Donnerstag, 20.06.2019
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteKommentare und Themen der WocheMit der Wirklichkeit konfrontiert03.05.2019

Afrika-Reise der KanzlerinMit der Wirklichkeit konfrontiert

Burkina Faso, Mali und Niger - ein Zeichen der Unterstützung wollte die Bundeskanzlerin mit ihrer Reise in drei Sahel-Staaten setzen. Vielerorts sei allerdings deutlich geworden, wie sehr die europäische Unterstützung hinterherhinke, kommentiert Jens Borchers.

Von Jens Borchers

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
01.05.2019, Burkina Faso, Ouagadougou: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht mit Roch Marc Kabore (M), Präsident von Burkina Faso, Ibrahim Boubacar Keita (l), Präsident von Mali, Mohamed Ould Abdel Aziz (2.v.l.), Präsident von Mauretanien, Mahamadou Issoufou (r), Präsident vom Niger, und Idriss Deby (2.v.r.), Präsident des Tschad beim Treffen der Regionalorganisation G5 Sahel zusammen. Foto: Michael Kappeler/dpa | Verwendung weltweit (dpa / Michael Kappeler)
Kanzlerin Angela Merkel beim Treffen mit der Regionalorganisation G5 Sahel (dpa / Michael Kappeler)
Mehr zum Thema

Merkel in Westafrika Deutschland sagt dem Niger Unterstützung zu

Kanzlerin in Burkina Faso Merkel verspricht Unterstützung im Kampf gegen den Terror

Bartholomäus Grill zum Kolonialerbe "Europa bevormundet Afrika noch immer"

Drei Länder in drei Tagen. Ein Ritt durch die Sahel-Region. Deutschland allein ist natürlich keineswegs in der Lage, die wirklich gravierenden Probleme in Burkina Faso, Mali oder Niger entscheidend zu lindern. Angela Merkel hatte nur kleine Gaben zu verteilen: Etwas Ausbildungshilfe hier, etwas Geld für Familienplanung da. Das sind Tropfen auf sehr heiße Steine. 

Dennoch, meine ich, könnte das eine lohnende Reise gewesen sein. Weil die Bundeskanzlerin mit afrikanischer Wirklichkeit konfrontiert wurde. Merkel hat sich in Burkina Faso mit den Staatschefs von fünf Sahelstaaten getroffen. Sie alle haben mit Terroristen und mit radikalen Milizen zu kämpfen. Das ist eine Welt, von der deutsche und europäische Politiker normalerweise sehr, sehr weit weg sind. Aber offenbar ist es den fünf Staatsoberhäuptern gelungen, Merkel diese Problematik näher zu bringen.

Europäische Mitverantwortung

Die Sahel-Staaten haben nämlich nach 2011 sehr deutlich zu spüren bekommen, welche Folgen der Sturz des libyschen Diktators Gaddafi hatte. Der Westen wollte ihn plötzlich loswerden, afrikanische Staaten warnten damals eindringlich vor dem, was dann genau passierte: Libyen brach auseinander. Immer noch herrscht dort Chaos. Söldner, Waffen, Schmuggler, Radikale und Verbrecher aus Libyen haben seitdem die Sahel-Region überschwemmt und richten in schwachen Staaten verheerendes Unheil an.

Merkel ist auf ihrer Reise eindringlich an die Mitverantwortung Europas für diese Entwicklung erinnert worden. Und daran, dass sich europäische Staaten immer noch nicht auf eine gemeinsame Position für eine politische Lösung des Libyen-Problems einigen konnten. Da wolle sie noch mal intensiv mit den europäischen Kollegen reden, versprach die Kanzlerin. Mal sehen, ob es hilft. Denn wenn es bei einer politischen Lösung der Libyen-Frage voran ginge, dann hätte die Sahel-Region zumindest ein Problem weniger.

Unterstützungsprojekte kommen nur zäh voran

Und noch etwas hat Merkel bei dieser Reise laut und deutlich zu hören bekommen: Es sind ja schicke Fernsehbilder, wenn Europas Regierungen bei großen Geber-Konferenzen mit großer Geste große Summen für große Hilfeleistungen zusagen. Die fünf Staatspräsidenten der Sahel-Region haben Merkel jetzt einmal erzählt, wie zäh und lahm Europa dann aber ist, wenn diese Zusagen praktisch umgesetzt werden sollen: Die versprochenen gepanzerten Truppentransporter sind immer noch nicht da. Der deutsche Militärberater für Niger ist erst jetzt gerade, zweieinhalb Jahre nach dem seine Entsendung beim ersten Merkel-Besuch in Niger vereinbart worden war, auch wirklich dort eingetroffen. Die versprochenen Projekte zur Verbesserung von Infrastruktur, Gesundheitsversorgung oder Berufsausbildung kommen nur zäh voran.

Der Lerneffekt für die Bundeskanzlerin könnte erheblich gewesen sein. Das war ganz gut zu erkennen, als sie mehr Tempo von europäischer Seite anmahnte. Ihre Begründung: "Die Terroristen sind schnell!" - Wohl wahr. Die europäische Unterstützungsbürokratie ist es oft nicht.

Deshalb meine ich: Die Kanzlerin hat viel praxisnahe Informationen über die Lage in der Sahel-Region bekommen. Jetzt kommt es darauf an, was sie damit macht. Das wäre wichtig für die politische Glaubwürdigkeit Deutschlands und Europas in Afrika.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk