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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas wahre Problem sind die Autos05.08.2019

Ärger um E-TretrollerDas wahre Problem sind die Autos

Die Diskussion um die elektrischen Tretroller verdeutliche nur den Kampf um den Platz in den Städten, meint Dieter Nürnberger. Der resultiere aus jahzehntelanger Fehlplanung, die ganz auf den Autoverkehr ausgerichtet gewesen sei. Das müsse sich ändern.

Von Dieter Nürnberger

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Nicht überall werden die elektronischen Tretroller so ordentlich abgestellt wie hier vor dem Brandenburger Tor.  (picture alliance / Wolfgang Kumm / dpa)
E-Tretroller vor dem Brandenburger Tor in Berlin (picture alliance / Wolfgang Kumm / dpa)
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Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin schon Elektrotretroller gefahren, ich bin schnell von A nach B gekommen und es hat Spaß gemacht.

Weshalb ich die gegenwärtige, fast schon hysterische Diskussion über Sinn oder Unsinn dieser neuen Art der Elektromobilität kaum noch nachvollziehen kann. Da werden - vor allem in der Boulevardpresse - regelrechte Horrorszenarien skizziert. Da werden Hirnchirurgen herangeholt, die ein Verbot fordern, weil der Sturz vom Roller so viel gefährlicher sei als der vom Fahrrad. Und die stets geplagte Autolobby stöhnt ohnehin auf, weil es schon wieder enger wird in den Städten.

Abkehr von der autogerechten Stadt

Klar gesagt: Die Elektrotretroller sind nicht das Problem auf Deutschlands Straßen und Fahrradwegen. Es geht darum, dass mittel- und langfristig eine andere Mobilität her muss - vor allem in den Städten. Aus Klimaschutzgründen ohnehin, denn im Verkehrssektor sind die Schadstoffemissionen bislang nicht zurückgegangen. Und auch aus Gründen einer lebenswerten Stadt, in der man sich gerne aufhält. Die Konsequenzen sind klar: Der private und fossilbetriebene PKW-Verkehr muss Platz abgeben, zugunsten von Fußgängern und Radfahrern und eben auch zugunsten der Nutzer von Elektrotretrollern.

In vielen Metropolen wird längst über diesen Umbau nachgedacht. Es ist die Abkehr von den Sünden der Vergangenheit, der autogerechten Stadt.

Das ist allerdings kein Prozess, der schnell gelingt. Und anhand der Tretroller wird der gegenwärtige Verteilungskampf um die Verkehrsflächen mehr als deutlich. Da beschweren sich Fußgänger zu Recht über regelbrechende Tretrollerfahrer. Gleichzeitig behindern von Autos zugeparkte Radwege die Rad- und Rollerfahrer usw.

Versäumnisse der Politik

Als die Politik im Juni die Tretroller per Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung  offiziell zuließ, wurde zum einen richtig gehandelt. Denn natürlich haben die umweltfreundlichen Roller ihre Daseinsberechtigung. Andererseits wurde versäumt, diesen Verkehr von vornherein in ein Gesamtkonzept einzubinden.

Dieses "es wird schon irgendwie klappen" rächt sich nun. Mehr Kontrollen durch Ordnungsämter und Polizei sind notwendig, allerdings gilt dies für alle Verkehrsträger, vor allem auch für den immer noch dominierenden und deutlich gefährlicheren Autoverkehr.           

Und die Stadtplaner müssen jetzt schneller ihre Ideen für die Mobilität von morgen umsetzen. Es müssen beispielsweise ausgewiesene  Abstellmöglichkeiten für die Tretroller her. Dafür kann durchaus auch mal ein Parkstreifen an einer größeren Straße dichtgemacht werden.

Das Problem des Verkehrs in den Städten sind nicht die Elektrotretroller, es ist der Autoverkehr, dessen Zurückdrängung leider viel zu spät angegangen wurde. 

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