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AfghanistanFriedensverhandlungen mit Taliban sollen beginnen

Afghanische Sicherheitsleute  stehen am Rand des Kraters einer Explosion (AFP / STR)
Zerstörung nach einem Anschlag der Taliban am 3. September 2019 (AFP / STR)

Am Samstag sollen in Afghanistan die Friedensverhandlungen zwischen der militant-islamistischen Taliban und der Regierung beginnen. Hoffnung auf echten Frieden gibt es nur wenig - US-Präsident Trump kündigt trotzdem an, zahlreiche Soldaten aus dem Land abzuziehen.

Ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban Ende Februar verpflichtete die Islamisten zur Aufnahme der Friedensverhandlungen. Streit über einen Gefangenentausch, der Vertrauen aufbauen sollte, hatte zu erheblichen Verzögerungen geführt. Den Gefangenenaustausch betrachten inzwischen beide Seiten als abgeschlossen. Insgesamt kamen knapp 5000 Taliban im Tausch gegen 1000 von den Rebellen festgehaltene Gefangene frei. Der Konflikt im Land ging aber unvermindert weiter, es gab zahlreiche Angriffe der Taliban auf afghanische Truppen.

Verhandlungsdelegationen beider Konfliktparteien bestätigten am Donnerstag ihre Teilnahme an dem Treffen in Katars Hauptstadt Doha. Das Regierungsteam sollte im Laufe des Freitags aus Kabul anreisen, die Taliban befinden sich bereits in Doha.

Aufrufe von USA und NATO, die Chance zu nutzen

Der amerikanische Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und weitere Diplomaten sind bereits seit einigen Tagen in Katar. Von afghanischer Seite werden zahlreiche hochrangige Gäste erwartet. Der Spitzenpolitiker und Vorsitzende des "Hohen Rats für Versöhnung", Abdullah Abdullah, will ebenfalls für den Auftakt anreisen.

Auch der amerikanische Außenminister Mike Pompeo wird als Gast in Doha erwartet. Er forderte von den Verhandlungsführern, "den Pragmatismus, die Zurückhaltung und die Flexibilität zu zeigen, die notwendig sind, um diesen Prozess zu einem Erfolg zu machen". NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb bei Twitter, dass alle Verhandlungsparteien diese historische Chance ergreifen sollten.

Trump will große Teile der US-Truppen abziehen

US-Präsident Donald Trump sagte, dass die Friedensverhandlungen "ein Ergebnis der mutigen diplomatischen Bemühungen meiner Regierung in den letzten Monaten und Jahren" seien.

Trump kündigte derweil einen Rückzug von Soldaten aus Afghanistan an. Die Zahl der amerikanischen Soldaten werde "in sehr kurzer Zeit" auf 4.000 reduziert werde. Zuletzt waren noch etwa 8.600 US-Soldaten dort. Trump sagte, seit Anfang Februar seien keine US-Soldaten in dem Land mehr getötet worden. "In Afghanistan werden große Fortschritte erzielt." Tatsächlich sind die Hoffnungen auf Frieden eher gering.

Wenig Hoffnung auf echten Frieden

In dem mit den USA ausgehandelten Abkommen verpflichteten sich die Taliban, die Gewalt zu reduzieren und ihre Verbindungen zur Terrorgruppe Al Kaida zu kappen. "Die Gewalt ist noch nicht so weit reduziert, wie wir es erwarten. Wir rufen die Taliban dazu auf, die Gewalt zu reduzieren und ernsthafte Gespräche mit der Regierung zu beginnen", sagte Stoltenberg kürzlich. "Außerdem müssen die Taliban all ihre Verbindungen mit Al-Kaida und anderen Terrororganisationen abbrechen."

Das sei aber nicht geschehen, urteilen Beobachter. Auch die Vereinten Nationen bemängeln, dass in dieser Hinsicht kein Vollzug festzustellen sei. Die Verbindung zu der Terrororganisation ist aber gerade für die USA entscheidend. Nachdem Al-Kaida die Anschläge in den USA am 11. September 2001 ausführte, war die Verbindung zu den damals regierenden Taliban der Kriegsgrund für die USA.

Diese Nachricht wurde am 12.09.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.