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StartseiteEine WeltNur nicht auf einen Partner festlegen25.04.2015

Ägyptisch-russische KooperationNur nicht auf einen Partner festlegen

Die Beziehungen zwischen Ägypten und Russland sind so gut wie lange nicht mehr. Einige Beobachter meinen, Wladimir Putin sei eine Art Vorbild für seinen ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi. Bei einem Besuch Putins wurde kürzlich ein milliardenschwerer Rüstungsdeal unterzeichnet. Aber das heißt nicht, dass Ägypten sich bei seinen Verbündeten festlegt.

Von Elisabeth Lehmann

Der russische Präsident Wladimir Putin (L) und der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi bei einem Treffen im Februar 2015. (Imago / Mikhail Klimentyev / TASS )
Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi begrüßt den russischen Präsidenten Wladimir Putin (L). (Imago / Mikhail Klimentyev / TASS )
Weiterführende Information

Putin in Ägypten - Eine Kalaschnikow und ein AKW
(Deutschlandfunk, Aktuell, 10.02.2015)

Ägypten - Rolle rückwärts Richtung Russland
(Deutschlandfunk, Eine Welt, 22.02.2014)

Für eine Außenpolitik mit Werten
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 26.08.2013)

Auch wenn die russische Nationalhymne durch das ägyptische Militärorchester, sagen wir, etwas frei interpretiert war – den Besuch von Vladimir Putin in Kairo Anfang Februar kann man insgesamt wohl als gelungen bezeichnen. Er hat den Weg zu einem milliardenschweren Rüstungsdeal geebnet, der Anfang März unterzeichnet wurde. Laut russischen Medien hat man den Ägyptern vor allem Luftabwehrsysteme und Kampfhubschrauber verkauft. Eine Summe von 3,5 Milliarden Dollar ist im Gespräch. Nur wer die bezahlen soll, ist noch unklar, sagt Stephan Roll von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Ägypten steht bekanntlich kurz vor dem Staatsbankrott. "Sicherlich ist auf ägyptischer Seite die Hoffnung groß, dass man dadurch nicht an eigene Reserven ran muss. Das ägyptische Militär hat mit Sicherheit Reserven im mehrstelligen Milliardenbereich. Also, wir reden hier von immensen Summen." 

Die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Ägypten ist nicht neu. Gamal Abdel Nasser holte sich bereits in den 60er Jahren Waffen und Expertise bei den sozialistischen Brüdern in der Sowjetunion. Etwa die Hälfte der Waffen im ägyptischen Militär stammen noch heute aus Russland, schätzt Raouf Saad, ehemaliger Botschafter in Moskau und heute Berater des ägyptischen Außenministers. "Sie sind ein sehr spezielles Produkt, das mit Wartung und Ausbildung verknüpft ist. Zudem hängt eine ganze Militärdoktrin daran. Je nach dem, ob man Waffen aus einem Land importiert, wie der Sowjetunion oder Russland, deren Doktrin auf der Massenmobilisierung von Streitkräften basiert, oder aus den USA, die Mobilität der Streitkräfte und leichtere Waffen bevorzugen."

Ägypten setzt auf beide Staaten. Nur hat die Kooperation mit Russland in den vergangenen Jahrzehnten eher im Schatten stattgefunden. Aber wie schon unter Nasser werden auch heute ägyptische Soldaten nach Russland geschickt, um sich in Sachen Kriegsführung und Abhärtung etwas abzuschauen. Schon in den 60er Jahren haben sie sich regelmäßig über die harten Bedingungen in der russischen Armee beschwert. Maher Hashem kann das gut nachvollziehen. 29 Jahre diente er im ägyptischen Militär, war in dieser Zeit viele Male in Russland. "Die Wetterbedingungen in Russland sind natürlich sehr hart. Raue Natur und eisige Temperaturen. Wir haben ja eher einen pharaonischen Hintergrund und können daher Hitze besser ertragen. Aber das ist ein gutes Training."

Es ist keine gute Politik, Partner zu ersetzen

Hashem ist zwar mittlerweile aus dem Militär ausgeschieden, ist aber nach wie vor glühender Patriot. Er sieht auch noch andere Gründe, warum russische und ägyptische Militärs gerne zusammenarbeiten. Man habe in Sachen Kriegsführung die gleiche Strategie: "Das Konzept, das wir gelernt haben von den Russen und das wir an unsere Soldaten weitergeben, ist: Du trägst deine Waffe und das ist eine Ehre für dich. Dein Ziel ist nicht, deinen Feind zu töten, der letztendlich ein Mensch ist. Dein Ziel ist nur eines: Du schützt dein Land. Du versuchst das strategische Ziel des Landes zu realisieren, in dessen Dienst zu stehst." 

Hinter der neuen, ganz offenen Annäherung dürfte aber auch noch ein anderes Kalkül stehen. Ägypten hat sich nach dem Sturz von Präsident Mohammad Mursi im Juni 2013 mit den USA überworfen. Barack Obama fror die großzügige Militärhilfe von etwa 1,3 Milliarden Dollar pro Jahr zum Großteil ein. War Ägypten also quasi gezwungen, sich neue Partner zu suchen? Botschafter Saad widerspricht: "Nein, das würde dem Konzept einer interessengesteuerten Außenpolitik widersprechen. Das ist keine gute Politik, Partner zu ersetzen. Gute Politik ist, die Zahl deiner Partner zu erhöhen. Die Antwort ist ziemlich klar. Wenn wir unsere militärische Zusammenarbeit mit Russland intensivieren, dann verhandeln wir zur gleichen Zeit mit den USA, damit sie die Militärhilfe für Ägypten fortsetzen."

Der Plan ist aufgegangen. Barack Obama hat die Militärhilfen wieder freigegeben, seit sich Ägypten im Jemen-Krieg engagiert. Obwohl Obama zuvor immer darauf gedrängt hatte, dass sich die Menschenrechtslage im Land erst bessern müsse. Bedingungen, die aus Russland nicht zu erwarten sind. "Das ist eine menschlich-kulturelle Beziehung, die sehr hilft, die Zusammenarbeit zu erleichtern. Und man kann Unterschiede ansprechen, aber mit positivem Unterton, nicht mit  diesen Bedingungen 'Mach das, ansonsten...'. Zuckerbrot und Peitsche funktioniert nicht mit Ägypten."

Bei aller Sympathie zwischen Russen und Ägyptern geht es bei dem Rüstungsdeal doch vor allem um eines, gibt Stephan Roll zu bedenken: "Das sind ganz klar Geschäfte. Die Russen verschenken keine Waffen. Das ist, glaube ich, wichtig zu verstehen."

Wobei, ein kleines Geschenk hatte Wladimir Putin seinem Amtskollegen dann doch mitgebracht. Eine Kalaschnikow, made in Russia.

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