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StartseiteKommentare und Themen der WocheAuf der Suche nach dem richtigen Entwicklungspfad 26.06.2020

75 Jahre CDUAuf der Suche nach dem richtigen Entwicklungspfad

Ein Jahr vor dem Ende der Ära Merkel ragt die CDU einsam wie nie als letzte verbliebene Volkspartei aus dem deutschen Parteienspektrum heraus, kommentiert Stephan Detjen. Die Kür des nächsten Parteivorsitzenden sei nicht nur für die CDU von Bedeutung, sondern für Deutschland und Europa.

Von Stephan Detjen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l-r), Altbundeskanzler Helmut Kohl und seine Frau Maike Richter-Kohl sitzen am 27.09.2012 im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Die Politiker nahmen zum 30. Jahrestag der Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler an einer Festveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung teil. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm. )
Sie verkörperten die Personalunion von Kanzleramt und CDU-Parteivorsitz: Angela Merkel und Helmut Kohl. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm. )
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Die Geburtstagsfeier fällt aus. Wegen Corona, natürlich. Das genaue Datum aber ist ohnehin nicht genau zu bestimmen, wie das manchmal lange nach Geburten in wirren Zeiten der Fall ist. Eine Reihe von Gründungsakten, Versammlungen und Programmen führte in den Nachkriegsjahren zum Entstehen einer politischen Formation, die es in Deutschland so noch nicht gegeben hatte.

Friedrich Holzapfel (l-r), Konrad Adenauer und Jakob Kaiser sitzen auf dem Gründungsparteitag der CDU in Goslar.  (dpa) (dpa)Die Anfänge der CDU
Vor 75 Jahren gründete sich in Berlin die CDU. Die Partei suchte einen Dritten Weg zwischen einer Restauration der bürgerlichen Gesellschaft und dem Sozialismus, zur verbindenden Klammer wurde dabei das Christentum. Konrad Adenauer brachte die Partei später auf einen marktwirtschaftlicheren Kurs.

Milieu- und, damals noch ungewöhnlicher, Konfessionsgrenzen wurden überwunden, die in der Weimarer Demokratie noch scharfe Bruchkanten in Gesellschaft und Parteienlandschaft markiert hatten. Nicht Partei, sondern Union wurde der neue Verbund daher genannt.

75 Jahre später ist das Gründungsprinzip der CDU so aktuell wie damals. Eine heterogene, an den Rändern zersplitternde, von religiöser und weltanschaulicher Vielfalt geprägte Gesellschaft ringt um die politische Gestalt des Gemeinwesens. Ob die Zukunft politischer Parteien in exzessiver Polarisierung wie in den USA, Zersplitterung wie in Italien oder einem Wandel zu charismatischen Bewegungen wie in Frankreich oder Österreich liegt, ist offen.

Wer und was kommt nach Merkel?

Mit Angela Merkel an der Spitze ist der CDU in den ersten beiden Dekaden des 21. Jahrhunderts noch einmal eine Integrationsleistung gelungen, die sie vor der dramatischen Implosion bewahrte, die die Sozialdemokratie und andere, christdemokratische Parteien in Europa erlebten. Ein Jahr vor dem Ende der Ära Merkel ragt die CDU einsam wie nie als letzte verbliebene Volkspartei aus dem deutschen Parteienspektrum heraus. Mehr aber, als vielen in der Union das bewusst ist, hat die Partei das der Bundeskanzlerin zu verdanken.

Angela Merkel, die oft allein und höchstpersönlich für den schleichenden Zustimmungsverlust in den vergangenen fünf Jahren verantwortlich gemacht wurde, hat sich in der gegenwärtigen Krise als Garantin von Vertrauen und Stabilität erwiesen. Der Versuch, in Gestalt von Annegret Kramp-Karrenbauer den unideologischen und sachlichen Führungsstil Merkels an der Spitze der Partei fortzusetzen, ist bis auf weiteres gescheitert.

Mögliche Nachfolger in der CDU und im Kanzleramt – Laschet, Söder, Merz, Spahn, Merz und Röttgen -  verkörpern grundverschiedene Entwicklungspfade. Für welchen sich die CDU entscheidet, ist nicht allein für die Partei von Bedeutung, sondern für die Gestalt von Politik in Deutschland und Europa.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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