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StartseiteCampus & Karriere"Kleine Fächer-Wochen" sollen Studiengänge stärken28.11.2019

Ägyptologie, Linguistik und Co"Kleine Fächer-Wochen" sollen Studiengänge stärken

Die Hochschulrektorenkonferenz und das Bundesbildungsministerium fördern im Rahmen der "Kleine Fächer-Wochen" 17 Projekte, die im Wintersemester 2019/2020 Fächer wie Linguistik oder Ägyptologie präsentieren. Dass man auch bei diesen Fächern am Puls der Zeit bleiben muss, zeigt die Uni Mainz.

Von Anke Petermann

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Der Archäologe Michael Müller-Karpe. (dpa / Fredrik von Erichsen)
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz ist eine Kombination aus Forschungseinrichtung und Museum (dpa / Fredrik von Erichsen)
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"Was macht denn so ein Videospiel mit unseren geliebten antiken Texten?", fragt Adrian Weiß auf der improvisierten Bühne im Mainzer Museum für Antike Schifffahrt. Im Hintergrund flimmern über eine Leinwand Bilder aus dem Videospiel "Assassin’s Creed Odyssey", eine Entdeckungstour durchs alte Griechenland:

"Tatsächlich kann dieses Spiel die antike Welt vermitteln, weil es sie animiert und weiter rezipiert, und wir können da den antiken Alltag zumindest simuliert wahrnehmen."

Adrian Weiß und Matthias Heinemann promovieren in Klassischer Philologie. Ob und wie ein Videospiel-Bestseller das öffentliche Bild von der Antike verändert – auch das interessiert die Nachwuchsforscher. Der Spielehersteller seinerseits ist angewiesen auf die Expertise der Altertumswissenschaftler, weiß Heinemann:

"Was dieses Spiel macht ist zum Beispiel, Farbe reinzubringen. Wir haben immer dieses Bild der weißen Marmorstatuen. Das ist eben nicht, was es war. Die Statuen sind bunt, die Tempel sind bunt, es gibt viele Fresken an den Wänden. Das ist etwas, was dieses Spiel sehr gut portiert. Und ich glaube, das ist was, was es den Spielern auch wieder schmackhaft machen kann, da mal näher reinzuschauen."

Verschiedene Methoden im Ägyptologie-Studium

Alte Kulturen leben - das ist die Botschaft zum Auftakt der "Kleinen-Fächer-Wochen" an der Uni Mainz: Wer diese Kulturen erforscht und damit beruflich erfolgreich sein will, muss am Puls der Zeit bleiben und in die Moderne, aber auch in die Nachbarfächer schauen. Auch das ist Teil der Altertums- und Geschichtswissenschaften.

Wer sich auf der Suche nach dem richtigen Studiengang nicht entscheiden kann zwischen der Neigung zur Kunst, Sprache und Geschichte, ist in der Ägyptologie gut aufgehoben, denn sie bietet eine breite Palette an Zugängen, so die Mainzer Professorin Ursula Verhoeven-van-Elsbergen:

"Die Linguistik, also die Sprachwissenschaft, die Archäologie, die Kulturwissenschaft, auch die Religionswissenschaft. Und unsere Studierenden riechen in diese verschiedenen Bereiche auch hinein. So, dass sie eine recht breite Methodenkenntnis im Lauf des Studiums entwickeln können."

Mögliche Berufsfelder nach dem Studium

Außerdem:

"Durchhaltevermögen. Man lernt in der Ägyptologie zu kommunizieren, im Team zu arbeiten. Und das sind Kompetenzen, die man in vielen Berufsfeldern verwenden kann und eben auch im Wissenschaftsmanagement", ergänzt Sandra Sandri. Lange war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Mainz, jetzt arbeitet die promovierte Ägyptologin als Referentin des Vizepräsidenten für Studium und Lehre im Wissenschaftsmanagement:

"Was wir in den Altertumswissenschaften lernen sind 2,6 Millionen Jahre Menschheitsgeschichte", sagt die Archäologie-Professorin Alexandra Busch, Generaldirektorin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums RGZM. Unter anderem erforscht ihr Team Migration und Resilienz, also den menschliche Umgang mit Krisen, gemeinsam mit Gesellschafts- und Lebenswissenschaftlern der Uni Mainz:

"Das Römisch-Germanische Museum ist ja ein Leibniz-Forschungsinstitut. Das heißt, wir sind eine Kombination aus Forschungseinrichtung und Museum. Das hat mich besonders interessiert, weil ich nach meiner Doktorarbeit beides getan habe: Ich habe ein neues Museum mitgestaltet in Xanten und bei einer Forschungseinrichtung, dem Deutschen Archäologischen Institut, gearbeitet."

Jetzt verantwortet Busch auch den Umzug des RGZM innerhalb von Mainz. Ein Nachwuchswissenschaftler im Publikum hat den Vorträgen über Forschungsgebiete und Karrieren aufmerksam zugehört:

"Es ist nicht so einfach, gerade mit Latein- oder auch Griechisch-Studium ist man eher eingeschränkt. Da geht es oft Richtung Lehramt. Und wenn Alternativen da sind, ist das für alle Beteiligten interessant, weil man sich alle Optionen offen halten möchte."

So nach dem Motto: "man könnte auch Generaldirektor eines guten Museums werden"?

"Wenn man es bis dahin schafft, warum nicht, aber das ist mit Sicherheit ein weiter Weg", so der Absolvent der Klassischen Philologie, der seinen Namen nicht nennt.

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