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StartseiteKalenderblattKünstler im Paradies19.01.2017

75. Todestag von Walter SpiesKünstler im Paradies

Er machte Bali zum Sehnsuchtsort: Der Maler und Komponist Walter Spies lebte und arbeitete 16 Jahre auf der indonesischen Insel. Mit seinen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen hat er die balinesische Malerei revolutioniert und entscheidend dazu beigetragen, dass das Eiland im Indischen Ozean in Europa und Amerika bekannt wurde.

Von Regina Kusch

Kecak (Monkey Dance), created by German artist and choreographer Walter Spies in the 1930s drawing on elements of the Hindu epic the Ramayana, Bali, Indonesia, Southeast Asia, Asia  (imago stock&people / Luca Tettoni)
Künstler mit vielen Talenten: Die Choreografie des Kecak - Monkey Dance - wurde von Walter Spies entwickelt und basiert auf dem balinesischen Nationalepos Ramanyana. (imago stock&people / Luca Tettoni)
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"Ich werde versuchen die Geschichte von einem Mann zu erzählen, der genau das getan hat, wovon wir alle einmal geträumt haben. Er ging keine Kompromisse ein und akzeptierte keine Grenzen. Er war ein freier Mann, wenn auch gefangen in den Turbulenzen seiner Zeit."

So die Schriftstellerin Vicki Baum über ihren guten Freund, den Maler und Musiker Walter Spies, der das Deutschland der Weimarer Republik verließ, als Aussteiger nach Indonesien ging und dort zum Erneuerer der balinesischen Kunst wurde.

Spieß führte die perspektivische Malerei ein

"Walter Spies war ein genialer Maler und großer Künstler, der hier auf Bali respektiert wurde."

Bis dahin - so der Kunstsammler und Maler Agung Rai aus Ubud - gab es auf Bali nur die traditionelle religiöse Malerei im Wayang-Stil, die Götter, Dämonen und Helden der hinduistischen Epen darstellte.

"Walter Spies hat die Motive geändert und außerdem die perspektivische Malerei eingeführt. Seine Bilder zeigen Alltagsszenen: die Arbeit im Reisfeld, Verbrennungsrituale, Menschen bei den täglichen Tempelzeremonien, bei Hahnenkämpfen oder auf dem Markt. Das ist lebendige Kunst."

Die Naturschönheiten von Bali faszinierten ihn

Walter Spies wurde 1895 in Moskau geboren. Weil er aus einer deutschen Kaufmannsfamilie stammte, wurde er während des Ersten Weltkriegs im Uralgebirge interniert. Nach Kriegsende zog er nach Hellerau bei Dresden und verkehrte dort mit Künstlern wie Oskar Kokoschka und Otto Dix.

Neben seiner Malerei, mit der er schon als Kind begonnen hatte, arbeitete Spies auch als Komponist, Tanzlehrer und Fotograf. Er wirkte bei dem Filmklassiker "Nosferatu" mit und ging eine Liebesbeziehung mit dem Stummfilmregisseur Friedrich Murnau ein, dessen Lichttechnik seinen Malstil entscheidend beeinflusste. 1923 heuerte Walter Spies, vom Fernweh getrieben, als Matrose an und ging in Batavia, dem heutigen Jakarta an Land, wo er schon bald das Hoforchester des Sultans leitete.

Zwei Jahre später kam er nach Bali und war sofort fasziniert von den Naturschönheiten der Insel, auf der Kunst zum täglichen Leben gehörte. In einem Brief an seine Mutter schwärmte er vor allem von den spirituellen Tänzen.

"Um Gotteswillen, ist das was Herrliches! Auf nie dagewesenen Instrumenten nie dagewesene Melodien. Oh ich könnte wahnsinnig werden bei dem Gedanken, wie herrlich es hier ist, und wie furchtbar es ist, dass Ihr alle dort in Deutschland seid und in Schlamm und Scheußlichkeiten erstickt."

Gemeinsam mit Bonnet gründete er die Künstlerorganisation Pita Maha

Walter Spies blieb auf Bali und studierte die traditionelle Gamelanmusik. Er bezog ein Haus in Ubud, nahm Unterricht bei balinesischen Künstlern und lernte die Sprache. Gemeinsam mit dem holländischen Maler Rudolf Bonnet gründete er die Künstlerorganisation Pita Maha, die balinesischen Malern half, ihre Bilder in Ausstellungen unterzubringen und sie bis nach Europa und in die USA zu verkaufen.  

"Walter Spies und seine Freunde etablierten Ubud als internationales Künstlerdorf. Inzwischen arbeitet hier die vierte Generation seit Spies. Der liebte die Menschen hier, die Landschaft, das Licht auf Bali, das alles ist in seinen Bildern zu finden. Pita Maha hat auch auf der Weltausstellung in Paris 1931 erfolgreich ausgestellt.”

So entdeckte die internationale Hautevolee Bali und Walter Spies: Charlie Chaplin gab bei ihm das Gemälde "Rehjagd" in Auftrag und streifte mit ihm durch den Dschungel. Vicki Baum schrieb unter seinem Lektorat ihren Historienroman "Liebe und Tod auf Bali" und mit der englischen Schriftstellerin Berryl de Zoete verfasste Spies ein Werk über das balinesische Theater.

Inhaftierung wegen Homosexualität

Doch 1938 ging die holländische Kolonialregierung gegen die in Bali lebenden europäischen Homosexuellen vor. Walter Spies kam zum zweiten Mal in Haft, diesmal für neun Monate. Nach seiner Freilassung verließ er Bali nicht und wurde im Mai 1940 erneut interniert, diesmal als feindlicher Ausländer in Niederländisch-Ostindien. Zusammen mit anderen deutschen Gefangenen sollte er schließlich auf der "van Imhoff" nach Ceylon verlegt werden. Unterwegs wurde der Frachter von einer japanischen Bombe getroffen und sank am 19. Januar 1942.

Beryl de Zoete schrieb später:

Hutton besuchte ihn in seinem Haus in Ubud. "Ich habe von einem Freund in Siam gehört, dass er jemanden getroffen hat, der ihn sterben sah. Er saß ganz ruhig und rauchte seine Pfeife, als das Schiff untergegangen ist."

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