgründung - mit einer gigantischen Militärparade in Peking. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping träumt von einem "starken Militär", es ist für ihn zentraler Bestandteil bei der Entwicklung Chinas zu einer Großmacht.

Von Axel Dorloff

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Chinesische Soldaten bei einer Übung für eine Militärparade (Getty Images Europe)
Chinesische Soldaten bei einer Übung für die große Militärparade am 1. Oktober anlässlich der Gründung der Volksrepublik China vor 70 Jahren (Getty Images Europe)
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Kanonen, Kampfbomber und Panzerfäuste: im "Militärmuseum der chinesischen Volksrevolution" in Peking erleben Besucher eine Zeitreise durch die chinesische Militärgeschichte. Nach aufwendiger Renovierung wurde das Museum Anfang des Jahres neu eröffnet - ein Gebäude von 1959, erbaut im Stil des sozialistischen Klassizismus. Der 64-jährige Zhang Pinghe, ein Tourist aus der Provinz Shanxi, spaziert sichtlich beeindruckt über den Marmor-Fußboden der riesigen Museumshallen. Er sagt:

"Im antifaschistischen Befreiungskrieg und Anti-japanischen Krieg war das chinesische Militär noch rückständig. Die meisten Gewehre und Waffen waren ausländischer Produktion. Jetzt ist China hochentwickelt. In der ganzen Welt ist das chinesische Militär stark und konkurrenzfähig."

In den vergangenen zehn Jahren sind die chinesischen Militärausgaben um über 80 Prozent gestiegen. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping investiert mehr als jeder seiner Vorgänger in die Volksbefreiungsarmee. Ein starkes Militär ist für ihn ein zentraler Baustein bei der Modernisierung Chinas. Das Ziel ist dabei klar: Bis zum 100. Geburtstag der Volksrepublik im Jahr 2049 soll China zur militärischen Supermacht aufsteigen. "Unsere Truppen folgen der Sonne", so heißt es im Text dieser Hymne der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Im Moment folgen die Truppen vor allem Präsident Xi Jinping, der sich selbst zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte gemacht hat. Anfang 2016 hat er dem chinesischen Militär die größte Strukturreform seit den 50er Jahren verordnet.

Globale Ambitionen

Die sieben Militärregionen der Volksrepublik wurden in fünf strategische Zonen umstrukturiert. Alle unterstehen einem gattungsübergreifenden Kommandozentrum für Heer, Marine, Luftwaffe und Raketeneinheiten. Das Ziel: Weg vom Schwerpunkt der Landesverteidigung hin zu mobilen, integrierten und global einsetzbaren Streitkräften. Es geht nicht mehr vorrangig darum, die Landesgrenzen am Boden zu schützen. Marine und Luftwaffe haben dagegen an Bedeutung gewonnen. China hat vom Ausland gelernt, sagt der unabhängige Militärexperte und Publizist aus Macau, Wong Tong:

"Jahrelang hat man die High-Tech-Kriege des Auslands beobachtet. Auch China hat dadurch die Bedeutung der Marine erkannt. 70 Prozent der Erdoberfläche ist Wasser; es gibt viele internationale Gewässer. China misst der Marine jetzt höchste Bedeutung bei, genau wie die USA und Großbritannien. Das wird auch künftig so sein."

China hat in den vergangenen 30 Jahren systematisch eine eigene Militär- und Verteidigungsindustrie aufgebaut und entwickelt und produziert mehr und mehr Waffen selbst - auch komplexere Waffensysteme. Vorbei sind die Zeiten, in denen China der größte Waffen-Importeur war, sagt Militär-Experte Wong Tong:

"China hat sich von einem Waffen-Importeur zu einem Waffen-Exporteur entwickelt. Früher war die chinesische Industrie gar nicht in der Lage, das Land mit Waffen zu versorgen, schon gar nicht für den Export. Jetzt produziert China auch gezielt militärische Ausrüstung für den Export. Das ist ein substantieller Unterschied zu vorher."

Wirtschaftsfaktor Rüstung

China verkauft mittlerweile fast alles. Nicht mehr nur Handgranaten oder Maschinengewehre, sondern auch Raketen, Radarsysteme und militärische Drohnen. Chinas Waffenindustrie hat dazugelernt, anfangs vor allem durch Plagiate. China baut derzeit auch an einem dritten Flugzeugträger. Dieser soll deutlich moderner sein als seine beiden Vorgänger, die noch von sowjetischem Design sind. Der Bau eines eigenen Flugzeugträgers, entwickelt, konzipiert und gefertigt in China, gilt als Kernstück der Modernisierung des chinesischen Militärs.

Auch im Pekinger Militärmuseum steht seit der Renovierung ein Modell des ersten chinesischen Flugzeugträgers Liaoning. Stolz ist man hier jetzt nicht mehr nur auf die militärische Geschichte, sondern auch auf die Gegenwart. In einem sind sich Experten allerdings einig: Die militärische Gefechtsstärke Chinas ist schwer einzuschätzen. China hat seit vier Jahrzehnten keine Kriegserfahrung. Den letzten Krieg führte das Land 1979 mit Vietnam. Ungeachtet dessen ist für Politik-Professor Jin Canrong der chinesische Aufstieg zur militärischen Supermacht nicht aufzuhalten. Jin Canrong:

"Die Welt wird künftig zwei Supermächte und mehrere starke Länder dahinter haben. Die zwei Supermächte werden China und die USA sein. China hat sehr große Produktionskapazitäten. Wir nutzen derzeit nur 15 Prozent davon. Unsere Technik ist ebenfalls sehr gut. Bei der großen Militärparade am 1. Oktober werden Sie etwas sehr Beeindruckendes sehen."

Vor 70 Jahren, am 1. Oktober 1949, hat Revolutionsführer Mao Zedong die Volksrepublik ausgerufen. 70 Jahre später feiert China den Nationalfeiertag mit einer gigantischen Militärparade in Peking. Eine Waffenschau "Made in China", die es in dieser Größe noch nie gegeben hat. Als aufstrebende, globale Militärmacht zeigt China der Welt, wie modern das eigene Militär ist. Denn Supermacht wird man nur mit militärischer Stärke.

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