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StartseiteMarkt und MedienÄlteste Zeitung Deutschlands wird 30030.04.2005

Älteste Zeitung Deutschlands wird 300

Die Hildesheimer Allgemeinen Zeitung feiert Jubiläum

300 Jahre wird die <papaya:link href="http://www.haz.hildesheim.com/" text="Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" title="Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" target="_blank" /> zwar erst Ende Juni, aber aus Termingründen fand die Jubiläumsfeier der ältesten deutschen Tageszeitung schon jetzt statt. Das Fest bot eine Zeitreise durch 300 Jahre Zeitungsgeschichte mit einem Ausblick in die Zukunft: Zeitung wird es auch in 50 Jahren noch geben und besonders die Tageszeitung, so die einhellige Prognose der Festredner.

Von Wolfgang Noelke

Seit 300 Jahren am Kiosk Ihres Vertrauens, die Hildesheimer Allgemeine Zeitung (AP)
Seit 300 Jahren am Kiosk Ihres Vertrauens, die Hildesheimer Allgemeine Zeitung (AP)
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Hildesheimer Allgemeinen Zeitung

"So, Herr Hartmann ist da können wir anfangen? Schönen Guten Tag zusammen! Gibt es etwas Allgemeines vorweg? Ich habe hier ein "Brett" mitgebracht, im wahrsten Sinne des Wortes: das ist die Jubiläumsausgabe, 300 Jahre HAZ, 112 Seiten(wirft die Zeitung auf den Tisch), dass wollte ich Ihnen nur mal zeigen! Das klingt gut"

und passt in keinen Briefkasten. Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung feiert nicht nur 300ten Geburtstag, sondern wird seit fast 200 Jahren von der selben Verlegerfamilie herausgegeben – In inzwischen siebter Generation von Daniel Gerstenberg:

"Gegründet wurde die Zeitung von Johann Christian Hermitz, der das Blatt 1705 in Umlauf brachte und übernommen hat das dann unsere Familie im Jahr 1807. Meine Vorfahren Johann Daniel Gerstenberg, der eigentlich Buchhändlern und Musikverleger war, der sich in Sankt Petersburg aufgehalten hatte eine Zeit lang, kam dann eines Tages wieder zurück nach Hildesheim und meinte, dass eine Zeitung eine Ergänzung seiner übrigen publizistischen Tätigkeit wäre."

Eine weise Voraussicht, denn Zeitungen aus dieser Epoche – so bereits 100 Jahre zuvor der Hildesheimer "Relations Courier" veröffentlichten überregionale Meldungen und Verlautbarungen. Man war der Auffassung, dass sich das Regionale, die kleinen Geschichten in Stadt und Land sowieso schnell herumsprechen würden und deswegen hätte das Regionale in einer Zeitung nichts zu suchen. Aber es waren gerade die kleinen lokalen Geschichten, welche die Zeitungsauflage steigerten – von wenigen zehn auf einige hundert Exemplare allerdings – zu damaliger Zeit eine beachtenswerte Auflage, zumal es üblich war, dass sich Bürger in Lesekreisen versammelten, um aus Büchern und aus der Zeitung vorzulesen – annähernd vergleichbar mit gemeinsamen Rundfunk- und Fernsehabenden in späteren Zeiten, als diese Medien neu waren und nicht jeder sich ein Gerät leisten konnte.

Erst langsam veränderte sich die Lesekultur, das steigerte die Auflage erneut auf heute mehr als 46tausend Exemplare und nach 300 Jahren blickt Daniel Gerstenberg auf ungefähr 68tausend Erscheinungstage zurück, die nur die Nazis unterbrachen:

"Das war eine sehr dunkle Stunde für die Zeitung. 1943 ist die Hildesheimer Allgemeine Zeitung von den Machthabern eingestellt worden. Dann gab es die letzten zwei Kriegsjahre hier nur die Parteizeitung. Wieder erschienen ist sie dann erst 1949, nach dem die Siegermächte die Lizenz erteilt hatten."

Mit der Lizenz zum Drucken – der Lizenz zu Veröffentlichen schuf man vor 300 Jahren bereits unbewusst die Basis der Demokratie – Die protestantischen Hildesheimer Ratsherren wollten vor 300 Jahren damit nur die Verlautbarungs-Macht der katholischen Domherren brechen. Und genau wie vor 300 Jahren versuchen die Mächtigen auch heute noch vergeblich die Kontrolle über das zu behalten, was veröffentlicht wird. Trotz – oder gerade wegen der Beliebigkeit einiger elektronischer Medien: Nirgendwo sei man der journalistischen Wahrhaftigkeit näher, als in einer Lokalredaktion, meint Dr. Hartmut Reichardt, Chefredakteur der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung:

" Man sieht die Leute über die man geschrieben hat morgen wieder, wenn das was man geschrieben hat in der Zeitung steht. Das heißt, man muss denen in die Augen gucken können. Man muss aber trotzdem die Distanz bewahren als Journalist, dass man etwas schreibt über das, was da passiert ist gerade, ohne Rücksicht auf die Person. Diese Spannung hinzutreten, diese publizistische Spannung, im Ort über den Ort aus der Kombination zwischen näher und Distanz zu schreiben, das ist eigentlich der Kernpunkt im Lokaljournalismus. Das muss man mögen! Wer gerne über George Bush schreibt, das interessiert den gar nicht! Der wird auch nie in die Gelegenheit kommen, dass der amerikanische Präsident sagt: "Kollege, dass das Inter geschrieben haben, das finde ich überhaupt nicht gut." Und das ist hier jeden Tag gang und gäbe."

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