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StartseiteKommentare und Themen der WocheFehlfunktion des iranischen Flugabwehrsystems?10.01.2020

Absturz bei TeheranFehlfunktion des iranischen Flugabwehrsystems?

Der Flugzeugabsturz nahe Teheran erinnere an den Abschuss einer malaysischen Verkehrsmaschine über der Ostukraine, kommentiert Florian Kellermann. In beiden Fällen gebe es etliche Parallelen. Dazu gehöre auch, dass die Opfer eine Aufklärung der Ursache verdient hätten.

Von Florian Kellermann

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08.01.2020, Iran, Teheran: 6126086 08.01.2020 In this handout photo released by Iranian Red Crescent Society (IRCS), people work at the site of the Ukraine International Airlines' Boeing 737-800 passenger plane crash in the vicinity of the town of Parand, outside Tehran, Iran. The plane which was bound for Ukraine's capital of Kiev with almost 170 people on board, crashed earlier in the day shortly after take-off from Imam Khomeini International Airport. All passengers and crew lost their lives in the crash incident. Editorial use only, no archive, no commercial use. Iranian Red Crescent Society Foto: Iranian Red Crescent Society | (picture alliance / Roter Halbmond)
Mitarbeiter des Iranischen Roten Halbmonds am Mittwoch an der Absturzstelle nahe Teheran (picture alliance / Roter Halbmond)
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Noch können wir nicht hundertprozentig sicher sein, was vorgestern am frühen Morgen am Flughafen von Teheran passiert ist. Aber die Hinweise verdichten sich, dass die Maschine von einer Rakete abgeschossen worden ist. Die iranische Regierung weist diese These vehement zurück, bezeichnet sie als Element der psychologischen Kriegsführung gegen das Land. Nur: Auch aus der Ukraine kommen immer mehr Anhaltspunkte für eine Verstrickung des Iran. Und die Ukraine ist weit entfernt davon, gegen das Land Krieg zu führen.

Die Trümmer des Flugzeugs seien eilig vom Ort des Geschehens abtransportiert worden, mit Baggern, berichten ukrainische Experten vor Ort. Sinnvoll wäre es dagegen gewesen, die wichtigsten Teile erst zu fotografieren und ihre Lage festzuhalten. Denn gerade die Details ließen Rückschlüsse auf den Unglückshergang zu.

Hat der Iran etwas zu verbergen?

Das Vorgehen des Iran riecht stark danach, dass die dortige Regierung keine echte Aufklärung wünscht. Das hatte sich schon angedeutet, als sie unmittelbar nach dem Absturz eine mehr oder weniger fertige Erklärung für das Unglück hatte. Und dass sich verschiedene iranische Behörden widersprachen. Erst sollte der Kontakt des Towers mit den Piloten erst kurz vor dem Absturz abgerissen sein. Dann schon kurz nach dem Start der Maschine.

Doch egal, wie erdrückend die Beweislast werden sollte: Der Iran wird sich kaum zu seiner Schuld bekennen. Dafür hat er ein gutes Vorbild, seinen Verbündeten Russland. Russland war 2014 für den Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine verantwortlich. Das hat eine internationale Untersuchungskommission, geführt von den Niederlanden, festgestellt. Doch Moskau will davon nichts hören.

Ein Versehen ist wahrscheinlich

Es gibt noch mehr Parallelen: Auch jener Abschuss erfolgte über einem Gebiet mit einem militärischen Konflikt, in dem Russland eine wichtige – im Fall der Ostukraine sogar die entscheidende – Rolle spielt. Und auch in Teheran könnte es sich, so Experten, um eine russische Rakete gehandelt haben.

Außerdem ist die Vermutung am wahrscheinlichsten, dass es sich in beiden Fällen um ein Versehen gehandelt hat. In der Ostukraine hielten die von Russland gesteuerten Separatisten die Passagiermaschine für ein ukrainisches Militärflugzeug. In Teheran könnte eine Fehlfunktion des dortigen Luftabwehrsystems vorgelegen haben.

Klar ist: Die 298 Opfer in der Ostukraine haben ebenso eine Aufklärung verdient wie die 176 Menschen, die vorgestern in Teheran zu Tode gekommen sind.

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