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StartseiteKalenderblattAdolf Hitlers Triumph13.03.2008

Adolf Hitlers Triumph

Am 13. März 1938 wurde der "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich vollzogen

Vor 70 Jahren wurde das von Adolf Hitler erzwungene Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich verabschiedet. Einen Tag zuvor war mit dem Einmarsch der Wehrmacht, bejubelt von großen Teilen der Bevölkerung, der sogenannte Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland vollzogen worden.

Von Bernd Ulrich

Ansprache von Adolf Hitler auf der Wiener Hofburg am 15. März 1938. (AP Archiv)
Ansprache von Adolf Hitler auf der Wiener Hofburg am 15. März 1938. (AP Archiv)

"Der März hat es in sich. Aber es war immer noch der Glücksmonat des Führers. Wieder mal eine große Zeit. Mit einer großen geschichtlichen Aufgabe. In acht Tagen wird Österreich unser sein."

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels hatte schon Recht: Österreich stand an diesem 11. März 1938 kurz vor dem Verlust seiner Unabhängigkeit. Aber mit seiner Zeitangabe, die er im Tagebuch notierte, lag er etwas daneben. Denn von nun an beschleunigten sich die Ereignisse. Vor allem nach der vom österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg verkündeten Absicht, am 13. März 1938 eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs durchführen zu wollen.

"Ob Deutschland das so einfach hinnehmen wird? Wenn das gelingt, dann können wir dem Herrgott dankbar sein."

Das Stoßgebet des österreichischen Bundespräsidenten Wilhelm Miklas blieb ungehört. Die Verantwortlichen in Berlin beließen es nicht bei Drohungen: Am 12. März marschierte die Wehrmacht in Österreich ein und besiegelte den Sturz der Regierung in Wien.

Adolf Hitler, der am gleichen Tag bei seinem Geburtsort Braunau am Inn die österreichische Grenze überquerte, zeigte sich überwältigt vom Jubel der Bevölkerung. Hatte er zuvor noch Zwischenlösungen favorisiert, animierte ihn nun diese offensichtliche Begeisterung, Österreich sofort zu annektieren.

Noch am 13. März wurde auf Hitlers Befehl hin ein eiligst verfasstes Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich paraphiert. Zwei Tage später konnte Hitler vor einer besinnungslos-begeisterten Menschenmasse auf dem Wiener "Heldenplatz" die "größte Vollzugsmeldung" seines Lebens verkünden:

"Ich kann somit in dieser Stunde des deutschen Volks die größte Vollzugsmeldung meines Lebens abstatten. Als Führer und Kanzler der deutschen Nation und des Reiches melde ich vor der deutschen Geschichte nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich. (Jubel.)"

Die Vereinigung beider Staaten stand schon seit Ende des Ersten Weltkriegs auf der politischen Agenda. Der Weltkrieg hatte im Rahmen der staatlichen Neuordnung nur noch einen kläglichen Rest des Vielvölkerreichs hinterlassen. Die neue Republik Österreich, deren knapp sieben Millionen Einwohner mehrheitlich deutschsprachig waren, legte sogar im Artikel 2 ihrer schon im November 1918 verabschiedeten Verfassung fest:

"Deutschösterreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik."

Alle Pläne waren indessen am entschiedenen Einspruch der Siegermächte gescheitert. Die Bereitschaft aber, sich an Deutschland anzuschließen, endete auf Seiten der österreichischen Parteien abrupt mit der Machtübernahme Hitlers. Abgesehen von den österreichischen Nationalsozialisten waren sich - bei allen Gegensätzen - die Linke und Rechte einig in der Bewahrung der Unabhängigkeit.

Aber beide unterschätzten offensichtlich die nach wie vor in der Bevölkerung verbreitete Hoffnung auf einen Anschluss - und die Bedeutung, die das Land für Nazideutschland hatte. Der britische Historiker Ian Kershaw:

"Das Land erstreckt sich über strategisch bedeutsame Landstriche Mitteleuropas. Und seine Ressourcen würden Deutschlands Wirtschaft zufallen, die unter dem starken Druck des Vierjahresplans stand, die Wiederaufrüstung in Fahrt zu bringen."

Innerhalb der deutschen Bevölkerung schlugen die zunächst vorherrschenden Kriegsängste angesichts des Einmarsches in Österreich schnell in Begeisterung um. Der Westen schwieg, und einzig zwei Staaten, die Sowjetunion und Mexiko, sandten Protestnoten. Die im Auftrag des Exilvorstands der SPD herausgegebenen Deutschland-Berichte fassten die Lage so zusammen:

"Als am Samstagabend im Radio der Empfang Hitlers in Österreich zu hören war, wandelte sich die Stimmung. Es trat eine fühlbare Entspannung ein. Nun gibt es doch keinen Krieg, nun kommen die Söhne wieder, nun ist Österreich bei Deutschland. Und die Nazis wieder obenauf. 'Er ist halt doch ein Kerl', dieser Hitler."

Dass er in erster Linie ein rassistisch-fanatischer Verbrecher war, erlebten nun namentlich die österreichischen Juden am eigenen Leib. Denn mit der Wehrmacht waren auch Himmler und Heydrich in Wien eingetroffen. In eben jenem Wien, in dem kurz darauf die eigentliche, unheilvolle Karriere des Adolf Eichmann als Organisator der "Endlösung" ihren Anfang nahm.

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