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StartseiteForschung aktuellVirus erreicht Deutschland10.09.2020

Afrikanische SchweinepestVirus erreicht Deutschland

Ein Wildschweinkadaver im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg nahe der polnischen Grenze ist positiv auf Afrikanische Schweinepest getestet worden. Damit ist klar: Das Virus ist in Deutschland angekommen. Jetzt greift die Deutsche Schweinepestverordnung, denn eine Impfung gibt es nicht.

Von Sophia Wagner

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Wildschweine im Wald (imago/Martin Wagner)
Wildschweine haben die Afrikanische Schweinepest in Europa verbreitet. Erstmals ist ein Fall in Deutschland bekannt geworden. (imago/Martin Wagner)
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Die Nachricht kommt nicht überraschend, denn im November 2019 hatte sich das Virus bereits bis an die deutsch-polnische Grenze vorgearbeitet. Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland war nur eine Frage der Zeit.

Welchen Möglichkeiten gibt es zur Eindämmung?

Die effektivsten Methoden sind jetzt Zäune und eine systematische Kontrolle des betroffenen Gebiets. Die Abläufe gibt die Deutsche Schweinepestverordnung vor. Es wird eine Kernzone von mindestens drei Kilometer um den Fundort des Wildschweinkadavers ausgewiesen, eingezäunt und für die Bevölkerung gesperrt. Dazu kommt ein sogenanntes "gefährdetes Gebiet" von rund 15 km Radius um den Fundort in dem ebenfalls bestimmte Einschränkungen gelten, zum Beispiel keine Freilandhaltung von Hausschweinen, die sich ja auch anstecken können. Im gefährdeten Gebiet wird eine Jagdruhe ausgerufen und vor allem die Kernzone systematisch nach weiteren Kadavern abgesucht. Anschließend fängt eine verstärkte Bejagung an. Ziel ist, eine Ausbreitung zu verhindern.

Wie wahrscheinlich ist es, dass man die Afrikanische Schweinepest mit einem Zaun aufhalten kann?

Lange dachte man, dass Umzäunungen nichts bringen, vor allem Grenzzäune, die ja nie lückenlos verlaufen. Doch Erfahrungen aus Belgien und Tschechien zeigen das Gegenteil: Die Umzäunung von Ausbruchsgebieten in Kombination mit einer systematischen Kontrolle kann die Verbreitung aufhalten. In Tschechien hat das so gut funktioniert, dass das Land nach dem ersten Auftreten der ASP 2017 im Jahr 2019 wieder als ASP-frei erklärt werden konnte. In Belgien wurden in diesem Jahr erst drei Fälle gemeldet, der letzte im März. 

Für Deutschland wird mit ausschlaggebend sein, ob es sich bei dem Fund um einen Einzelfall handelt, oder sich das Virus schon in der Wildschweinpopulation ausgebreitet hat. Laut Friedrich-Löffler-Institut handelt es sich bei dem positiv getesteten Tier um einen schon weitgehend verwesten Kadaver, man muss also davon ausgehen, dass er schon mindestens einige Wochen am Fundort lag.

Eine Helferin stellt einen Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest nahe dem Grenzfluss Neiße auf. (dpa/ Patrick Pleul) (dpa/ Patrick Pleul)Afrikanischen Schweinepest - Forstamtsleiter: Wir müssen besondere Vorsicht walten lassen
Die Afrikanische Schweinepest lässt Tiere innerhalb eines Tages verenden. Das größte Risiko seien die überhöhten Bestände an Schwarzwild, sagte Forstamtsleiter Ralf Neuheisel im Deutschlandfunk. Desinfektionsmaßnahmen und die Jagd von Wildschweinen seien deshalb zur Reduzierung der Seuchengefahr wichtig.

Wie wird das Virus übertragen?

Das Virus wird am besten über Blut übertragen. Es hält sich auch in den Körperflüssigkeiten toter Tiere und sogar im umgebenden Boden noch relativ lange, allerdings müssen Schweine direkt mit dem Erdreich, Blut oder Resten anderer Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen, um sich anzustecken.

Wie sieht es mit einer Impfung aus?

Momentan gibt es keine zugelassenen Impfung, insbesondere nicht in der EU. Am weitesten fortgeschritten bei der Entwicklung eines Impfstoffs ist China, das seit 2018 schwer von der Tierseuche betroffen ist. Der chinesische Lebendimpfstoff wurde bereits erfolgreich im Freiland getestet. Die Immunisierung ist gut, Viren werden nicht weitergegeben. Allerdings gelten in China andere Sicherheitsstandards als in der EU. Der Impfstoff würde so wie er produziert wird hier nicht zugelassen.

Außerdem handelt es sich um einen Impfstoff für Hausschweine. Der ist in der EU gar nicht notwendig, weil wir sehr hohe Sicherheitsstandards in den Ställen haben. Wichtiger wäre ein Impfstoff für Wildschweine. Der müsste aber nochmals viel höhere Hürden nehmen und weitere Testverfahren durchlaufen. Denn der Lebendimpfstoff enthält gentechnisch veränderte Viren, die nicht ohne Weiteres in der Wildnis freigesetzt werden dürfen.

Wie zeigt sich die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist trotz des Namens nicht mit der klassischen Schweinepest verwandt. Beide Krankheiten werden von ganz unterschiedlichen Viren ausgelöst: die klassische oder auch Europäischen Schweinepest von RNA-Viren, die Afrikanische Schweinepest von DNA-Viren. Dass sie beide Schweinepest heißen liegt an den Symptomen. Die sind ähnlich, es handelt sich um schwere Allgemeinerkrankungen.

Die Afrikanische Schweinepest wurde dabei zum ersten Mal 1910, nachdem die Briten Kenia besetzt hatten, in Afrika diagnostiziert und 1921 beschrieben. Die Krankheit ist endemisch bei Warzenschweinen. Die Hausschweineherden der Briten waren eine ideale Brutstätte für das Virus. 2007 kam die Krankheit über den Kaukasus nach Russland, von dort in die EU und jetzt nach Deutschland.

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