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StartseiteHintergrundFolgen eines Skandals11.02.2014

ADACFolgen eines Skandals

Nach Skandalen und Skandälchen sowie dem Rücktritt von ADAC-Präsident Meyer bleibt seinem vorläufigen Nachfolger August Markl nichts, als eine lückenlose Aufklärung zu versprechen. Bloß eine Reform, das reiche nicht, sagen viele Beobachter - und fordern einen radikalen Neuanfang.

Von Gabriel Wirth

Ein Abschleppdienst des ADAC hebt einen Wagen mit einem platten Reifen auf einen Lastwagen (dpa picture-alliance/Julian Stratenschulte)
ADAC Gelber Engel (dpa picture-alliance/Julian Stratenschulte)
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Weiterführende Information

Soll der ADAC aufgelöst werden? (Deutschlandradio Kultur, Debatte, 11.02.2014)

Verantwortungslose Unternehmensführung (Deutschlandfunk, Kommentar, 10.02.2014) 

Mitte Januar in der Münchner Hofkirche. Der ADAC hat zur Verleihung seines Autopreises "Gelber Engel" eingeladen. Doch über der sonst so pompösen Veranstaltung liegt bereits ein Schatten.

"Meine Damen und Herren, die Medienberichterstattung der letzten Tage rund um unsere Veranstaltung zum "Gelben Engel" hatte es wahrlich in sich, bei all den Unterstellungen und Unwahrheiten, die da zu lesen waren, musste man sich manchmal die Augen reiben."

Karl Obermair, der ADAC-Geschäftsführer, will die Schlagzeilen der vergangenen Tage wegwischen. Beim "Gelben Engel" sei nicht geschummelt worden, beteuert er. So tun es auch der Kommunikationschef des Clubs, Michael Ramstetter, und ADAC-Präsident Peter Meyer.

"Wir haben ganz klar eine repräsentative Umfrage, die deutlich höher ist als zum Beispiel ein Politbarometer. Wir haben viel, viel mehr Datengrundlage. Und da jetzt anzuzweifeln, ob es 5.000 Stimmen mehr oder weniger sind, halte ich für lächerlich."

"… möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden"
(Peter Meyer, Ex-ADAC-Präsident)

Als "Lieblingsauto der Deutschen" wird der VW-Golf gekürt, ermittelt angeblich durch eine Umfrage unter den ADAC-Mitgliedern. Doch Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kann sich über diese Trophäe schon nicht mehr so recht freuen:

"Ich sage nur, der Golf ist das meistverkaufte Auto in Deutschland, ist Marktführer. Insofern: Ob die Zahlen hoch oder niedrig sind, ist uns egal."

Die Zahlen waren ausgesprochen niedrig, und obendrein gefälscht. Aus ein paar tausend abgegebenen Stimmen der Mitglieder hatte der ADAC kurzerhand mehrere Zehntausend gemacht. Und diese Manipulationen waren nur die Spitze des Skandal-Bergs. Seit Wochen schon ist klar: Dass allein Pressechef Michael Ramstetter im Januar zurücktrat, reicht nicht zur Rettung des ADAC. Nach langem Zaudern und Zögern ist am Montag nun auch ADAC-Präsident Peter Meyer zurückgetreten. In einer Pressemitteilung erklärte er:

"Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben. (...) Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden."

Doch diese Pressemitteilung war offenbar nicht mit dem Präsidium des ADAC abgesprochen. Denn kurze Zeit später gab es eine weitere Erklärung aus der Münchner Zentrale, und darin heißt es, Präsidium und die 18 Verwaltungsräte hätten bereits zuvor ein Suspendierungsverfahren gegen Meyer eingeleitet – begründet mit den, so wörtlich "erschütternden Ergebnissen der aktuellen Krisenaufarbeitung". Meyer kam also seiner Entlassung zuvor. Allerdings hält er an seinem Posten als Präsident des Regionalclubs Nordrhein fest.

Mehrere Autohersteller wollen Preise zurückgeben

Auslöser für seinen überfälligen Rücktritt als ADAC-Präsident war wohl auch das, was die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte am Montag veröffentlichte. Die Untersuchung, die der ADAC selbst in Auftrag gegeben hatte, belegt, was viele schon längst ahnten: Der Autoclub hat bei der Wahl zum "Gelben Engel" nicht nur die Zahl der abgegebenen Stimmen gefälscht, sondern auch die Reihenfolge der bewerteten Autos. In dem Prüfbericht heißt es außerdem, es gebe "klare Anhaltspunkte" für ähnliche Manipulationen schon in früheren Jahren.

