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StartseiteEine Welt"Ein Reformtempo, das niemand vermutet hätte"14.07.2018

Äthiopiens neuer Premier Abiy Ahmed"Ein Reformtempo, das niemand vermutet hätte"

Frieden mit Eritrea, Wirtschaftsreformen, Durchsetzung demokratischer Standards - unter dem neuen Premier Abiy Ahmed erlebt Äthiopien seit April eine Zeitenwende. Er lege ein beachtliches Tempo vor, sagte Ostafrika-Korrespondentin Linda Staude im Dlf.

Linda Staude im Gespräch mit Britta Fecke

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Äthiopiens im April vereidigter Premierminister mit knallgrünem T-Shirt, Sonnenbrille und Hut in der Hand vor der Menschenmenge am 23. Juni 2018 in Addis Abeba (AFP / Habtab Gebru)
Mit Abiy Ahmed in eine bessere Zukunft? Viele setzen große Hoffnungen auf Äthiopiens neuen Premierminister. (AFP / Habtab Gebru)
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Jubel auf den Straßen in den Hauptstädten Äthiopiens und Eritreas: Die Stimmung sei sehr, sehr herzlich gewesen, als Eritreas Präsident Isaias Afwerki an diesem Wochenende in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eintraf, um die eritreische Botschaft wieder zu eröffnen, erklärte Ostafrika-Korrespondentin Linda Staude.

Afwerki erwiderte damit den Eritrea-Besuch des neuen äthiopischen Premiers Abiy Ahmed von vergangenem Wochenende. Nach Jahrzehnten des Kriegs und der Feindschaft hat Äthiopiens neuer Premier eine Zeitenwende herbeigeführt. Anfang Juli unterzeichneten Äthiopien und das 1991 abgespaltene Eritrea einen Friedens- und Freundschaftsvertrag. Damit hätte vor vier Monaten noch niemand gerechnet. Das hat auch praktische Auswirkungen: Es gibt wieder Telefonverbindungen zwischen beiden Ländern, Flugverbindungen sind geplant.

Wer ist der neue Mann, der das Land umkrempelt?

Doch wer ist der 41-jährige ehemalige Grenzsoldat Abiy Ahmed, der nach vielen Jahren nun einen internationalen Schiedsspruch über die Grenzziehung zum Nachbarn anerkannt und einen Truppenabzug angeordnet hat?

Fans tragen am 26. Juni 2018 in Washington D.C. T-Shirts mit Porträts des im April vereidigten äthiopischen Premierministers Abiy Ahmed. Zu dieser Zeit laufen in Addis Abeba die Friedensgespräche zwischen Äthiopien und Eritrea. (AFP / Brendan Smialowski)Während in Addis Abeba die Friedensgespräche laufen, tragen Fans in Washington D.C. T-Shirts mit Abiy-Ahmed-Porträts (AFP / Brendan Smialowski)

Ein wichtiges Symbol sei, "dass er einer anderen Volksgruppe angehört" als die viel kritisierten bisherigen Staatslenker, sagte Linda Staude, nämlich den Orona, die sich bislang marginalisiert gefühlt hätten. "Das ist schon eine Sensation gewesen."

Abiy Ahmed setzt dringend nötige Wirtschaftsreformen um, unter anderem die Privatisierung von Staatsbetrieben, um mehr Arbeitsplätze in dem 100-Millionen-Einwohner-Land zu schaffen. "Äthiopien hatte diese Reformen bitter nötig", sagte Staude. "Der neue Mann musste etwas tun. Er hat allerdings dabei ein Reformtempo vorgelegt, das niemand vermutet hätte und das eigentlich bis heute für Überraschung sorgt."

Und von wem droht ihm Gegenwind?

Der neue Premier müsste mit gewaltbereiten Gegnern seiner Reformen rechnen, sagte Ostafrika-Korrespondentin Staude. Im Juni hatte es einen Handgranaten-Anschlag auf eine Kundgebung in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gegeben.

Auch gebe es unbestätigte Gerüchte über Unruhen hinter den Kulissen, da Abiy Ahmed unter den alten Regierungsgarden aufzuräumen gedenke, sagte Linda Staude. Abiy Ahmeds Vorgänger im Amt Hailemariam Desalegn war nach langen und blutig niedergeschlagenen Protesten gegen die Regierung zurückgetreten.

Äthiopiens Premier Abiy Ahmed (l.) nimmt am 26. Juni 2018 Eritreas Außenminister Osman Saleh Mohammed (r.) zu Friedensgesprächen in Addis Abeba in Empfang (AFP / Yonas Tadesse)Äthiopiens Premier Abiy Ahmed (l.) nimmt Eritreas Außenminister Osman Saleh Mohammed (r.) zu Friedensgesprächen in Addis Abeba in Empfang (AFP / Yonas Tadesse)

Abiy Ahmed wolle aber vor allem die äthiopischen Volksgruppen miteinander versöhnen. Im Süden des Landes sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht vor Kämpfen rivalisierender Bevölkerungsgruppen. Hilfsorgansiationen warnen vor einer humanitären Krise.

Viele Menschen hätten nichts als ihr nacktes Überleben gerettet und müssten ohne Versorgung mit Essen und Wasser unter freiem Himmel übernachten, berichtet die Internationale Organisation für Migration der UN. Nach Angaben des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes geht es bei den Auseinandersetzungen um Landbesitz.

(may/AP/afp/dpa)

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