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StartseiteInterviewGauland weist Kritik an Höcke zurück23.10.2015

AfDGauland weist Kritik an Höcke zurück

Der stellvertretende AfD-Parteivorsitzende Alexander Gauland verteidigt den thüringischen Landeschef Björn Höcke gegen Kritik. Dieser habe manchmal Bilder, die sehr "national-romantisch" seien. Das könne einige Menschen stören, habe aber "überhaupt nichts mit der braunen Vergangenheit zu tun", sagte Gauland im DLF.

Alexander Gauland im Gespräch mit Thielko Grieß

Der AfD-Politiker Alexander Gauland. (Imago / IPON)
Gauland: Es gab nie ein Amtsenthebungsverfahren gegen Höcke (Imago / IPON)
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Die AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen waren in einer E-Mail an die Parteimitglieder auf Distanz zu Höcke gegangen und hatten dessen Auftreten kritisiert. Gauland betonte, mit dem Schreiben sei Höcke nicht in die Schranken gewiesen worden, sondern Petry habe lediglich eine innerparteiliche Diskussion darüber anstoßen wollen, wie man Wähler am besten anspreche.

Der Vorsitzende der AfD in Brandenburg sagte weiter: "Björn Höcke hat manche Bilder, die sehr national-romantisch sind, die man im 19. Jahrhundert gefunden hat, und das mag einige Leute stören, aber das hat überhaupt nichts mit der braunen Vergangenheit zu tun." Von daher sehe er nicht, warum man Höcke Vorwürfe machen müsse.

Während seines Auftritts in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" habe Höcke nichts gesagt, was dem Programm der AfD widerspreche, sagte Gauland weiter. Aber er sei trotzdem nicht ganz glücklich, wie sich sein Parteikollege dort verhalten habe. Mit dem Herausziehen der Deutschlandfahne habe Höcke die Grenzen des guten Geschmacks überschritten.


Das Interview in voller Länge:

Thielko Grieß: Björn Höcke ist Landeschef der Alternative für Deutschland in Thüringen. Er sitzt seit gut einem Jahr im Landesparlament in Erfurt. Die AfD stellt eine Fraktion, er ist Fraktionschef. Björn Höcke ist einer, der markig auftritt, zum Beispiel in Talkshows im Fernsehen am vergangenen Sonntag bei Günther Jauch, der mittwochs seit einiger Zeit zu Demonstrationen in Erfurt lädt, dort gegen die Asylpolitik der Großen Koalition wettert, der sich gelegentlich auch auf Luther beruft, eine vieltausendjährige europäische Geschichte beschwört, die er in Gefahr sieht, und zum Beispiel so klingt:

O-Ton Björn Höcke: "Der Syrer, der zu uns kommt, der hat noch sein Syrien. Der Afghane, der zu uns kommt, der hat noch sein Afghanistan. Und der Senegalese, der zu uns kommt, der hat noch seinen Senegal. Wenn wir unser Deutschland verloren haben, dann haben wir keine Heimat mehr!"

Grieß: Die Bundesvorsitzende der AfD, Frauke Petry, hat nun versucht, in einer Mail und in einem Gespräch Björn Höcke ein wenig in die Schranken zu weisen. Sein Stil und seine Wortwahl seien nicht geeignet, die AfD weiter als eine seriöse Partei ohne extremistische Neigungen erscheinen zu lassen. Am Telefon begrüße ich den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und den Brandenburger Landeschef, Alexander Gauland. Guten Morgen, Herr Gauland.

Alexander Gauland: Ja, guten Morgen.

Grieß: Ist Björn Höcke der beste Rhetoriker der AfD?

Gauland: Das weiß ich nicht. Das müssen diejenigen beurteilen, die auf solchen Kundgebungen sind.

Grieß: Aber Sie waren ja auch schon mal da?

Gauland: Ja. Ich glaube, er ist ein sehr guter Rhetoriker. Aber ich will nicht behaupten, dass er der Beste ist. Wir haben viele gute Redner.

Grieß: Macht er Dinge falsch in seiner Rhetorik? Überspitzt er zu sehr? Rückt er die AfD zu sehr in die rechte Ecke, zu sehr an die NPD heran?

Gauland: Das sehe ich nicht. Jeder von uns spricht anders, tritt anders auf, hat andere Bilder. Björn Höcke hat manche Bilder, die sehr national-romantisch sind, die man im 19. Jahrhundert gefunden hat, und das mag einige Leute stören. Aber das hat überhaupt nichts mit der braunen Vergangenheit zu tun und von daher kann ich nicht finden, dass wir ihm da irgendwelche Vorwürfe machen müssten.

"Ich glaube nicht, dass Frauke Petry ihn in die Schranken gewiesen hat"

Grieß: Das Beschwören der tausendjährigen deutschen Geschichte, der mehrtausendjährigen europäischen Geschichte, das ist ein Stil, den manche stört, sagen Sie. Stört Sie das auch persönlich?