Die Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen hatten schon zuvor angekündigt, sämtliche erhaltene "Gelbe Engel" zurückgeben zu wollen, wenn bei der Rangfolge getrickst wurde. Dieser Tage dürften also wohl zahlreiche Preise bei der Münchner Konzernzentrale abgegeben werden. Sie wollen damit auch betonen, dass sie keinen Einfluss auf die Vergabe der ADAC-Ehrung "Gelber Engel" genommen haben. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Auszeichnung und etwa der Schaltung von Anzeigen in der Mitgliederzeitschrift "ADAC-Motorwelt", ist zu hören. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die Manipulationen das Werk eines Einzelnen seien und man offenbar versucht habe, den Preis wichtiger zu machen, als er ist, hieß es etwa bei Volkswagen.

Und dann sind da noch die vielen anderen Skandale und Skandälchen, die in der Zwischenzeit ans Tageslicht gekommen waren: die Flüge des Präsidenten im Rettungshubschrauber zu verschiedenen Veranstaltungen etwa. Dies sei nur sehr selten der Fall gewesen und die Flüge seien auch bezahlt worden, heißt es zur Entschuldigung. ADAC-Sprecher Klaus Reindl:

"Wir haben insgesamt 51 Rettungshubschrauber im Einsatz an 36 Stationen. Und das bedeutet, dass immer 15 Hubschrauber als Reserve vorgehalten werden oder in Wartung unterwegs sind oder verlegt werden. Und so ein Ersatzhubschrauber ist bei diesem Flug wohl benutzt worden." 

Auf dem Titel der Zeitschrift "ADAC-Motorwelt" ist ein Rettungshubschrauber zu sehen.  (picture-alliance / dpa/ Daniel Karmann)Der ADAC-Vorstand soll für Dienstreisen Rettungshubschrauber benutzt haben (picture-alliance / dpa/ Daniel Karmann)

 

Die wohl skurrilste Geschichte war der Fall in Braunschweig, als ein Rettungshubschrauber einen Fußballrasen trocken föhnte. Dieser Fall liegt bereits Jahre zurück. Andere Vorwürfe wiegen schwerer, so soll der ADAC auch bei den Raststättentests gemauschelt haben.

Michael Bauer aus Böblingen kontrolliert seit Jahrzehnten Gastronomiebetriebe. Auch der ADAC war sein Kunde, Bauer lieferte Daten für den jährlichen Raststättentest, doch dann wurde ihm gekündigt, nachdem er in einer Fernsehtalkshow erklärt hatte, die Preise beim ehemaligen Monopolisten Tank und Rast seien zu hoch. Diese öffentliche Kritik war für ihn gefährlich, denn der ADAC hat eine Kooperation mit den Tank- und Rast-Betrieben. Der Vorwurf Bauers:

"Weil ich mich kritisch über Tank und Rast geäußert habe, hat mir dann mein Projektleiter die Zusammenarbeit einfach aufgekündigt. Die sind einfach hergegangen und haben mein gesamtes Team kontaktiert, vor allem meinen Projektleiter, und der ist selbstständiger Unternehmer, der hat für den ADAC in den Folgejahren den Test ausgeführt. Das heißt, die haben also nur den Kopf ausgetauscht, sprich mich."

Der ADAC bestätigt das, meint jedoch: Der Fall sei eine ganz normale Entscheidung nach der Ausschreibung gewesen. Bauer geht aber noch einen Schritt weiter und weist auf einen anderen wunden Punkt hin: Es gibt Beschwerden über Restaurants, an denen das Schild mit der ADAC-Empfehlung hängt, die die Qualitätskriterien aber offenbar gar nicht mehr erfüllen. Noch einmal der Restauranttester Bauer:

"Dann kam auf Rückfrage beim ADAC ziemlich kleinlaut raus: Ja, da gäbe es ein Problem. Man könnte die Schilder gar nicht zurückfordern, weil man hätte die in den 70er- und 80er-Jahren einfach für 120 Mark verkauft."

Der ADAC bestätigt, dass er die Schilder verkauft hat. Angeblich erst nach Prüfung der Restaurants.

