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StartseiteVerbrauchertippDie dreiste Masche der Scheinhandwerker25.10.2019

Abzocke durch NotdiensteDie dreiste Masche der Scheinhandwerker

Handwerker sind schwer zu kriegen, oft muss man lange auf einen Termin warten. Im Notfall wie bei einem Rohrbruch wenden sich viele an einen Notdienst. Doch das kann teuer werden, denn oft stecken hinter den schnellen Helfern Betrüger. Wer ein paar Dinge beachtet, kann böse Überraschungen vermeiden.

Von Detlev Karg

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Ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes baut ein neues Türschloss ein.  (dpa/ picture alliance / Holger Hollemann)
Wenn man sich ausgeschlossen hat oder ein Rohr verstopft ist, rufen viele Verbraucher den Notdienst - doch das kann teuer werden (dpa/ picture alliance / Holger Hollemann)
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Was sich für die meisten nicht schön anhört, klingt für so manchen Betrüger wie Musik in den Ohren. Immer wieder kommt es vor, dass unseriöse Notdienste schnelle Abhilfe versprechen, wenn es gilt, eine verschlossene Tür von außen zu öffnen oder eine Verstopfung zu beseitigen:

"Die präsentierten den Leuten wirklich Rechnungen zwischen 1.200 und bis zu 2.000 Euro für eine Verstopfungsbeseitigung. Das muss man sich mal überlegen - im Notdienst."

So schildert es Roger Schick, Geschäftsführer der Kölner Rohrreinigungsfirma Rokis. Zu Ohren kam ihm das, als sich langjährige Kunden an ihn wandten. In ihrer Not fanden sie keinen seriösen Rohrnotdienst und fielen dann auf dubiose Angebote im Internet herein.

Vorsicht vor unechten Handwerkern

Ganz billig ist so ein Einsatz nicht, im Schnitt fallen zwischen 400 und 500 Euro an, aber eben nicht 1.200 und mehr Euro. Oft sind die angeblichen Handwerker nicht einmal ordnungsgemäß als Firma registriert, so Roger Schick:

"Wir haben in den mehreren Fällen, die uns vor Augen gekommen sind, Leistungsnachweise gesehen, das waren einfach nur Schwarzweißkopien. Da stand unten bei der Steuernummer zum Beispiel nur: in Arbeit, in Gründung, oder so was. Da wäre ich schon ganz misstrauisch."

Handwerker-Mangel begünstigt Haustürgeschäfte

Eine andere Variante sind Haustürgeschäfte etwa mit Terrassen- oder Dachreinigung. Warum Menschen immer wieder auf diese Maschen hereinfallen, schildert Vivien Rehder, Sprecherin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein:

"Man muss auch bedenken, dass Handwerker mitlerweise sehr schwer zu bekommen sind. Da kann man lange telefonieren, bis man mal einen Betrieb findet. Häufig ist es sehr teuer und alles dauert sehr lange und dann sind viele Leute natürlich sehr froh wenn jemand an der Tür klingelt und sagt: 'Ich mache Ihr Dach oder ihre Terrasse und das ist ganz unkompliziert.'"

Nicht unter Druck setzen lassen

Nach "unkompliziert" folgt dann jedoch meist "unangenehm". Die Leistung soll zum horrenden Preis gleich bar bezahlt werden. Auch EC-Kartenleser führen die Abzocker mit sich. Und viele lassen sich dann unter Druck setzen, holen gar noch schnell Geld von der Bank. Vivien Rehder:

"Teil der Masche ist immer, dass solche Abzocker versuchen Geld zu kassieren, und zwar sofort und auf der Stelle. Und es ist sehr schwierig, sich dagegen zu wehren. Wenn es ganz abenteuerlich wird und Leute unhöflich oder laut werden, hilft es im Zweifelsfall, die Polizei anzurufen und sich Unterstützung zu holen."

Auf Impressum und Steuernummer achten

Verstärkung. so rät die Verbraucherschützerin, sei in jedem Fall das Richtige, um sich nicht einschüchtern zu lassen. Damit es aber gar nicht so weit kommt, sollten Verbraucher zumindest vorab im Internet klären, ob ein Betrieb seriös ist. Roger Schick:

"Ich hab mir selber mal die Mühe gemacht und bin im Internet auf die Seiten gegangen, die sehen sehr professionell aus. Aber ein Impressum gibt es da gar nicht."

Genau das wäre einer der Knackpunkte. Denn jeder, der im Internet eine Seite publiziert, muss ein Impressum vorweisen. Handwerker müssen zudem ihre Steuernummer angeben. Denn ist das Geld erst einmal weg, gibt es nur selten eine Chance, es wiederzusehen, so Vivien Rehder:

"Da tatsächlich häufig falsche Adressen angegeben werden, von Firmen die es im Zweifelsfall gar nicht gibt. Deswegen ist es ganz wichtig, dass man sich nicht direkt zur Bezahlung drängen lässt, sondern darauf besteht, dass man eine richtige Rechnung bekommt. Da hilft die Verbraucherzentrale gerne. Sie können in unsere Beratungsstellen kommen und eine Rechnung auch prüfen und bewerten lassen."

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