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StartseiteInterviewGefahr durch Schweinefleisch und Wildschweine11.01.2018

Afrikanische SchweinepestGefahr durch Schweinefleisch und Wildschweine

Als Schutzmaßnahme gegen die Afrikanische Schweinepest solle der Wildschweinbestand um 70 Prozent reduziert werden, forderte der stellvertretende Präsident des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz im Dlf. Außerdem müsse an den Grenzen stärker kontrolliert werden, ob Reisende Fleischwaren einführten.

Werner Schwarz im Gespräch mit Jörg Münchenberg

Ein Wildschwein steht im Wald. (imago/ blickwinkel/ S. Meyer)
Wildschweine halten sich nicht an Landesgrenzen und könnten die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland bringen. (imago/ blickwinkel/ S. Meyer)
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Jörg Münchenberg: Die Seuche ist für Menschen ungefährlich, aber sie kann beträchtlichen Schaden anrichten, wirtschaftlichen Schaden. Die Rede ist von der Afrikanischen Schweinepest. In vielen osteuropäischen Ländern längst ein großes Problem, dürfte die Schweinepest bald auch Deutschland erreicht haben, erwarten zumindest Experten. Wie gesagt: Für den Menschen ist der Erreger zwar ungefährlich; für Wild- und Zuchtschweine aber ist er tödlich, und es gibt bis heute kein wirksames Gegenmittel.

Am Telefon ist nun der stellvertretende Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz. Herr Schwarz, einen schönen guten Morgen.

Werner Schwarz: Guten Morgen, Herr Münchenberg.

Münchenberg: Nun wurde ja in Deutschland noch kein infiziertes Schwein festgestellt. Aber aus Ihrer Sicht, ist das nur noch eine Frage der Zeit, bis wir auch in Deutschland erste Fälle mit der Afrikanischen Schweinepest haben werden?

Schwarz: Das ist nicht nur aus unserer Sicht so der Fall; auch das für Seuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut sagt, dass das Eintragsrisiko hoch ist, und deswegen sollten wir anfangen, Maßnahmen zu ergreifen.

"Biosicherheit bei Verkehrswegen einführen"

Münchenberg: Sie sagen, man sollte anfangen, Maßnahmen zu ergreifen. Welche schlägt denn der Bauernverband vor?

Schwarz: Wir schlagen eindeutig vor, einmal die Biosicherheit – wir sprechen von Biosicherheit, wenn es darum geht, mögliche Eintragswege zu verhindern -, Biosicherheit bei den Verkehrswegen einzuführen. Das ist auf der Straße, im Zug, über die Luft. Alle Verkehrswege kommen dort in Frage, wenn nämlich Menschen aus osteuropäischen Staaten Rohwurst-Waren oder Frischfleisch mit nach Deutschland bringen. Da ist der Virus hoch virulent.

Münchenberg: Das muss man vielleicht noch mal erklären. Ist der Mensch jetzt der gefährlichste Überträger für die Afrikanische Schweinepest?

Schwarz: Er ist eine der Hauptmöglichkeiten. Wir haben sehr viele Speditionen, die täglich den Weg von den baltischen Staaten, von Polen, Rumänien, Bulgarien nach Deutschland kommen. Wir haben aber auch Pflegekräfte aus den osteuropäischen Staaten, die hier sind, und in naher Zukunft werden die Saisonarbeitskräfte für die Spargelfelder, für die Erdbeerfelder kommen. Auch die bringen hin und wieder eigene Lebensmittel mit und da ist schon ein Weg. Es ist aber nicht der einzige. Wir haben auch die Wildschweine, die wir nicht grenzübergreifend aufhalten können. Sie wechseln auch Grenzen und das ist ein weiterer Punkt, den wir bedenken müssen.

Münchenberg: Sie haben trotzdem erst einmal den Menschen als möglichen Gefahrenüberträger angesprochen. Heißt das auch aus Sicht des Bauernverbandes, es wird da zu wenig getan von den Behörden?

Schwarz: Es kann deutlich mehr getan werden, ja. Es wird aber auch schon einiges gemacht. Es sind Hinweistafeln an den Grenzen in den verschiedenen Sprachen. Es sind erste Spürhunde unterwegs, die auf Nahrungsmittel, auf Wurstwaren anschlagen und dann der Hinweis kommt, bitte diese Nahrungsmittel doch zu vernichten.

"Wildschweinbestand um 70 Prozent reduzieren"

Münchenberg: Das hört sich trotzdem so ein bisschen hilflos an, wenn man jetzt Spürhunde losschickt, die da Wurstwaren aufspüren sollen. Sind das wirklich wirksame Maßnahmen?

Schwarz: Nein. Ich würde es nicht als hilflos bezeichnen. Aber es sind Maßnahmen, die wir ergreifen können. Wir können niemandem verbieten, die Grenze innerhalb Europas zu überschreiten, und wir werden es nicht schaffen, Wege komplett frei von Nahrungsmitteltransport zu bekommen.

