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StartseiteVerbrauchertippAlternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung03.08.2020

AbsicherungAlternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer seinen Job nicht mehr ausüben kann, dem drohen finanzielle Einbußen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann in diesem Fall Abhilfe schaffen. Doch die ist relativ teuer. Die Stiftung Warentest hat Alternativen untersucht.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Patient trainiert auf einem Flur im Krankenhaus das Gehen. Die Aufnahme zeigt ihn von hinten.  (Picture Alliance / dpa / Jan Woitas)
Nach einem Unfall kann die Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein (Picture Alliance / dpa / Jan Woitas)
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Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist relativ teuer, doch sie sichert das Risiko ab, den zuletzt ausgeübten Job nicht mehr ausüben zu können. Als Alternativen bieten sich die Grundfähigkeitsversicherung und die Funktionsinvaliditätsversicherung an, hier geht es um vorab definierte Fähigkeiten oder Fertigkeiten. Ein großer Unterscheid, um den Verlust der Arbeitskraft finanziell abzusichern, sagt Kirsten Schiekiera, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest.

"Da geht es darum, dass man Fähigkeiten versichert. Zum Beispiel den Gebrauch der Hände oder Gehen. Das sind die typischen Grundfähigkeiten. Und die Funktionsinvaliditätsversicherung springt zum Beispiel nur ein, wenn drei oder vier der motorischen Grundfähigkeiten verloren gehen – und zwar Gebrauch der Hände, Gehen, Treppensteigen. Auch die Fähigkeit Sitzen zu können oder ähnliches." 

Bei psychischen Erkrankungen greifen Versicherungen nur selten

Gehen diese Fähigkeiten über einen bestimmten Zeitraum verloren, leistet die Versicherung und zahlt dem Kunden eine vorab vertraglich festgelegte Rente. Und zwar unabhängig davon, ob der Versicherte noch arbeiten kann oder nicht. Auch das ein Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

In der Warentest-Untersuchung wurde jedoch deutlich, dass die Grundfähigkeits- und auch die Funktionsinvaliditätsversicherungen nur dann leisten, wenn die Gesundheit des Versicherten wirklich stark beeinträchtigt ist. Und da der Schwerpunkt auf vertraglich festgelegten, gesundheitlichen Störungen von detailliert beschriebenen Fähigkeiten liegt, fällt einiges, was ebenso zu einer Invalidität beitragen kann, durch das Raster:

"Ein Manko bei diesen Versicherungen ist, dass sie bei einem Eintritt von psychischen Erkrankungen nur in ganz wenigen Fällen greifen. Da geht es dann wirklich darum, dass der Mensch ganz schwer beeinträchtigt ist. Zum Beispiel schon unter gesetzlicher Betreuung steht. Soll heißen: Es sind nur die ganz schweren Fälle."

Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt erste Wahl

Kunden sollten deshalb vorab überlegen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie genau für ihren Beruf brauchen und diese dann versichern. Häufig leisten die Versicherer auch bei Pflegebedürftigkeit oder - wenn ein entsprechender Zusatz vereinbart wurde - bei dauerhaften Unfallschäden. Warentesterin Kirsten Schiekiera bewertet die beiden Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung als meist sehr komplizierte Konstrukte, für Laien nur schwer zu durchschauen:

"Die Funktionsinvaliditätsversicherung spring einfach noch später ein, als die Grundfähigkeitsversicherung. Die leistet meist nur, wenn die Menschen sehr, sehr stark gesundheitlich beeinträchtigt sind."

Die Beiträge der beiden Alternativen sind niedriger als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Beim Grundfähigkeitsschutz empfehlen die Warentester beispielsweise drei Policen: "Von der Allianz – die nennt sich "Körperschutzpolice E230". Dann die "Canada Life Premium Grundfähigkeitsschutz" und von "Signal Iduna" die "SI Work Life Komfort-Plus".

Fazit der Stiftung Warentest: Die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt die erste Wahl zur Absicherung von Invalidität. Nur wenn hier kein Vertrag zustande kommt, sollte man auf Alternativen auf dem Versicherungsmarkt ausweichen. Sich zudem - vor einem Vertragsabschluss – detaillierten Rat bei einer Verbraucherzentrale oder unabhängigen Versicherungsberatern holen.

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