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StartseiteDeutschland heuteSachsen wählt anders27.05.2019

AfD stärker als CDUSachsen wählt anders

Die AfD habe sich in Sachsen etabliert, nicht nur in den ländlichen Gebieten, erklärt Dlf-Korrespondent Bastian Brandau. Die Menschen wählten aus Überzeugung AfD, das rassistische Menschenbild werde von vielen Wählern mitgetragen. Das setzt vor allem die CDU unter Druck.

Bastian Brandau im Gespräch mit Claudia Hennen

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Aufsteller und ein Stand der AfD stehen auf einer Kundgebung zum 1. Mai auf dem Chemnitzer Marktplatz (dpa / Jan Woitas)
AfD etabliert sich in Sachsen zunehmend auch in den Städten - hier eine Kundgebung in Chemnitz vor der Europawahl (dpa / Jan Woitas)
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Mit mehr als 25 Prozent ist die AfD in Sachsen als stärkste Partei aus der Europawahl hervorgegangen und hat die CDU überflügelt. Elf Prozent haben die Christdemokraten im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl verloren, in ihrem Stammland, in dem sie seit 1990 den Ministerpräsidenten stellen. Bei den parallel abgehaltenen sächsischen Kommunalwahlen ist die CDU zwar noch die stärkste Kraft im Land, musste aber auch hier große Verluste einstecken.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer habe im Wahlkampf eine neue Strategie gegenüber der AfD gefahren, erläutert Bastian Brandau, Landeskorrespondent des Deutschlandfunks. Kretschmer sei im Wahlkampf omnipräsent gewesen, sei mehr gereist als sein Vorgänger, habe viele Gespräche geführt. 

Die Strategie der CDU ist gescheitert

Doch anders als etwa in Bayern, wo Markus Söder im Wahlkampf mit einer klaren Abgrenzung gegenüber der AfD erfolgreich gewesern sei, gebe es in Sachsen zwar eine verbale Abgrenzung, die aber nicht immer konsequent sei, erklärt Brandau. Man habe immer das Gefühl, es gebe ein Zuckerl in Richtung AfD. Dahinter, so Brandau, stecke die Strategie, Wähler wieder von den Rechtspopulisten zurückzuholen, doch diese Strategie sei völlig gescheitert.

Bei der Suche nach den Gründen, warum so viele Wähler in Sachsen zur AfD abwandern, würden immer wieder eine Reihe von Faktoren genannt: Die geringen Einkommen, das entsprechend geringe Rentenniveau, ein Gefühl des Abgehängtseins, und eine gewisse Service-Anspruchshaltung in Richtung der Politik nach dem Motto: "Wir wählen, ihr liefert."

Wähler tragen das rassistische Menschenbild mit

Grundsätzlich aber sei eine Stimme für die AfD längst keine reine Protestwahl mehr, so Brandau. Die AfD sei verankert in ländlichen Regionen, etabliere  sich aber auch zunehmend in den Städten, nicht nur bei der einkommensschwachen Bevölkerung. Die Menschen in Sachsen wählten aus Überzeugung AfD. Die Sachsen-AfD liege inzwischen voll auf dem Radikalisierungskurs nach dem Vorbild der Thüringen-AfD von Björn Höcke. Die AfD setze auf einfache Lösungen für die Probleme des Landes, etwa für die Menschen in der sächsischen Kohlebergbauregion, verbunden mit einem rassistischen Menschenbild, das von vielen Wählern mitgetragen werde.

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