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StartseiteCorso"Man erlebt hautnah, was Flüchtlinge durchleben"13.09.2018

Afrika Film Festival Köln"Man erlebt hautnah, was Flüchtlinge durchleben"

Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit lebt in Afrika. Die meisten wollten nicht nach Europa, sagte Amin Farzanefar vom Afrika Film Festival Köln im Dlf. Von ihrem Schicksal und den Konflikten rund um die innerafrikanische Migration sei in Deutschland kaum die Rede, die diesjährige Filmauswahl zeige zum Teil Bilder, die es gar nicht geben dürfte.

Amin Farzanefar im Corsogespräch mit Thekla Jahn

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Amin Farzanefar im Brustbild schaut in die Kamera (Kerstin Janse)
Auf der Suche nach Filmen, die berühren: Kurator Amin Farzanefar vom Afrika Film Festival Köln (Kerstin Janse)
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Beim Afrika Film Festival Köln ist ein breites Spektrum an Dokumentationen, Kurz- und Spielfilmen zu sehen, die das Thema Migration aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

"68 Millionen Flüchtlinge gibt es weltweit und etwa die Hälfte bleibt in Afrika, in der Nähe ihrer Heimatländer und will eigentlich gar nicht nach Europa. Wir zeigen die Strukturen, die diese Migration mit sich bringt und die Wege, die die Menschen zurücklegen", sagte Amin Farzanefar, Programmkurator des Festivals, im Dlf.

"Bilder, die es so nicht geben darf"

Farzanefar hat mit seinen Kollegen allein 25 Filme zum Schwerpunktthema innerafrikanische Migration zusammengetragen. Darunter auch mehrere Filme über das Volk der Sahraouis in der Westsahara, über die selten berichtet wird. Den Zuschauer erwartet so einiges.

"Also erst einmal Bilder, die es so nicht geben darf, weil die Westsahara einer strikten Medienzensur unterliegt. Also da haben es die Anrainerstaaten - allen voran Marokko als Besatzer - nicht gerne, dass da ungefiltert Nachrichten nach außen gelangen."

Flüchtlingscamps als Dauereinrichtungen

Über 150.000 Sahraouis leben - mehr oder weniger von der Weltgemeinschaft vergessen - seit 40 Jahren in einem Zeltlager in der Nähe von Tindouf - 2000 Kilometer südlich von Algier. Doch auch wenn die Dimensionen groß erscheinen, es ist noch lange nicht das größte Camp in Afrika. Das liegt in Kenia. In Dadaab leben fast eine halbe Million Menschen in einem als Übergangslösung gedachten Flüchtlingscamp, das zur Dauereinrichtung wurde.

"Wir haben Menschen für die das Lager die Endstation ihrer Hoffnungen  auf weiterkommen bedeutet. Die dann da versanden im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist eine Existenz im Provisorium und der Film 'Warehoused' zeigt, wie sich so ein Lager von innen anfühlt", sagte Farzanefar.

Übergriffe auf Flüchtlinge weltweit

Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Übergriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte - das gibt es überall auf der Welt, auch in Afrika. In dem Film "Voetsek" beobachtet die südafrikanische Regisseurin Andy Spitz die Vorgänge in ihrem Heimatland. "Er zeigt, dass es regelmäßig zu Übergriffen gegen Flüchtlinge aus Simbabwe kommt, die in Lagern leben, die dann gerne Stereotypen, Klischees Vorurteile, Fremdbilder der südafrikanischen Mehrheitsgesellschaft auf sich ziehen - gerade aktuell kam es wieder zu Übergriffen."

So vielfältig der afrikanische Kontinent, so vielfältig ist auch die Herangehensweise der Filmemacher, deren Werke beim 16. Afrika Film Festival in Köln zu sehen sind.

Auch unterhaltsame und surreale Filme

"Wir reden von einem Kontinent mit 55 Ländern, und es gibt da unzählige Ästhetiken. Es gibt den klassischen Art House-Film, da gibt es aber auch sehr unterhaltsame Filme wie 'Hakkunde' des nigerianischen Filmemachers Amuwa Oluseyi Asurf, der dieses Migrationsthema sehr leicht mit einem Star erzählt und trotzdem die politische Perspektive nicht aus dem Blick lässt, und dann auch ins Surreale verschobene Filme wie 'Our Past' aus Mosambik oder eine von Quentin Tarantino inspirierte Post-Apartheid-Parabel: 'Five Fingers For Marseilles' - das Ganze als Western erzählt, klingt jetzt etwas verschwurbelt ist aber visuell total einleuchtend."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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