Auch die ADAC-Pannenstatistik ist in der Kritik. Bislang galt sie vielen Verbrauchern und vor allem Autokäufern als wichtiger Hinweis darauf, wie zuverlässig ein Fahrzeug ist. Nun allerdings muss der ADAC einräumen, dass diese Statistik gar nicht so aussagekräftig ist und schon gar nicht repräsentativ, denn bei ihr werden nur Pannen berücksichtigt, wenn ADAC-Mitglieder beim ADAC direkt angerufen haben. Pannen, die über die Notrufnummern der Hersteller bei den Assistance Partnern eingehen und an die Straßenwacht des Clubs weitergeleitet werden, gehen nicht in die Berechnung ein. In der ARD bei Günter Jauch verhedderte sich der noch amtierende ADAC-Präsident Peter Meyer in Erklärungen:

"Die Pannenstatistik wird seit 1970 erhoben, es ist eine Statistik, keine repräsentative Statistik, das haben wir nie behauptet. Wir haben damals, 1970, entschieden, dass diese Pannenstatistik erst mit Fahrzeugen ab drei Jahre anfängt. Warum – weil wir damals wohl gesagt haben, ist ja schon weit vor meiner Zeit: Gewährleistung, Garantie, und hinzu kamen später die Assistance Systeme. Damit die nicht das Bild fälschen."

Der ADAC erklärte später, Meyer habe sich geirrt, dies sei der Live-Situation geschuldet. Bei diesem Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hatte Meyer seinen Rücktritt übrigens noch kategorisch ausgeschlossen.Das Ansehen des ADAC hat schwer gelitten, vor allem in der Öffentlichkeit:

O-Ton einer Straßenumfrage:

"ADAC ist gut, ich bin selber Mitglied, aber so etwas hat er nicht nötig. Aber man erlebt immer wieder, dass man den guten Glauben an Institutionen, die man für gut hielt, über Bord werfen muss. Ich bin auf jeden Fall enttäuscht, muss ich echt sagen, ich bin auch in der Automobilbranche tätig, und eigentlich hat der ADAC da schon ein Gewicht. Und das verliert er damit."

Doch nicht nur viele Mitglieder sehen das Image des größten deutschen Vereins schwer beschädigt. Auch als politische Interessenvertretung muss der Automobilclub jetzt viel Häme einstecken. Vor der Bundestagswahl hatte sich der ADAC mit der CSU und vor allem mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer angelegt: Grund für den Streit war die Pkw-Maut für Ausländer, die die CSU fordert und die der ADAC als zu teuer kritisierte und vor allem als nicht konform mit dem EU-Recht. Der ADAC-Skandal und die Fälschungen beim "Gelben Engel" sind für Seehofer jetzt eine willkommene Retourkutsche:

"Ich bin nicht überrascht, im Zusammenhang mit der Maut, da hat es mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann."

Bei all den Fehlern, die beim ADAC jetzt ans Tageslicht kommen, muss sich der Automobilclub den Vorwurf gefallen lassen, Vereins- und Wirtschaftsinteressen miteinander vermischt zu haben.

Auf der einen Seite ist der ADAC ein sogenannter Idealverein zum Zweck, Kraftfahrwesen, Tourismus und Motorsport zu fördern - mit Vereinssatzung und 18 Regionalclubs. Mittlerweile hat der Verein eigenen Angaben zufolge knapp 19 Millionen Mitglieder, die Mitgliederbeiträge überschritten 2012 erstmals die Milliardengrenze. Der Münchner Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen meint dazu:

"Die schiere Größe ist natürlich ein spezielles Problem. Denn Vereine sind zunächst mal nicht größenbestimmt, sie können so viele Mitglieder haben, wie sie eben einwerben, nur beim ADAC ist es bald jeder dritte Erwachsene, wenn ich das richtig sehe. Und da ist eben eine Größe erreicht, die eben von wirtschaftlichem Interesse für die Allgemeinheit ist. Er ist, wenn Sie so wollen, seiner Vereinsorganisation längst entwachsen, er konkurriert mit Konzernen."

