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StartseiteUmwelt und VerbraucherMit neuen Strukturen zu neuer Glaubwürdigkeit?27.06.2017

ADACMit neuen Strukturen zu neuer Glaubwürdigkeit?

In München trafen sich die Anteilseigner von Europas größtem Verkehrsclub. Die Führung des ADAC betonte bei der Gelegenheit, dass der Verein auf die Kritik und Skandale der letzten Jahre mit Reformen reagiert habe: Derzeit bestünden keine institutionellen Interessenkonflikte. Doch die Kritiker bleiben skeptisch.

Von Michael Watzke

Die Fassade der neuen Deutschland-Zentrale des ADAC. (dpa / Peter Kneffel)
Der ADAC stand in den letzten Jahren in der Kritik: Beim Treffen der Anteilseigner wollte der Automobilclub signalisieren, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. (dpa / Peter Kneffel)
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Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte des größten deutschen Automobil-Clubs tagt die ADAC SE, also die neue Aktien-Gesellschaft des ADAC. In der Zentrale in München trafen sich heute – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – die Anteilseigner: das sind der Club, die Stiftung und das Unternehmen. Knapp ein Dutzend ADAC-Funktionäre (inklusive drei Arbeitnehmer-Vertreter) halten die erste Hauptversammlung ab. Kritisch beäugt von Skeptikern wie Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Bergisch Gladbach:

"Einerseits gibt es die Regionalclubs, andererseits diese starken kommerziellen Verflechtungen, wo es doch auch sehr viele Bewahrer gibt, die sich gegen die Reformen auflehnen."

Aufhebung sämtlicher Interessenkonflikte?

Auch andere Automobil-Experten wie Ferdinand Dudenhöffer bezeichnen die geänderte Struktur als alten Wein in neuen Schläuchen. Der ADAC weist das zurück. Durch den Dreisäulen-Aufbau – mit dem ADAC-Club, der Stiftung und dem Unternehmen ADAC SE – habe sich der Verein entflochten und sämtliche Interessenskonflikte behoben, so August Markl, der Präsident. Zum Beispiel herrsche nun im Gegensatz zum ADAC vor dem Skandal eine...

"...klare personelle Trennung in den Aufsichtsgremien unserer Versicherungs-Gesellschaften. So haben bereits die ehrenamtlichen ADAC-Kollegen ihre Positionen in den Aufsichtsräten der Versicherungsunternehmen niedergelegt. Ihnen nachgefolgt sind externe Branchen-Spezialisten, die künftig die Versicherungs-Töchter beaufsichtigen."

Um die Versicherungs-Töchter wird es heute bei der Hauptversammlung vor allem gehen. Sie sind die so genannte "Cash Cow", also sozusagen der "Goldesel", in den milliardenschweren Geschäften des ADAC. Von A wie Auslandsreise-Krankenversicherung bis Z wie Zusatz-Wassersport-Versicherung preist der ADAC seinen Mitgliedern mehr als ein Dutzend Versicherungen an. Dazu noch Autovermietung, Touristik-Angebote wie Last-Minute-Reiseschnäppchen und jede Menge Finanzdienstleistungen – sogar Autokredite. Marion Jungbluth, Pressesprecherin des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes in Berlin, weist deshalb noch einmal nachdrücklich auf die eigentliche Kernaufgabe des ADAC hin – nämlich die "Gelben Engel" auf den Straßen:

"Die 19 Millionen Mitglieder des ADAC – was ja eine gigantisch große Zahl ist – darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mitglieder keine ganz normalen Vereins-Mitglieder sind, sondern die große Motivation darin liegt, dass man den Abschleppservice in Anspruch nehmen möchte."

Nachweisliche Korrekturen

In früheren Zeiten hatte der ADAC die Macht seiner 19 Millionen Mitglieder auch dazu benutzt – manche sagen: missbraucht – um immer wieder politische Forderungen zu stellen. Das hatte nicht nur Umweltverbände und Verbraucherschutz-Organisationen geärgert, die dem ADAC dreisten Lobbyismus vorwarfen. Sondern auch politische Parteien. Nicht zuletzt die CSU, deren sogenannte "Ausländer-Maut" heftiger Kritik des ADAC ausgesetzt war. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der früher Staatssekretär im Verkehrsministerium war, gibt sich nach der ADAC-Reform versöhnlich. Er wünsche dem Verein eine unfallfreie Zukunft:

"Bei manchen Verkehrs-Projekten der CSU waren wir nicht immer mit jeder Stimme einverstanden, die aus dem ADAC kam. Weil es einfach deplatziert war. Aber das gehört zum politischen Diskurs dazu. Ich hoffe, dass so ein großer, stolzer Verein wie der ADAC – mit so vielen Mitgliedern – auch eine gute, jetzt umgebaute Zukunft hat."

Zumindest eines hat der ADAC nachweislich korrigiert: Er verkauft neuerdings keine Produkte mehr, die er testet. Und er testet keine Dienstleistungen mehr, die er verkauft.

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