Gauland: Ich habe in Halle auch von dem über tausendjährigen Halle gesprochen. Ich benutze das Wort selten, aber das kann man mal benutzen, hat aber auch nichts mit dem Tausendjährigen Reich zu tun, auf das Sie hier ansprechen wollen.

Grieß: Das weiß ich noch gar nicht, ob ich darauf ansprechen wollte. Ich habe mich zunächst einmal an Ihre Formulierung angelehnt. Nun hat Björn Höcke ja eine Mail bekommen von der Bundeschefin Frauke Petry und es ist wohl auch mit ihm telefoniert worden. Warum muss man ihn denn dann überhaupt sozusagen in die Schranken weisen?

Gauland: Ich glaube nicht, dass Frauke Petry ihn in die Schranken gewiesen hat, sondern ich glaube, dass sie eine Diskussion innerparteilich eröffnet hat, die allerdings sofort nach draußen gedrungen ist. So ist das heutzutage. Und eine innerparteiliche Diskussion darüber, wie sich jemand ausdrückt und welche Menschen wir ansprechen wollen, das ist bestimmt richtig und gut. Ich hätte mir gewünscht, dass es innerparteilich geblieben wäre und nicht jetzt ein Thema der Medien ist.

Grieß: Es ist berichtet worden darüber, dass es heute, am Freitag, noch einen Beschluss geben soll in der AfD, der Alleingänge wie die von Björn Höcke künftig verhindern soll. Stimmt das?

Gauland: Nein, das stimmt nicht. Ich kenne die Tagesordnung und da wird das Thema zwar angesprochen. Aber was heißt Alleingänge verhindern? Wir alle sind ununterbrochen unterwegs in der Republik und reden, ohne dass es irgendwelche Beschlüsse vorher gibt, und das wird auch weiter so bleiben.

Grieß: Alleingang könnte man das nennen nach Art der Wortwahl und des Stils, was Björn Höcke am vergangenen Sonntag bei Günther Jauch gezeigt hat.

Gauland: Ob man das Alleingang nennen kann, weiß ich nicht. Aber ich bin auch mit einigem nicht ganz glücklich, wie er sich bei Günther Jauch aufgeführt hat. Aber auch das ist ein Problem, das wahrscheinlich jeder von uns individuell anders löst. Er hat bei Günther Jauch nichts gesagt, was jenseits des Programms oder der Vorstellungen der AfD liegen würde, aber er hat, sagen wir mal vorsichtig, mit einigen Dingen wie dem Rausziehen der Deutschlandfahne meiner Ansicht nach eine Grenze des guten Geschmacks überschritten und das hätte ich nicht gemacht. Aber das hat immer noch nichts mit den Inhalten zu tun, die alle richtig und korrekt waren im Sinne der AfD.

Grieß: Es gab mal den Beginn eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Björn Höcke. Was ist daraus geworden?

Gauland: Es gab nie ein Amtsenthebungsverfahren. Ja, es gab mal einen Beschluss. Der sollte durchgedrückt werden. Aber das war noch in der Zeit vor dem Essener Parteitag, dass er bestimmte Aufgaben nicht mehr wahrnehmen sollte. Das haben wir eingestellt nach dem Essener Parteitag.

"Solche Demonstrationen sind wichtig"

Grieß: Herr Gauland, Pegida demonstriert montags in Dresden. Björn Höcke lässt demonstrieren mittwochs in Erfurt. Für Sie in Potsdam wäre zum Beispiel noch der Dienstag frei.

Gauland: Ich halte nichts von solchen Demonstrationen an irgendeinem Tag. Wir werden in Cottbus demonstrieren am 4. 11. oder 2. 11., weiß ich im Moment gar nicht. Ich bin im Moment weit weg. Aber auch wir werden in Brandenburg demonstrieren. Wir hatten schon eine, wenn auch kleinere Demonstration vor dem Landtag. Ja, solche Demonstrationen sind wichtig, richtig, und das macht Björn Höcke auch richtig, denn wir können und wollen nicht vor Asylbewerberheimen demonstrieren, aber wir müssen ganz deutlich machen, dass diese Asylpolitik völlig falsch ist, und wir müssen die Regierenden angreifen, denn dazu sind wir von unseren Wählern verpflichtet.

Grieß: Deutschland braucht eine Obergrenze bei Asylverfahren?

Gauland: Das haben wir ja ganz deutlich gesagt. Das Asylrecht ist nur in Deutschland ein individuelles subjektives Recht. Das wird sich nicht mehr halten lassen. In allen Ländern der Welt ist das anders. Nirgendwo gibt es ein solches subjektives Recht und wir müssen zurück zu diesen völkerrechtlichen Regeln, die in Australien, den USA, Großbritannien, Frankreich gelten, und von daher glaube ich, dass das in der Tat die langen Asylverfahren kürzen würde.

Grieß: Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland, Alexander Gauland. Ich bedanke mich für das Gespräch.

Gauland: Ja, danke. Auf Wiederhören!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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