Der ADAC – ein Opfer seiner Hybris

Denn der ADAC selbst ist heute vor allem ein großes Wirtschaftsunternehmen. Die ADAC-Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH mit Versicherungen, einer Autovermietung, einem Verlag und Reisegeschäft macht Gewinne in Millionenhöhe. Der ADAC kooperiert darüber hinaus mit 15 internationalen Autobauern, darunter Mercedes, Hyundai und Peugeot. Der Wirtschaftsjurist Michael Adams von der Universität Hamburg hält diese Doppelstruktur für problematisch:

"Der ADAC besteht aus Gesellschaften, die Milliardenumsätze machen. Und gleichzeitig ist er in der Spitze und im Auftritt nach außen ein Verein, der gar nicht hinter dem Geld her ist. Das passt nicht zusammen. Das kann an vielen Stellen zu Konflikten führen. Bis hin, dass man dem Geldverdienen die Ziele des Vereins und seine Glaubwürdigkeit opfert."

Der ADAC – ein Opfer seiner Hybris und vielleicht auch einer gewissen Selbstüberschätzung? Vor einigen Jahren sagte Präsident Meyer über seinen ADAC:

"Wenn Sie alle Parteien und Gewerkschaften in Deutschland zusammenzählen, die haben noch nicht mal die Hälfte von den Mitgliedern wie wir. Mein doller Spruch ist immer: Estland, Lettland, Litauen, Österreich, Slowenien, und da lege ich noch Malta und Luxemburg obendrauf, da haben sie 18 Millionen Einwohner, dafür sind das sieben EU-Staaten mit sieben Staatsministern, und der ADAC hat nur einen Präsidenten."

Zu diesem Selbstverständnis des ADAC sagte der neue Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, CSU:

"Man kann an der Stelle den Hinweis durchaus geben, dass auch bei großen Verbänden ein bisschen Bescheidenheit im Auftreten guttäte."

Doch von dem Hochmut ist sowieso nur noch wenig geblieben, die sonst so stolzen Mitarbeiter des Clubs wollen sich nicht mehr äußern, wie man vor der Münchner Konzernzentrale erfahren kann:

O-Ton Mitarbeiterumfrage:

"Kein Kommentar"

"Ich möchte keine Stellungnahme abgeben"

"Nein Danke"

"Im Moment sage ich jetzt nichts"

"Ich will nichts sagen – Ich darf dazu nichts sagen."

Auch der neue Präsident August Markl, der das Amt kommissarisch übernommen hat, gibt sich bescheiden und spricht gar von der schwersten Krise des ADAC in seiner Geschichte. Etwas unsicher tritt er nach seiner Ernennung vor die Presse:

"Ein herzliches Grüß Gott, meine Damen und Herren. Diese Woche hat sehr turbulent für unseren ADAC begonnen. Peter Meyer hat sein Amt niedergelegt als Präsident des ADAC. Er übernimmt damit die politische Verantwortung für die Vorwürfe, die in der letzten Zeit an den ADAC herangetragen wurden, und die wir alle sehr, sehr ernst nehmen."

Er versprach einmal mehr, alle Vorgänge lückenlos zu überprüfen und aufzuarbeiten. Der Münchner Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen hat allerdings Zweifel an dieser angekündigten Aufklärung:

"Ja, das Prüfen wird nicht viel bringen aus meiner Sicht. Denn das ist ein Altherrenclub, der sich selbst – wenn überhaupt - kontrolliert, das kennt man bestenfalls aus der Kirche, sonst nirgendwoher. Das heißt: Es muss von außen Kontrolle ausgeübt werden. Jeder mittlere Betrieb wird heute vielfach von Fremden, von Dritten, Außenstehenden kontrolliert, permanent überprüft und durch die Öffentlichkeit überwacht. Das muss passieren. Eine reine Nabelschau, auch wenn man das guten Glaubens tut, reicht hier längst nicht mehr."

Allerdings hat ADAC-Interimspräsident Markl bei seinem kurzen Statement in der Münchner Konzernzentrale schon angekündigt, dass der Verein sich Hilfe von außen holen wird:

"Meine Präsidiumskollegen und ich haben heute die Kanzlei Freshfields beauftragt zur Stärkung unseres Compliance Systems. Und die nächsten Tage und Wochen werden weitere Schritte und Reformen nachfolgen."

Beobachter fordern radikalen Neuanfang, keine Reform

Die Rechtsanwaltskanzlei Freshfields soll die Verhaltensrichtlinien beim ADAC überprüfen. Daneben soll ein eigener Chief Compliance Officer auf die Enthaltung der Richtlinien achten und gegebenenfalls Verstöße aufdecken.

