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StartseiteKommentare und Themen der WocheUm Überparteilichkeit zu kontrollieren, braucht es keine Partei10.10.2018

AfD-Meldeportal gegen LehrerUm Überparteilichkeit zu kontrollieren, braucht es keine Partei

Die AfD Hamburg hat eine Meldeplattform eingerichtet, um kritische Äußerungen von Lehrern über die Partei zu sammeln. Das sei zur Wahrung der politischen Neutralität im Unterricht unnötig, kommentiert Sandra Pfister. Und es werde nicht im Sinne der Partei funktionieren.

Von Sandra Pfister

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Eine Grundschullehrerin schreibt am 15.06.2015 in Hamburg die ersten Buchstaben des Alphabets auf eine Schultafel in einem Klassenzimmer. (dpa / Axel Heimken)
Die AfD befürchtet politische Einflussnahme gegen sie im Klassenzimmer - und hat dagegen ein Meldeportal eingerichtet (dpa / Axel Heimken)
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Neutralitätspflicht in der Schule Meldeplattform für AfD-kritische Lehrer

Linke Lehrer aufgepasst: Ab sofort sitzt und hört die AfD unaufgefordert mit im Sozialkunde-Unterricht. Notiert wird akribisch, ob auch ja keine Einseitigkeit im Klassenraum aufkommt. Linke Einseitigkeit, wohlgemerkt. Lehrer sollen Kinder nicht mit ihren politischen Überzeugungen überwältigen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie zusehen müssen, wenn Kinder Demagogen auf den Leim gehen.

Vermutlich hat sich die AfD selbst nicht den größten Gefallen getan mit ihrer Idee, eine Beschwerdestelle zu gründen für Jugendliche, die Höllenqualen unter alten 68er-Pädagogen erleiden müssen. Im Osten werden ungute Erinnerungen an Zeiten wach, als ein falsches Wort im Unterricht einem Lehrer massive Probleme durch die Parteileitung bescheren konnte.

Der Staat und nicht eine Partei kontrolliert die Lehrer

Der Westen hat auch seine Erfahrungen damit gemacht, allzu linke Pädagogen davon abzuschrecken, partout Beamte des so kritisch gesehenen Staates werden zu wollen. Der Radikalenerlass sollte Schüler davor bewahren, sich Tiraden über ein angebliches "Schweinesystem" anhören zu müssen; vermutlich hat er einige Staatsdiener noch aufmüpfiger werden lassen.

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin agitiert statt unterrichtet, ist das ein Fall für die Schulleitung oder Schulaufsicht, aber nicht für den Ortsverband der AfD, der SPD, der CDU oder der Grünen. Die AfD in Hamburg, die sich innerhalb der Partei mit dem Pilotprojekt schmücken darf, empfiehlt auf ihrer Webseite auch, dass unzufriedene Eltern oder Schüler erst das Gespräch mit dem Lehrer oder der Schule suchen sollen. Für Schüchterne aber habe man da eine Idee, bei der man seinen Namen nicht nennen muss und einfach mal ordentlich Dampf ablassen kann.

Es braucht gute Schulaufsicht und Lehrer mit Rückgrat

Der AfD mag es nicht passen, dass die meisten Pädagogen von ihr bislang die Finger lassen: Akademiker und Beamte wählten bislang selten AfD. Deswegen braucht es aber keinen Überwachungsapparat, um angebliche rot-grün-schwarze Gehirnwäsche im Klassenzimmer zu unterbinden. Die AfD unterschätzt da die Abwehrmechanismen junger Leute gegen geistige Bevormundung. Und sie überschätzt das Potential linker Bartträger, heranwachsende AfD-Wähler zu veganen Grün-Aktivisten umzupolen. Womöglich überschätzt sie aber sogar auch den Wunsch vieler Lehrer, sich politisch zu positionieren.

Politischer Aktivismus gehört nicht ins Klassenzimmer. Aufgabe eines guten Lehrers oder einer Lehrerin ist es, Kinder und Jugendliche zu befähigen, sich ein eigenes Urteil zu bilden, und nicht, sich Denkschablonen vorsetzen zu lassen. Um das durchzusetzen, braucht es aber keine versteckten Kameras, Mikrofone oder virtuellen Kummerbriefkästen, sondern eine gute Schulaufsicht und Lehrer mit Rückgrat. Beides haben wir.  

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