Münchenberg: Nun haben Sie auch die Wildschweine angesprochen. Die halten sich bekanntlich nicht an Landesgrenzen. Da hat man jetzt verstärkt auch Jagd gemacht in den letzten Tagen. Aber sind das auch wirklich wirksame Maßnahmen, weil wie gesagt auch die Abschussquoten sind ja nach allem, was man bislang gehört hat, nicht so sehr hoch.

Schwarz: Sie haben recht, die sind noch nicht hoch genug, und da ist unsere Forderung ganz eindeutig, diesen Bestand um 70 Prozent zu reduzieren. Das hört sich erst mal gewaltig an, aber es ist keine Möglichkeit, den Bestand dauerhaft zu reduzieren.

Münchenberg: Sie haben es selber ja angedeutet. Ist das wirklich realistisch, jetzt den Wildschweinbestand tatsächlich um 70 Prozent – das ist eine riesige Zahl – zu reduzieren?

Schwarz: Es ist, ich sage mal, in ländlichen Regionen durchaus eine realistische Zahl. Wo ich ein bisschen Schwierigkeiten habe, ist solch eine Großstadt wie Berlin, wo ja bekanntlich nach Schätzungen der Stadtverwaltung zwischen drei und 8000 Schweine leben. Wildschweine leben in Berlin und Berlin gilt eigentlich als befriedeter Bezirk. Das heißt, eine Jagd, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg möglich ist, ist in der Stadt nicht möglich. Da sehe ich ein ganz, ganz großes Problem und die Forderung des Bauernverbandes ist dort, durchaus auch ungewöhnliche Maßnahmen der Bejagung zu nutzen.

In der Stadt "eine Fallenjagd einsetzen"

Münchenberg: Das würde konkret heißen?

Schwarz: Das würde heißen, dass wir eine Fallenjagd, die eigentlich heute verboten beziehungsweise auch verpönt ist, dann einsetzen, um eine Reduktion der Bestände herbeizuführen.

Münchenberg: Nun sagen Kritiker, dass sich die Wildschweine in Deutschland so stark vermehrt haben, das hat auch etwas zu tun mit der Form der Landwirtschaft, sprich dem massiven Ausbau von Mais und Raps. Denn das sind nun mal ideale Fresströge für die Wildschweine. Trägt da nicht auch die Landwirtschaftspolitik ein bisschen mit die Verantwortung, dass es in Deutschland so viele Wildschweine gibt?

Schwarz: Ja, wir haben einen Wandel der Anbaudiversität gehabt, wobei ich den Raps nicht unbedingt als Nahrungsgrundlage für den Wildschweinbestand sehe. Es ist einfach eine Deckung zu einer Zeit, wo sonst normalerweise nicht so viel Möglichkeit des Versteckens für die Wildschweine ist. Der Mais ja ist durchaus eine Frucht, wo das Wildschwein in einer Zeit Nahrung erhält, wo in der Natur sonst weniger ist, und dadurch ja auch die Bestände sich erholt beziehungsweise ausgeweitet haben.

"Wir werden vom Export ausgeschlossen"

Münchenberg: Herr Schwarz, lassen Sie uns noch mal auf die Afrikanische Schweinepest zurückkommen. Nun ist der Erreger für Menschen ja ungefährlich. Trotzdem: Wenn es Infizierungen bei einem Schweinemäster gibt, dann würde das trotzdem heißen, das Fleisch darf nicht mehr verkauft werden?

Schwarz: Das Fleisch darf verkauft werden, aber wir werden vom Export ausgeschlossen. Europa, Deutschland exportiert nicht unerheblich Schweinefleisch, und zwar nicht die Edelteile wie Filet oder Kotelett oder Schinken. Die importieren wir sogar noch. Sondern wir exportieren essbare Teile des Schweines, die in Deutschland nicht so gerne gegessen werden. Innereien gehören dazu. Da gehört auch der Kopf dazu oder die Pfoten, die in anderen Ländern sehr gerne verzehrt werden, und das ist eine Wertschöpfung. Von dieser Wertschöpfung werden wir ausgeschlossen, so dass es schnell in die Milliardenhöhe gehen kann, was dort in dem gesamten Sektor an Verlusten entstehen kann. Denn es ist ja nicht nur der Schweinehalter selber, der dort getroffen wird; es ist der vor- und nachgelagerte Bereich mit der Futterbereitstellung und der Schlachtung, den Fleischereien.

Münchenberg: … sagt der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, heute im Deutschlandfunk. Herr Schwarz, besten Dank für das Gespräch.

Schwarz: Herzlichen Dank, Herr Münchenberg. Auf Wiederhören.

//Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu e

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