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StartseiteWirtschaft und GesellschaftGesetzliche Krankenkassen wollen ärztliche Versorgung verbessern 27.02.2014

ÄrztemangelGesetzliche Krankenkassen wollen ärztliche Versorgung verbessern

An die 2.600 Hausärzte sollen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung in Deutschland fehlen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen legte jetzt Vorschläge zur Abhilfe vor. So soll unter anderem die Rolle der Hausärzte gegenüber den Fachmedizinern gestärkt werden.

Von Johannes Kulms

Ein Arzt für Allgemeinmedizin misst einem älteren Patienten in Stuttgart manuell den Blutdruck. (AP)
Vor allem auf dem Land gibt es ärztliche Versorgungslücken. (AP)
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Weiterführende Information

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"Du Spritze, Arm frei!" (Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 11.11.2013)

Die Diskussion über Ärztemangel sei eine Sau, die bereits seit Jahren durchs Dorf getrieben werde, entgegnet darauf der Obmann des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Harald Terpe. Es gebe nicht zu wenig Ärzte, sondern stattdessen eine ungleiche Verteilung, so der Grünen-Politiker.

Dieser Einschätzung schließt sich auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen an:

"Dabei ist es unsinnig, wenn man viele Möglichkeiten der Niederlassung in der Stadt offenhält, obwohl sie da gar nicht gebraucht werden."

Sagt Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des GKV-Vorstands.

Trotzdem sehen die Krankenkassen Handlungsbedarf. Bis 2020 werden rund 50.000 Ärzte in Rente gehen. Um Nachfolger zu finden, sei ein Richtungswechsel nötig, so der GKV-Spitzenverband.

"Wir glauben, dass wir bei der ärztlichen Versorgung im niedergelassenen Bereich wegkommen müssen vom Einzelkämpferdasein zu Kooperation. Weg von der Isolation zu Kooperation."

Dabei gibt es mit rund 144.000 Ärzten so viele Mediziner wie nie zuvor im ambulanten Bereich. Zum Vergleich: 1990 waren es noch etwa 92.000.

Allerdings sind die Praxen ungleich verteilt: Während die meisten Städte genügend Ärzte haben, gibt es in manchem Landstrich Versorgungslücken. Zum Beispiel im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern. Hier müsse mehr getan werden, um junge Mediziner anzulocken, sagen die Krankenkassen. Denn denen sei die Work-Life-Balance immer wichtiger. Kein Wunder, dass sich immer mehr Ärzte für ein Angestelltenverhältnis entscheiden.

Von diesen Anstellungsmöglichkeiten müssen es mehr geben, so der GKV-Spitzenverband. Auch sollten mehr Haus- und Fachärzte in Praxisgemeinschaften arbeiten.

"So ist es nicht nur aus Sicht des Patienten, sondern einfach aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Kooperationsform der Ärzte dringend gefordert."

Der GKV-Spitzenverband will aber auch insgesamt die Rolle der Hausärzte gegenüber den Fachmedizinern stärken. Die Zahl der Fachärzte ist in den letzten Jahren gestiegen, der Anteil der Allgemeinmediziner gesunken. Der Hausärztemangel von morgen sei hierdurch bereits heute vorgezeichnet, so die Krankenkassen.

Kritik an den GKV-Vorschlägen kommt von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Zwar seien mehr Praxisgemeinschaften keine schlechte Idee. Einen Praxissitz aus einem gut versorgten Gebiet aber einfach so abzuziehen, bringe aber nichts, so KV-Sprecher Roland Stahl gegenüber dem Deutschlandfunk:

"Ich halte das für schieren Populismus, was hier heute der Spitzenverband der GKV kundgetan hat. Also, hier in Berlin, die Ärzte versorgen hier viele Patienten aus dem Umland, aus Brandenburg. Wenn man hier die Praxen schließt, dann hat man das Problem noch vergrößert: Dann gibt es zu wenig Praxen in der Stadt und erst Recht auf dem Land."

Die Ärztekammer sieht derweil schwere Versäumnisse bei den Kassen selber. Durch eine "Überbetonung von Wettbewerb und Verbürokratisierung tragen sie maßgeblich Verantwortung dafür, dass die Attraktivität des Arztberufes dramatisch gesunken ist", so Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Dies gelte gerade bei jungen Leuten auf dem Land.

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