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StartseiteCorsoWer braucht schon Hollywood?16.09.2015

Actionfilme aus UgandaWer braucht schon Hollywood?

Die Tricks sind billig, das Budget minimal - aber das Blut fließt in Strömen in den Actionfilmen von Ugandas erfolgreichstem Filmproduzenten Nabwana IGG. Wakaliga, der Slum in Ugandas Hauptstadt, gab der aufstrebenden Filmindustrie ihren Namen: Wakaliwood.

Von Antje Passenheim

Kinder üben mit dem Schauspieler Kungfu Master im Slum Wakaliga, einem Vorort der ugandischen Hauptstadt Kampala. (Imago)
Kinder üben mit dem Schauspieler Kungfu Master im Slum Wakaliga, einem Vorort der ugandischen Hauptstadt Kampala. (Imago)

Manchmal fließt soviel Blut, dass selbst der Metzger um seine Kundschaft fürchtet. Wenn die Rambos mit ihren Waffen aus Pfannen und Auspuffrohren alles in Schutt und Asche legen: Wer braucht Arnold Schwarzenegger und Bruce Lee, wenn die Ramon-Filmproductions ihre Puppen tanzen lassen? Wer will schon Hollywood und Bollywood, gibt es doch Wakaliwood.

Der Mann, der den Slum in Ugandas Hauptstadt Kampala zu Ostafrikas Action-Filmspot Nummer eins macht, heißt Nabwana IGG oder kurz Isaac.

"Ich zeige der Welt das Leben, das wir lieben - das Leben, in dem wir aufgewachsen sind."

Ugandas erfolgreichster Filmproduzent hat niemals eine Filmschule besucht. Bettelarm wuchs er in diesem Ghetto auf. Kino, das gab es nur in den Erzählungen seiner älteren Brüder.

"Ich sagte meinem Bruder: Ich muss einen Film machen. Er fragte: Wie das denn? Ich sagte: Überlass das mir."

Keine Wasserhähne, aber Blut in Strömen

Isaac brennt Backsteine. Spart auf eine Kamera. Sammelt Computerschrott. Und lernt, wie man ihn zusammenflickt. Der Schrottplatz wird zur Requisitenkammer. Bratpfannen zu Panzerfäusten. Und die Slumbewohner zu gagenfreien Kannibalen, Mafiabossen, Härtecracks. Das Casting ist ein ernstes Geschäft. Scharen von Kindern, der Bäcker von nebenan, der Greis mit dem Stock, die junge Friseurin: Alle wollen sie in Isaacs Actionfilmen ganz groß rauskommen.

Drehtag Nummer irgendwas. Wasserhähne gibt es nicht. Doch das Blut fließt in Strömen. Ursprünglich war es mal echtes, verraten die Schauspieler, "von Kühen, Ziegen" - doch das wurde zu eklig. Seither wird rote Lebensmittelfarbe mit Saft gemischt - in platzenden Kondomen, ein wunderbarer Effekt.

Ein 90-Minüter für 50 Dollar

Effekte sind überhaupt alles in Isaacs 46 Filmen. Am Computer jagt er Hochhäuser in die Luft, lässt Papp-Hubschrauber aufsteigen oder Spielzeugautos crashen. Selten übersteigt das Budget für einen 90-Minüter 50 Dollar.

Längst ist Ugandas Tarantino weit über Wakaliwood hinaus bekannt. Seine Filme ernten im Netz Hunderttausende Klicks. Die nächste Idee steht bereits: Osama kehrt zurück - heißt Isaacs neues Filmprojekt. Als Schauspieler werden auch Weiße gesucht.

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