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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Gedenken als Mahnung 13.02.2020

75. Jahrestag der Bombardierung DresdensEin Gedenken als Mahnung

75 Jahre nach der Zerstörung Dresdens hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht und vor Gefahren für die heutige Demokratie gewarnt. Ein starkes Signal, kommentiert Alexandra Gerlach, und eine klare Ansage an die Zivilgesellschaft: Haltung zeigen, für den Frieden.

Von Alexandra Gerlach

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Rosen liegen auf dem Altmarkt in Dresden an einer Gedenkstätte, die an die Opfer der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg vor 75 Jahren erinnern soll. (Robert Michael / picture alliance/dpa)
Rosen auf der Gedenkstätte auf dem Dresdner Altmarkt (Robert Michael / picture alliance/dpa)

Was für ein Gedenken! 75 Jahre nach der Zerstörung Dresdens geht ein starkes Signal von diesem Tag und dieser Stadt für ganz Deutschland aus. Dafür sorgen klare Worte des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in einer politisch aufgeladenen und schwierigen Zeit. Klare Ansagen an die Zivilgesellschaft und an alle, die es mit der Demokratie ernst meinen. Steinmeier fordert auf, Gesicht und Haltung zu zeigen, die Demokratie zu schützen, sich allen entgegen zu stellen, die versuchen Geschichte umzudeuten oder die Demokratie auszuhöhlen. Seine Rede bei der Gedenkstunde war geprägt von der Sorge um unser politisches Gemeinwesen, unsere freie Gesellschaft und den Frieden insgesamt.

Starkes Signal, klare Ansage des Bundespräsidenten

Seine Botschaft zum Dresdner Gedenken war nicht zu überhören. Bei all dem Schmerz, den die Zerstörung bei den Betroffenen und ihren Familien bis heute auslöst, dürfe niemand, niemals vergessen, wie es zu diesem Inferno in jener Februar-Nacht 1945 kommen konnte. Wenn man heute an die Geschichte des Bombenkrieges erinnert, muss man an zweierlei erinnern. Zum einen an das Leid der Menschen in den deutschen Städten und zum anderen an das Leid, dass Deutsche anderen zugefügt haben.

Bei allem Schmerz die Schuld nicht vergessen

Deutliche Worte in einer Stadt, die seit Jahrzehnten um den richtigen Umgang mit dem Gedenken ringt. Eine Stadt, deren tragisches Schicksal über Jahrzehnte aus politischem Kalkül missbraucht wurde: unter den Nationalsozialisten ebenso wie zu Zeiten der SED-Diktatur. Und heute? Gerade in diesen Tagen wird wieder versucht seitens rechtsgerichteter Kräfte, die wissenschaftlich-fundierten Ergebnisse einer renommierten Historiker-Kommission zu den Opferzahlen erneut in Zweifel zu ziehen. Damit bricht eine alte rückwärtsgewandte und einseitige Diskussion wieder auf, die in den letzten Jahren dank vielfältiger Bemühungen engagierter Dresdner Bürger gemeinsam mit der Stadt überwunden zu sein schien. Auch die Frage, ob dieser Angriff ein Kriegsverbrechen war, schreibt eine Sichtweise fort, die dem überkommenen Dresden-Mythos einer "unschuldigen Stadt" huldigt und dabei komplett ausblendet, was Ursache und was Wirkung war. Der Bundespräsident hat auch hierfür heute klare Worte gefunden: Die Frage nach alliierter Schuld führe auf Abwege, wenn sie gestellt werde, um deutsche Schuld zu relativieren, sagte Steinmeier. Und allen, die das Geschichtsbild gerne umgedeutet wüssten, schrieb er ins Stammbuch:  Es waren Deutsche, die diesen grausamen Krieg begonnen haben. Wir vergessen die Schuld nicht. Und wir stehen zu der Verantwortung!

Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur

Was bedeutet das nun für Dresden? Das Gedenken muss sich weiter wandeln. Die verschiedenen Formate, die sich mit Ursache und Wirkung des 13. Februar befassen, bis hin zur Menschenkette, die alljährlich ein starkes Zeugnis gegen Extremismus und für Demokratie und Frieden aussendet, müssen intensiviert und vor allem in die junge Generation getragen werden. Gedenken als Mahnung sozusagen. Mit der Botschaft: Nie wieder Krieg und nie wieder Diktatur. Dieses Signal geht heute von Dresden aus.

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