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StartseiteVerbrauchertippWann Beschäftigte im Homeoffice (nicht) versichert sind13.08.2020

Absicherung bei der HeimarbeitWann Beschäftigte im Homeoffice (nicht) versichert sind

Der klassische Bürojob findet wegen Corona jetzt oft im Homeoffice statt. Das hat viele Vorteile: Die Arbeitswege entfallen, damit die Unfallgefahr und die Zeit, die dafür aufgebracht werden muss. Aber versicherungstechnisch ist im Homeoffice einiges zu beachten.

Von Hilde Braun

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Mature man sitting by window, using laptop, sitting in armchair and talking on the phone model released Symbolfoto property released DGOF01088 (imago images / Westend61)
Fällt der eigene Laptop herunter, ist er in der Regel nicht versichert (imago images / Westend61)
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Im Homeoffice sind alle Tätigkeiten versichert, die dazu dienen, betriebliche Aufgaben zu erfüllen: also der Gang zum Kopierer, das Herunterholen eines Aktenordners. Auch die entsprechenden Wege sind über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt.

Christine Ramsauer ist Versicherungsexpertin für den Unfallschutz im Homeoffice bei der gesetzlichen Unfallversicherung VBG: "Diese Betriebswege zeichnen sich dadurch aus, dass sie dazu dienen, eine betriebliche Tätigkeit auszuüben. Vergisst jemand zum Beispiel den für die Arbeit erforderlichen USB-Stick in der Aktentasche, die noch in der Diele der Wohnung steht und stürzt auf dem Weg vom Schreibtisch zur Tasche, so handelt es sich um einen versicherten Betriebsweg."

Wer sich dagegen auf dem Weg zur Toilette oder zum Kühlschrank verletzt, ist nicht über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Denn hier handelt es sich nicht um einen direkten Arbeitsweg. "Das ist anders als im Büro. Im Homeoffice haben die Versicherten selbst und nicht der Arbeitgeber die von der privaten Wohnung ausgehenden Risiken zu verantworten, so die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts", sagt Ramsauer.

Wenn Hard- und Software kaputtgehen

Die Nutzung von Firmengeräten im Homeoffice ist in der Regel klar definiert. So hat der Arbeitgeber normalerweise zuvor geregelt, was bei Verlust oder Schaden des Gerätes passiert. Ist das nicht der Fall, muss im Einzelfall geklärt werden, ob der Mitarbeiter zum Beispiel fahrlässig gehandelt hat.

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Armin Molla ist Versicherungsexperte und Vorstand der mailo Versicherung: "Es empfiehlt sich bei verstärkter Nutzung des Homeoffices, dass der Arbeitgeber eine Inhaltsversicherung für diese Geräte abschließt, so kommt im Falle einer Beschädigung nicht der Mitarbeiter, sondern der Versicherer für den Schaden auf."

Fällt wiederum der eigene Laptop herunter, ist er in der Regel nicht versichert, falls nicht beim Kauf des Gerätes mit dem Hersteller etwas anderes vereinbart wurde.

Doch nicht nur die Hardware kann beschädigt werden, auch die Software kann etwa durch ein Virus zerstört werden. Im schlimmsten Fall gelangen betriebseigene Daten an die Öffentlichkeit - oder aber private Daten ins Firmennetz. Deshalb sollte man sorgfältig prüfen, welche Software genutzt wird.

Hausratversicherung ist wichtig

Armin Molla: "Die massenhafte Nutzung von sogenannten cloudbasierten Tools wie Zoom oder Microsoft Teams ermöglicht auf der einen Seite ein ortsunabhängiges Arbeiten, aber erhöht auch den Missbrauch durch unbefugte Dritte erheblich. Als Beispiele seien ein ungesichertes W-Lan genannt und auch das unsichere Speichern von personenbezogenen Daten auf der Festplatte oder anderen Datenträgern wie USB Sticks." Eine Datenschutzrichtlinie des Arbeitsgebers und die rechtliche Absicherung durch den Arbeitgeber können hier vor entsprechenden Schäden schützen.

Ganz wichtig ist eine Hausratversicherung. Sie springt ein, falls Arbeitsgeräte beispielsweise gestohlen werden oder durch einen Wasserschaden nicht mehr funktionieren. Sie kann auch helfen, wenn der Rechner vom Schreibtisch fällt oder eine Tasse Kaffee über die Tastatur kippt, oder auch wenn der Laptop aus dem Auto gestohlen wird: "Hier sollte der Arbeitnehmer eine Erweiterung einschließen in der Hausratversicherung, das ist häufig möglich und natürlich mit seinem Arbeitgeber darüber sprechen, ob er dafür die Kosten übernehmen würde."

Bei einem langfristigen Einsatz im Homeoffice sollte der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber aber unbedingt darüber sprechen, ob er ihm langfristig eine Büroausstattung zur Verfügung stellt. Auch um etwa Rückenschmerzen durch einen schlechten Bürostuhl oder Augenprobleme durch einen alten Bildschirm zu vermeiden.

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