Angekündigt ist außerdem ein "Zehn-Punkte-Plan". Laut ADAC soll eine "grundlegende Reform" auf den Weg gebracht werden, um aktuelle Schwachstellen zu beheben. Diese umfasse eine Überprüfung der Führungsgremien, der Vereinsstruktur und wirtschaftlichen Aktivitäten, eine wesentliche Verbesserung der Transparenz und deutlich stärkere Einbindung der Mitglieder. Der Reformprozess soll von unabhängigen, externen Experten begleitet werden.

Viele Beobachter halten von diesem Reformprogramm wenig; sie fordern einen noch radikaleren Neuanfang, so auch Verbraucherschutzminister Heiko Maas von der SPD:

"Der Rücktritt des ADAC-Präsidenten alleine wird nicht reichen. Vor allem nicht dem ADAC. Die Missstände, die es beim ADAC gibt, die haben nicht nur eine Person zu verantworten, sondern die Organisationsform des ADAC begünstigt dieses Fehlverhalten und deswegen hilft dem ADAC nur totale Transparenz und eine grundlegende Organisationsreform."

Ähnlich sieht es der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, der etwa den zügigen Rücktritt des ADAC-Geschäftsführers Karl Obermair fordert. Einen harten Schnitt hält auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses Martin Burkart für geboten:

"Es gibt jetzt den Betrugsvorwurf, und ich denke, ein Neuanfang kann nur sein, wenn das gesamte Präsidium zurücktritt und dann auch hauptamtliche Strukturen eingeführt werden, wie das bei einem Konzern mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz sicher der Fall sein muss."

Möglicherweise kommt es so. Interimspräsident Markl hat angekündigt, nur bis zur nächsten Hauptversammlung im Mai in Saarbrücken im Amt bleiben zu wollen. Bei dieser Versammlung werden die Mitglieder wohl auch über die notwendigen Veränderungen des Vereins diskutieren. Der Wirtschaftsprofessor Manuel Theissen empfiehlt eine klare Trennung von Verein und Wirtschaftsunternehmen:

"Das wäre ein Vorschlag, der schon vielfach gemacht wurde. Er ist rechtlich mehr oder weniger auf Freiwilligkeit ausgelegt. Denn wir müssen auch sehen, Eigentümer dieses Riesenkonzerns sind die 18,5 Millionen Mitglieder. Das heißt, die können sich heute schon mal als kleine Konzernbeteiligte fühlen und wirken wohl dann auch mit. Die Lösung wird nicht einfach, aber ich denke, es ist längst an der Zeit, diese Trennung vorzunehmen."

Langfristig dürfte das möglicherweise keine Frage der Freiwilligkeit sein, sondern eine von Recht und Gesetz. Das Registergericht München prüft derzeit den Vereinsstatus des ADAC. Es wurde aufgrund des Antrags einer Privatperson aktiv: Sie fordert, den ADAC aus dem Vereinsregister zu löschen. Gerichtssprecherin Monika Andreß:

"Ins Vereinsregister wird nur eingetragen ein Verein, der nicht wirtschaftlich ist. Wenn sein Zweck darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit selbstlos zu fördern. Es ist aber trotzdem erlaubt, dass so ein nicht wirtschaftlicher Verein in untergeordneter Form wirtschaftlich tätig ist. Und das gilt es zu prüfen."

Für den Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer ist die Sache klar:

"Nach meiner Einschätzung ist die Vereinsstruktur ein Anachronismus, die passt überhaupt nicht in die Zeit, der ADAC muss sich neu aufstellen, er braucht eine neue Struktur."

Bereits vor Jahrzehnten beschäftigte diese Frage gar den Bundesgerichtshof. Er erlaubte damals dem ADAC über Tochterfirmen unternehmerische Leistungen anzubieten, wenn diese zum Vereinszweck passen und nur Mitgliedern offenstehen. Doch nun ist die Frage, ob hier noch die richtige Balance gewährleistet ist und die Wirtschaftsinteressen nicht überwiegen.

Sollte der Vereinsstatus wirklich aufgehoben werden, hätte das gravierende Folgen für den ADAC. Denn nach Ansicht von Experten müsste die Vereinsspitze dann persönlich haften. Im Fall des skandalgeschüttelten ADAC könnte das heikel werden.

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