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StartseiteVerbrauchertippDeutsche Post-Kunden müssen auf Paketversand umsteigen21.03.2019

Änderungen bei internationalen WarensendungenDeutsche Post-Kunden müssen auf Paketversand umsteigen

In internationalen Briefsendungen dürfen keine Waren mehr verschickt werden – nur noch Dokumente. So steht es in den neuen Versandbedingungen der Deutschen Post, die seit Januar gelten. Verbraucher müssen auf den teureren Paketversand umsteigen und sollten alternative Anbieter prüfen.

Von Katja Scherer

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Eine Frau wirft Briefe in einen Briefkasten ein. (picture alliance / Frank May)
Beim Briefverkehr eine Monopolstellung - manchmal zum Nachteil der Kunden: Deutsche Post (picture alliance / Frank May)
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Ein Brief mit Kartenspielen oder Buntstiften in Länder wie Honduras zu versenden, das kostete bis Ende vergangenen Jahres per Großbrief international noch 3,70 Euro. Inzwischen müssen Postkunden dafür mindestens 16 Euro bezahlen – eine Steigerung von rund 400 Prozent. Iwona Husemann, die bei der Verbraucherzentrale NRW das Portal Postärger betreut, bekommt daher immer wieder E-Mails von erzürnten Postkunden.

"Da war tatsächlich einer der Schwerpunkte: Sammler, also Leute die Briefmarken austauschen, Bildersammlungen, Postkarten, das sind ja ganz klassische Warensendungen. Oder eben Verbraucher, die kleine Geschenke verschicken wollen weltweit, an ihre Patenkinder zum Beispiel."

Internationaler Warenbrief nur für Geschäftskunden

Grund für den Ärger ist eine Änderung in den Versandbedingungen der Deutschen Post. Seit Anfang des Jahres dürfen Verbraucher in internationalen Briefsendungen keine Waren mehr verschicken – nur noch Dokumente. Wer sich nicht daran halte, laufe Gefahr, dass sein Brief nicht weiterbefördert werde, sagt Husemann.

Gleichzeitig mit dieser Neuerung hat die Post zwar ein neues Produkt, den sogenannten Warenbrief international eingeführt, der wiederum nur für Waren gedacht ist. Marken für diese Warensendungen dürfen sich aber nur Geschäftskunden ausdrucken – nicht Privatkunden. Und Husemann rät Verbrauchern davon ab, dieses Verbot zu umgehen:

"Zum Einen wäre es ja so, dass man schon bei dieser Vertragsanbahnung falsche Angaben macht, was nicht wirklich ratsam ist. Und zum anderen kann das auch tatsächlich steuerrechtliche Konsequenzen haben, weil wenn man ein Gewerbe betreibt, egal wie klein, dann muss man das eben beim Finanzamt angeben."

Post darf Produkte und Preise frei gestalten

Geschäftskunden, die den Warenbrief international nutzen wollen, müssen mindestens fünf Sendungen pro Quartal auf diese Weise verschicken. Warum die neuen Versandregeln eingeführt wurden, dazu will sich die Deutsche Post nicht äußern. Auf ihrer Internetseite beruft sie sich auf neue Regeln des Weltpostvereins. Die gebe es zwar tatsächlich, sagt Verbraucherschützerin Iwona Husemann.

Allerdings schreibe der Weltpostverein lediglich vor, Waren und Briefe künftig getrennt zu versenden. Theoretisch hätte die Deutsche Post also auch Privatkunden nun reine Warensendungen anbieten können – so wie sie es bei Gewerbekunden macht. Warum sich die Post dagegen entschieden hat, darüber kann auch Husemann nur spekulieren.

"Das hat die Deutsche Post bisher ja auch nicht kommentiert. Sie bietet ja aber diese Warensendung weiterhin gewerblich und auch ab einer relativ niedrigen Schwelle, bei fünf Sendungen pro Quartal, das scheint also nicht rein preisgetrieben zu sein."

Die Bundesnetzagentur hat sich bereits eingeschaltet und die Änderungen bei der Deutschen Post geprüft. Man habe aber wenig Handhabe dagegen vorzugehen, sagt Sprecherin Ulrike Patz.

"Weil eben das gesetzliche Mindestangebot an Postdienstleistungen auch nach dieser Produktänderung verfügbar ist."

Und über dieses gesetzliche Mindestangebot hinaus sei die Deutsche Post frei darin, wie sie ihre Produkte und Preise gestalte. Patz‘ Fazit:

"Das ist ein Ärgernis, aber es ist nicht ungesetzlich, was die Post macht."

Preise ab 16 Euro

Immerhin: Weil es an der Änderung so viel Kritik gab, hat die Post inzwischen freiwillig nachgebessert. Seit März können Privatkunden nun zumindest EU-weit die Warenpost nutzen, wenn auch ohne Sendungsverfolgung. Dafür müssen sie ebenfalls mindestens fünf Sendungen pro Quartal verschicken. Verbrauchern, die ins internationale Ausland versenden wollen, bleibt dagegen aktuell nichts anderes übrig als auf den Paketversand umzusteigen – zu dann deutlich höheren Preisen ab 16 Euro. Verbraucherschützerin Husemann empfiehlt, verschiedene Anbieter zu vergleichen.

"Letztendlich macht es am meisten Sinn, sich die großen Anbieter anzuschauen, die in erreichbarer Nähe sind, nicht jeder hat ja jeden Paketshop vor Ort, und dann zu vergleichen, wie ist die Leistung, wie ist die Laufzeit, wie ist die Versicherung."

Ob die Post auch beim internationalen Briefversand noch einmal nachbessert? Zumindest sei man noch in Zitat: "internen Diskussionen zum Thema" heißt es dort.  

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